Rund ein Jahrzehnt, nachdem der Landkreis Bamberg bereits an der Marke von 145 000 Einwohnern kratzte, hat er diese nun klar übersprungen. Nach einem starken Wachstum zum Beginn des Jahrtausends hatten am 31. Dezember 2006 nur noch sieben Personen gefehlt. Zum 31. Dezember 2015 zählte das Statistische Landesamt nun 145 570 Einwohner (wir berichteten).
Seit dem vorherigen Rekord mit 114 993 Einwohnern verlief der Bevölkerungstrend zunächst eher seitlich. Größere Verschiebungen gab es in den vergangenen Jahren vor allem zwischen den Gemeinden und verschiedenen Regionen des Landkreises. Anstelle des sonstigen Jahres- oder Halbjahresvergleichs sollen hier nun längerfristige Trends unter die Lupe genommen werden.
Während andere Landkreise in Oberfranken in den vergangenen Jahren ganz massiv Einwohner verloren, hielt Bamberg zumindest das Niveau. Nur einmal, 2012 - wohl bedingt durch den Zensus im Jahr zuvor - sank die Einwohnerzahl unter 144 000. Danach gab es wieder kräftige Zuwächse, zuletzt verstärkt durch die mitgezählten registrierten Asylbewerber.


Nicht nur im Speckgürtel

Dafür, dass das Wachstum auf soliden Beinen steht, spricht auch, dass die Stadt Bamberg und der Landkreis in den letzten drei Jahren im Gleichschritt gewachsen sind. Von einer wechselseitigen Kannibalisierung (Stadtflucht/Landflucht), wie es in der Vergangenheit teils der Fall war, kann also kaum die Rede sein.
Das aktuelle Wachstum im Landkreis konzentriert sich jedenfalls nicht auf die großen Gemeinden in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bamberg. Im Speckgürtel der Stadt herrscht mancherorts sogar Stagnation oder Rückschritt, was die Einwohnerzahl betrifft. So hatten etwa Memmelsdorf und Hallstadt - als zweit- und drittgrößte Kommunen im Kreis - ihren Zenit vor zehn Jahren bereits erreicht. Seit 2006 sank die Einwohnerzahl von Memmelsdorf um rund 150, die von Hallstadt gar um 250. Auch Bischberg verlor seither leicht an Einwohnern. Größere Zuwächse verzeichnen dagegen Strullendorf (+159) und Stegaurach (+137).
Die großen Gewinner finden sich aber anderswo. Unangefochten marschiert Hirschaid als größte Landkreisgemeinde an der Spitze weiter voran. Seit Ende 2006 stieg die Einwohnerzahl um fast 500 auf nunmehr 12 097. Platz 2 beim Wachstum belegt Buttenheim, das um fast 250 Einwohner zulegte - und damit prozentual den höchsten Zuwachs erzielte. Burgebrach auf Rang 3 gewann im gleichen Zeitraum 200 Einwohner dazu. Obwohl der Landkreis Bamberg laut Statistischem Landesamt zum 31. Dezember 2015 genau 577 Einwohner mehr zählte als beim bisherigen Rekord am 31. Dezember 2006, steht bei 16 der 36 Kommunen ein Minuszeichen bei der Bevölkerungsentwicklung.
Neben den bereits genannten Großgemeinden Hallstadt und Memmelsdorf im Zentrum des Landkreises sind das aber vor allem kleine Gemeinde an den Rändern. Einen kontinuierlichen Einwohnerschwund gibt es vor allem ganz im Osten und ganz im Westen des Kreises. Auf dem Jura und im Steigerwald ist dieser Rückgang allerdings auch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Während etwa Burgwindheim von den damals 1435 Einwohnern 162 verlor, haben die nur wenig größeren Gemeinden Ebrach (-67), Priesendorf (- 44) und Schönbrunn (-40) etwas geringere Einbußen zu verzeichnen.


Demographischer Wandel

Vergleichbar ist die Situation auf dem Jura. Wattendorf, die ohnehin kleinste Gemeinde im Kreis Bamberg, hat prozentual die meisten Bewohner verloren. Seit 2006 sank ihre Zahl von 702 auf 662. Ein ausgeprägtes Minus gibt es aber auch in Heiligenstadt (-117), Königsfeld (-59) und Stadelhofen (-26). Selbst das boomende künftige Mittelzentrum Scheßlitz hat in den vergangenen neun Jahren nur um 18 Einwohner zugelegt.
Keine Entwarnung bedeutet die aktuelle Entwicklung in Bezug auf den demographischen Wandel. So kommt das jetzige Wachstum nicht völlig überraschend, sondern es deckt sich mit den Prognosen des Bamberger Instituts Modus, das für den Landkreis regelmäßig Untersuchungen und Studien zum demographischen Wandel durchführt. Für den Zeitraum bis Anfang der 2020er Jahre rechnete das Institut in der mittleren Variante mit 146 000 bis 147 000 Einwohnern, bei einer höher angesetzten Zuwanderung sogar mit möglicherweise über 150 000. Langfristig muss sich der Landkreis Bamberg aber weiterhin auf eine schrumpfende und vor allem älter werdende Bevölkerung einstellen.