von unserer Mitarbeiterin 
Claudia Baumgärtner

Breitbrunn — Steine klopfen zuhauf, das durften die Besucher beim ersten Steinhauertag am Samstag in Breitbrunn. Im ehemaligen Steinbruch Graser am Ortseingang war alles rund um den Stein aufgebaut. Neben Attraktionen wie Steine bearbeiten, Nägel schmieden, Ausstellung von Funden aus der Dinosaurierzeit, Bilder von seltenen, heutigen Tieren und aktuellen Steinmetzarbeiten gab es eine Kinoleinwand und gut organisierte Gastronomie. An dieser Stelle soll auch die Sandstein-Erlebniswelt entstehen. Es war also ein Probelauf.

Voller Erfolg

Und der Erfolg war überwältigend. Zu Hunderten strömten die Besucher am Samstagnachmittag heran. Kein Wunder, das Wetter war schön und im Steinbruch hielten die hohen Steinwände die Wärme und schützten vor den manchmal doch pfeifenden Winden.
Außerdem hat fast jede Familie einen oder mehrere Vorfahren, die früher in einem der zahlreichen Steinbearbeitungsunternehmen tätig waren.
Bürgermeisterin Gertrud Bühl (FW) hatte sich auch diesmal wieder etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die Zeiler Steinhauerzunft gab interessante Einblicke in ihre Handwerks-aufzeichnungen. Berufsausbildung hatte schon im 18. Jahrhundert und damit in der vorindustriellen Zeiten einen hohen Stellenwert erfuhren die Besucher von Chronist Heinrich Weisel.
In jahrelanger Kleinarbeit hatte er sich durch die oft handschriftlichen Dokumente gekämpft. Er stellte fest, schon um 1700, als die Zunft gegründet wurde, betrug die Lehrzeit drei Jahre. Dafür hatte der Geselle dann auch deutlich mehr Wochenverdienst "als ein Maurer oder anderer Bauhandwerker".

Ein Chronist berichtet

Auch damals gab es bereits Fremdarbeiter: Vor allem aus Tirol kamen Handwerksgesellen "und lernwillige Buben", so Weisel.
Sie fanden wenige Jahrzehnte nach dem 30-jährigen Krieg kaum Arbeit in ihren abgelegenen Tälern und zogen ins damals im Wiederaufbau befindliche deutsche Reich, vor allem auf die Großbaustellen in die Städte und entlang der Flüsse, etwa im Maintal. Rund 7000 konnten österreichische Historiker bisher nachweisen.
Sie verließen im zeitigen Frühjahr ihre Heimat zu Fuß und gingen nach Martini wieder zurück. Die Lehrbuben aber mussten drei Jahre am Stück bleiben, bevor sie wieder ihren rund 450 Kilometer langen Heimweg antreten konnten.
Die einheimischen Gesellen gingen ebenfalls auf Wanderschaft und kamen erfahren, stolz, aber auch manchmal zänkisch wieder. Sie ordneten sich nicht mehr so leicht der Obrigkeit unter.

Die Gesteinsschichten

Professor Dr. Reinhard Kulik gab einen Einblick in die Geologie der Region. Er erläuterte anhand von bunten Karten, wie diese erdgeschichtlich alten Schichten in der Kreidezeit entwickelt haben.
In ihnen stecken der etwas jüngere helle Coburger Sandstein und der Muschelkalk, aber auch der ältere und dunkle Buntsandstein.
Durch eine Senkung im Rheintal kamen sie aus hunderten Metern unter der Erde im Maintal wieder nach oben an die Oberfläche und konnten in den für die Gegend so charakteristischen Steinbrüchen abgebaut werden.
Über Jahrzehnte hinweg gaben sie tausenden von Menschen Arbeit und schmücken bis heute Gebäude in aller Welt.
Hermann Graser, Seniorchef des Bamberger Natursteinwerks und Besitzer des Steinbruchs, hatte noch tags zuvor am Einweihungsfest für das neue Berliner Stadtschloss teilgenommen. Auch dieses Bauwerk entsteht mit Sandstein aus den Brüchen des Unternehmens Graser.
Er hatte mehrere Mitarbeiter mitgebracht, die mit viel Geduld und Fachwissen vornehmlich Kinder und Jugendliche an die Steinbearbeitung heran führten.

Kunstwerke für die Ewigkeit

Jeder durfte auf einem Sandsteinblock sein eigenes Kunstwerk für die Ewigkeit einhämmern. Viele machten davon Gebrauch und so entstanden Herzen, Pferde, Enten, Dinosaurierfußabdrücke und Teddys.
Anton Kirchner, Chef des gleichnamigen Metallbauunternehmens aus Breitbrunn, zeigte seine Schmiedekunst und hämmerte gemeinsam mit den Kindern individuelle Nägel als Erinnerungsstück.
Leo Derra und die Neubrunner Staaklopfer zeigten Funde aus dem ehemaligen Gleußner Steinbruch zwischen Neubrunn und Dörflis.
Hier wurden versteinerte Dinosaurier-Spuren gefunden. Kein Wunder, das Material Sandstein entstand in der Kreidezeit, also zu Lebzeiten der Riesenechsen.

Zum Biotop geworden

Heute leben ebenfalls wieder gerne seltene Echsen und Amphibien wie die Gelbbauchunke oder die Schlingnatter in den ganz besonderen Naturlandschaften ehemaliger Steinbrüche.
Auch sie sollen in der neuen Sandstein-Erlebniswelt ihren Platz finden.
Mit einer Kinovorführung klang der Abend aus. Wie es mit den Sandsteinwelten weiter geht, entscheidet der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung.