von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Gräfenberg — Ausgesprochen kompliziert ist die Lage des Kindergartens in Gräfenberg. "Nicht nur in baulicher Hinsicht, sondern auch personell", sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD). Deshalb habe es in den vergangenen Wochen viele Beschwerden von Eltern und Elternbeirat gegeben.
Bei der letzten Prüfung war die Qualität des Kindergarten beanstandet worden. Deshalb ist es möglich, dass der staatliche Zuschuss von 195 000 Euro in diesem Jahr wegfällt. Die Stadt schickte deshalb der Kirche eine Abmahnung. Die Kirche wiederum prüfte die Gründe und entschloss, sich aus der Trägerschaft zurückzuziehen und diese der Diakonie zu übergeben.


Zu viele Ausfälle

Viele Eltern und auch Erzieherinnen waren deshalb zur Gräfenberger Stadtratssitzung gekommen. Dort stellte die Diakonie in Person von Vorstandsvorsitzendem Norbert Kern und Personalleiter für Sozialdienste, Fred Schäfer, ihr Konzept vor. Auch Pfarrerin Ruth Neufeld saß am runden Tisch.
"Die Gerüchteküche brodelt", sagte Stadträtin Antje Rammensee (SPD). Mitarbeiterinnen plage beispielsweise die Sorge um ihren Arbeitsplatz. "Die Arbeitsplätze und die Gehälter sind sicher, die Verträge werden übernommen", bemühte sich Kern um Gelassenheit.
Kern nannte auch die personelle Lage im Kindergarten gut. "Es gibt zu viele Krankheitsausfälle", versuchte er den Grund für die Klagen der Eltern und Erzieherinnen zu finden. Erfahrung im Bereich der Kinderbetreuung kann die Diakonie aufweisen. Täglich werden in den Einrichtungen in verschiedenen Orten 750 Kinder durch pädagogisches Personal von der Diakonie betreut.
Ob die Kindergartenbeiträge weiterhin denen in der Region ähneln werden, wollte Werner Wolf (FW) wissen. "Wir müssen uns an der Region orientieren", sagte Kern in diesem Zusammenhang. Von den Sozialleistungen, den Möglichkeiten, personelle Engpässe ausgleichen zu können, und auch von den Erfahrungen, die die Diakonie mit dem Bau von Kindertagesstätten seit über 70 Jahren vorweisen kann, waren die Stadträte durchaus angetan.
Kern möchte auch über einen Neubau des baufälligen Kindergartens nachdenken, denn jede Altbausanierung berge Risiken. Ein Neubau sei außerdem schneller umgesetzt. Werner Wolfs Interesse galt dann dem zeitlichen Rahmen, da es bei einem Krippenneubau erfahrungsgemäß besonders lange dauere, bis alle Zuschüsse durch die Landeskirche geprüft worden sind. "Wir entscheiden in Gräfenberg ohne die Landeskirche", antwortete Kern.


Entscheidung im November

Der Stadtrat will sich mit der Zukunft des Kindergartens in Kürze ein weiteres Mal beschäftigen. Eine endgültige Entscheidung darüber, wer ab Januar die Trägerschaft für den Kindergarten übernimmt, wird in der Novembersitzung getroffen werden.
Allerdings muss bis zum 1. Oktober der Förderantrag gestellt werden, um noch rechtzeitig die notwendigen Mittel zu erhalten, erklärte Kämmerer Ernst Steinlein. Das werde auch geschehen, unabhängig davon, wer die Betriebsträgerschaft letztendlich übernehmen wird.