von unserer Mitarbeiterin Sina MATtheus

Sand — Das Team der Sander Pfarrbücherei ist soeben dabei, die letzten Bücher wieder in die Regale einzusortieren, als bereits Kinderstimmen durch das Treppenhaus schallen. Denn wie jeden zweiten Donnerstag stattet die Klasse 3cG der Grundschule gemeinsam mit ihrer Klassenleiterin Christine Trautner-Kraus der heimischen Bücherei einen Besuch ab.

Lesen und ausleihen

"Umschauen und zu lesen beginnen", lautet die Anweisung von Christine Rippstein, einer der acht ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Sander Bücherei. Eifrig beginnen die Kinder, nach altersentsprechenden Büchern zu suchen, um diese für 30 Minuten vor Ort zu lesen und bei Gefallen für zwei Wochen auszuleihen.
Bereits seit 2003 besteht die Zusammenarbeit zwischen Sander Grundschule und Pfarrbücherei. Seitdem seien die Ausleihzahlen sprunghaft angestiegen, berichtet die Leiterin Marliese Löser. "Wenn Kinder nicht früh die Freude am Lesen entwickeln, wird sie auch später nicht kommen", meint sie und begründet damit bereits die beiderseits hochgeschätzte Kooperation zwischen Grundschule und Pfarrbücherei.

Welche Bücher gibt es?

Bereits ab der ersten Klasse werden die Kinder im Zuge des Programms "Bib fit" spielerisch in die Welt der Bücher eingeführt. Monika Weisel-Ullrich erklärt, dass die Erstklässler hierbei beispielsweise lernen, welche Buch-Genres es gibt, was eine Buchausleihe von einem Kauf unterscheidet, und wie man die Bücher sachgemäß behandelt.
Dass die Besuche der Bücherei der Leseförderung dienen, bestätigt die Grundschullehrerin Christine Trautner-Kraus. Durch das Lesen verbessern sich Rechtschreibung und Textverständnis. Des Weiteren werden Fantasie und Kreativität angeregt. "Bei manchen Kindern kann man die Leseentwicklung innerhalb der Grundschulzeit großartig beobachten", berichtet die Mitarbeiterin Christine Rippstein.
Für zusätzliche Lesemotivation sorgt das Internetprogramm "Antolin", mit dessen Hilfe Lehrkräfte die Leseaktivitäten ihrer Schüler nachverfolgen können. Bücher, die in diesem System registriert sind, lassen sich aufgrund eines speziellen "Antolin-Aufklebser" in der Bücherei sofort erkennen.

Fragen beantworten

Wenn sich Schüler diese Bücher ausleihen, können sie zu Hause am Computer Aufgaben zum Inhalt dieser Werke lösen, und für richtig beantwortete Fragen Punkte sammeln. Für Christine Trautner-Kraus ist mit ihrem Account ersichtlich, wer sich in welchem Maße mit dem Buch auseinandergesetzt hat. Vielleser werden daraufhin entsprechend belohnt.

Besser als Mathe

Über die Tatsache, dass das Fach Deutsch beliebter als Mathematik ist, sind sich Marie Ange-brand, Yannik Dehé, Jonas Kümmel, Melissa Krines und Lisa Tully einig. Es ist deutlich zu spüren, dass allen Kindern die regelmäßigen Ausflüge in die Bücherei Freude bereiten.
Ein Buch, passend zu ihrem Namen, hat sich heute Marie Angebrand ausgesucht: "Mariemoritz" von Gudrun Mebs. Jonas Kümmel hingegen leiht heute kein neues Buch aus. Er lässt sein Buch "Das geheime Universum", in dem es um Dinosaurier geht, verlängern.

Lesezeichen als Geschenk

Auch Lisa Tully ist eine begeisterte Leseratte. Auf die Frage, wie lange sie an einem Buch liest, antwortet sie sehr pragmatisch: "Wenn's dick ist, dauert's länger, wenn's dünn ist, kürzer." Generell bevorzugt sie Bücher mit ansprechenden Illustrationen und spannendem Inhalt. Toll finden die Kinder vor allem, dass sie nach fünf Buchausleihen ein Lesezeichen, nach zehn sogar ein kleines Geschenk vom Büchereiteam erhalten.
Stets beratend zur Seite steht den Schülern das freundliche Team. Ohne die ehrenamtliche Tätigkeit der achtköpfigen Truppe wäre ein derart reibungsloser Ablauf schwer vorstellbar.
Seit 30 Jahren gehört Marliese Löser nun schon dem Büchereiteam an. "Man braucht schon ein wenig Herzblut", sagt sie schmunzelnd. Die Leidenschaft für das Lesen entwickelte sie bereits als Heranwachsende und nutzte auch selbst das Angebot der im Jahr 1940 unter Pfarrer Söller gegründeten Pfarrbücherei. Mitarbeiterin Daniela Hofmann hat auch lieber ein Buch in der Hand anstatt eines E-Readers. Sie begründet ihr ehrenamtliches Engagement mit ihrer Leidenschaft für Bücher.
Aus dem Inventar von 1500 Kindersachbüchern konnten allein im letzten Jahr 4000 Ausleihen verzeichnet werden. Auch für Neuanschaffungen ist das Büchereiteam stets offen.

Das Erzähltheater

Eine Neuerung der besonderen Art stellt das Erzähltheater "Kamishibai" dar. Monika Weisel-Ullrich präsentiert, wie verschiedene Bilder zu einer Geschichte, die parallel erzählt wird, in dem kleinen Holztheater gewechselt werden können. In der Sander Pfarrbücherei gibt es bereits verschiedene Märchen, aber auch biblische Geschichten, die mithilfe des Erzähltheaters veranschaulicht vorgetragen werden können.

Vorschläge der Lehrer

Auf Büchervorschläge vonseiten der Lehrkräfte wird, soweit es finanziell möglich ist, eingegangen, und es werden themenspezifische Bücher ins Sortiment aufgenommen. Derzeit wird das Thema "Mittelalter" im Heimat- und Sachunterricht der Klasse 3cG besprochen, weshalb sich viele Schüler heute für Bücher interessieren, die Ritterthemen aufgreifen.
Auch lokale Autorenlesungen wie die von Jürgen Banscherus wirken sich, wie Christine Trautner-Kraus berichtet, positiv auf das Leseinteresse der Schüler aus. Deshalb sei es höchst erfreulich, dass einige seiner Bücher in der Pfarrbücherei angeschafft wurden.

Zurück zur Schule

"Ich finde die Büchereibesuche klasse", lautet das Fazit von Yannik Dehé, ehe er sich mit seiner Klasse auf den Weg zurück zur Schule in Sand macht.