von unserem Mitarbeiter Werner reissaus

Altdrossenfeld — Schafkopf ist in Bayern nach wie vor ein sehr beliebtes Kartenspiel. Doch mit dem Sterben der Wirtshäuser finden sich auch immer weniger Kartrunden zusammen. Im Gasthaus Schnupp in Altdrossenfeld treffen sich Theo Waldmann (78), Willi Werner (76) und Georg Hölzel (77) seit sage und schreibe 60 Jahren, um ihrem Hobby zu frönen. Der vierte Karter, Gerhard Hacker (68), ist erst seit einigen Jahren in der lustigen Runde dabei.
Und bierernst geht es bei den "Drossenfelder Dino-Kartern" wahrlich nicht zu. Das Granteln, Meckern und Besserwissen ist für sie fester Bestandteil der sonntäglichen Schafkopfrunde.
Eigentlich hat der Fußball die Männer vor 60 Jahren zusammengebracht. Georg Hölzel: "Wir haben miteinander von der Jugend auf beim TSV Neudrossenfeld gespielt. Früher war es so, dass nach dem Fußball alle beisammensaßen. Man hat ein Bier getrunken, Gaudi gemacht und eben auch gekartet. Das hat sich dann so entwickelt, dass alle 14 Tage nach den Heimspielen im Dorf gekartet wurde."


Heute oft nicht erwünscht

Der Ursprung war im ehemaligen Gasthaus Linhardt, in dem sich heute eine Metzgerei befindet. Nicht selten wurde in den Gasthäusern im Dorf an sechs, sieben Tischen gekartet. "Wenn man am Samstag nicht bald genug kam, bekam man keinen Platz mehr", erinnert sich Georg Hölzel. Das gehört alles längst der Vergangenheit an. Willi Werner ahnt auch den Grund, warum Schafkopf immer seltener gespielt wird: "Es gibt ja die alten Wirtshäuser nicht mehr! Die neuen sehen Karter nicht gern."
Seit etwa 20 Jahren treffen sich die Männer vierzehntägig in der Gaststätte Schnupp. Und wenn einer mal verhindert ist, dann verfügt die lustige Kartrunde über einen Ersatzspieler, der auch kurzfristig einspringt.


Casting für Ersatzspieler

"Georg, Theo und ich sind von Anfang an dabei, aber es sind schon einige Spieler eingeschleust worden, die dann wieder weggezogen oder auch verstorben sind", so Willi Werner. Die Rolle des Ersatzspielers übernimmt gegenwärtig Robert Kreuzer (77). Neue Kartbrüder hatten es oft nicht einfach. Theo Waldmann erzählt warum: "Sie mussten sich erst einmal an unser blöd's Gewaaf gewöhnen." Für die Ersatzleute wird ein regelrechtes "Casting" praktiziert. Willi Werner: "Es müssen schließlich schon die passenden Leute sein."
Natürlich wird auch um Geld gespielt, aber nicht mit hohem Einsatz, sondern um "Fünferla". Willi Werner erklärt: "Ein einfaches Spiel kostet fünf Cent." Im Ort ist die Runde auch als "Lachkopf" bekannt. "Weil wir uns halt immer viel unterhalten und auch viel gelacht haben", so Werner. Wenn man so will, werden am Tisch die aktuellen Neuigkeiten aus dem Dorf ausgetauscht. Wenn einmal ein Fehler passiert, und das kommt laut Georg Hölzel schon mal vor, wenn man sich unterhält, machen sich die "Dino-Karter" nicht verrückt. "Man sagt einmal was, aber das ist nicht bösartig", sagt Werner: "Zum Streiten sind wir nicht die Typen."
Theo Waldmann sieht die Kartrunde aus einer ganz anderen Perspektive: "Ich bin immer der Zahlmeister in der Runde. Ich fange stark an und höre schwach auf." Willi Werner möchte die Runde nicht missen: "Wir karten schon so lange miteinander und sind dadurch schon so etwas wie zusammengeschweißt. Im Übrigen wird mit dem Kartenspiel auch der Geist angeregt. Im Vordergrund steht der Zusammenhalt."


Spaß ist wichtiger als Geld

Georg Hölzel sieht es ähnlich: "Es ist schön, dass wir zusammenkommen und dann alles durchsprechen, was so im Dorf passiert. Solange es geht, muss man ein bisschen raus."
Turniere in der Region haben die "Dino-Karter" allerdings weniger besucht. Kein Wunder, denn da stehe nicht die Freude an der Kartrunde und am "Waafen" im Mittelpunkt, sondern da gehe es um Platzierungen und auch um Geld. Das aber ist nichts für die vier Männer.