"Es macht Spaß und gibt viel Freude, mit den Kindern zuarbeiten. Die wollen etwas lernen", sagt der Sprachpate Georg Herrmann, der zusammen mit seiner Frau Marianne bei der Flüchtlingsfamilie Shikora-Wale ehrenamtlich tätig ist. Die Familie lebt seit Oktober in Bodelstadt in der Gemeinde Itzgrund. Mit weiteren Sprachpaten besucht Herrmann einmal wöchentlich die Familie und übt mit den beiden größeren Kindern Mathematik. Seine Ehefrau büffelt mit den Kindern Deutsch. Rund 90 Minuten dauert der Unterricht immer. Der Lehrplan wird dabei eng mit der Schule abgestimmt.
In der Gemeinde Itzgrund wird nicht nur von Integration gesprochen, sie wird dort auch gelebt. Denn neben den sieben Sprachpaten sind auch rund 20 Helfer für die siebenköpfige Flüchtlingsfamilie tätig und unterstützen die Leute bei den verschiedensten Angelegenheiten.
Bei einer kleinen Feierstunde in der Schule in Bodelstadt freute sich die Integrationsbeauftragte und Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Itzgrund, Nina Liebermann (CSU), über das große Engagement der Helfer. Sie sagte, sie hoffe, dass dies auch in der Zukunft nicht nachlasse.


Wie eine echte Oma

Sie lobte Gerlinde Thomas, die sich als Helferin besonders engagiere. "Sie hat die Familie adoptiert", stellte Nina Liebermann fest, denn sie werde als Oma in der Familie gesehen und auch so genannt. Denn sie erledigte alle Arbeiten, die eine Oma in einer Familie eben so tut.
Gerlinde Thomas übernimmt verschiedene Fahrdienste und begleitet die Familie zu Arztterminen und Behördengängen und vielem mehr. Ein paar Tränen der Rührung waren bei Gerlinde Thomas zu sehen, als die Zweite Bürgermeisterin dies erwähnte. "Für mich ist es ganz normal zu helfen und ich fühle mich dabei sehr gut!", sagte Gerlinde Thomas bescheiden. Man merkt ihr an, dass sie nicht gerne im Mittelpunkt steht. "Wir haben zusammen einige große und kleine Hürden genommen", erzählte sie. Für die Familie Shikora-Wale sei sie einfach die Oma und Bürgermeister Werner Thomas der Opa. "Wenn sie mich sehen, kommen sie angerannt und umarmen mich. So haben wir schnell ein paart weitere ,Enkelkinder‘ dazubekommen", sagte dann auch Bürgermeister Werner Thomas (SPD) mit einem freudigen Schmunzeln auf dem Gesicht. Auch er sprach den ehrenamtlichen Helfern Dank und Anerkennung aus. "Integration geht nur gemeinsam", betonte Thomas. Ein gutes Beispiel dafür gebe es im Itzgrund. Die ersten Erfolge seien bereits sichtbar. Dies zeige sich in den Zeugnissen der Kinder. Alle vier Kinder haben das Klassenziel erreicht. Die Jüngste in der Familie besucht mit ihren drei Jahren noch den Kindergarten.
Stolz auf das Erreichte sind alle zusammen. Die Sprachpaten haben versucht, Lücken zu schließen und ihren Unterricht mit der Schule abgestimmt. Damit dies gelang, hätten drei Sprachpaten auch an einer Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen, wie Bürgermeister Thomas berichtete. Auch die Eltern besuchten zur Zeit einen Integrationskurs.
Das Bündnis für Demokratie hat die Feier, an der auch die Flüchtlingsfamilie tatkräftig mitwirkte, zu einem großen Teil unterstützt. Deswegen konnte Bürgermeister Werner Thomas an die Helfer und Sprachpaten kleine Geschenke überreichen. mst