Zeil — Heuer beging die Brauerei Göller ihr 500. Jubiläum. Ansässig in der "Alten Freyung" nahm dies der Heimatforscher Alois Umlauf zum Anlass, um die Geschichte und das Wesen dieses Gebäudekomplexes und dieser einstigen wichtigen Einrichtung nachzuzeichnen. Dazu holt Umlauf an manchen Stellen etwas weiter aus, doch das macht die besondere Stellung der Freyung auch besonders deutlich.
Wie Umlauf berichtet, gehörte die "Alte Freyung" dem Domkapitel, eine besondere Einrichtung am Hochstift Bamberg, und diesem war sie lehenpflichtig; die Zinsen und Erträge waren also an das Domkapitel zu entrichten. Stadt und Amt Zeil wiederum gehörten direkt zum Hochstift Bamberg, also zum Fürstbischof.
Die Domherrenstellen in Bamberg waren in den Händen der Reichsritterschaft, aus deren Familien jeweils der Nachwuchs gestellt wurde. Die adligen Mitglieder des Domkapitels wählten aus ihren Reihen den jeweiligen regierenden Fürstbischof. Es gab eine genau festgelegte Zahl von Domkapitularen.
Einfach so kam man nicht in das Domkapitel: Ab dem 17. Jahrhundert mussten 16 adelige Ahnen nachgewiesen werden, um in das Domkapitel eintreten zu können. In Bamberg gab es 20 Kapitulare. Nur ein geringer Teil empfing auch die Priesterweihe. Viele begnügten sich mit den Niederen Weihen eines Subdiakon oder Diakon.

Besitzungen sind "Immunitäten"

Das Domkapitel hatte eigene Bedienstete, etwa einen Syndikus, Konsulenten, Archivare oder besondere Kastner. Ihre Besitzungen, die "Immunitäten", waren somit der Gerichtsbarkeit, Besteuerung und von anderen landesherrlichen Pflichten entzogen, also befreit. Man kann sich vorstellen, dass es im Laufe der Zeit immer wieder zu Auseinandersetzungen mit dem Fürstbischof und dessen Regierungsbehörden kam.
Ihre Einkommen bezogen die Kapitulare aus Pfründen. Die Amtseinnahmen der Domkapitelischen Ämter und Besitzungen wurden auf die einzelnen Mitglieder des Kapitels nach festen Regeln verteilt. Weil der Hof in Zeil dem Bamberger Domkapitel zugehörig war und somit der direkten Justiz und Steuerpflicht des Fürstbischofs, vertreten durch den Zeiler Stadtvogt und den Kastner, entzogen, also "befreit" war, nannte man ihn "Freyung", heute "Die Alte Freyung".

Erste urkundliche Erwähnung

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung erfolgte 1410 in einem Lehenbrief des Bamberger Domdechanten: Da wurde das nach dem Tod des Hansen Zehender heimgefallene Gut zu Zeil neben dem Kastenhof mit allen seinen Zu- und Eingehörungen dem Claus Getzendorfer verliehen.
1417 wurde dieser Vererbungsbrief für den zwischen der Stadtmauer und dem alten Kastenhof liegenden Freihof in Zeil erneuert. Nicht einfach so, sondern das kostete Geld: jährlich zwei ungarische Gulden, einen an Walpurgis (im Frühjahr) und einen an Martini (im November), ferner einen Schöffel Korn an die zwölf Stuhlbrüder.

Verschiedene Besitzer

1500 verkauft Anton Getzendorfer, Sohn des Claus Getzendorfer, die Freyung an seinen Stiefvater, den Zeiler Schultheis Hans Leupold, für 300 Gulden.
1578 wiederum verkauft Bischof Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt den neben der Freyung gelegenen alten Kastenhof an den Bamberger Hofrat Dr. Jobst Lorber.
Die Verhältnisse damals waren ein bisschen verzwickt: Da der alte Kastenhof dem Kastenamt Zeil lehenbar, die Freyung aber ein Lehen des Bamberger Domstifts St. Kunigundis war, bat Dr. Lorber den Bamberger Bischof, beide Häuser zusammenzufassen und zu befreien. Dieser tut das. Damit waren erstmals beide Häuser in einer Hand verschmolzen. Zu den Häusern gehörte umfangreicher Grundbesitz, der in der Urkunde wie folgt beschrieben wird:
"neun acker weinberg in der haardt gelegen, neun acker wiesmatten im Ziegengrund und vier acker artfeld am Galgenberg, ein baumgarten vor dem untern tor bei der fischgrube, ein baum- und küchengarten samt darin stehendem sommerhaus vor dem oberen tor, drei leiten, die Badleiten genannt, darin unterschiedliche brunnquellen, daraus das wasser in die freyung zu dem darinn befindlichen springbrunnen geleitet werden kann, samt einem steinbruch, welcher in solcher leiten ist."
1771 erwarb Erhard Zier, Kammerdiener im Kloster Theres, die Freyung. Das Freyungshaus lag direkt an der Stadtmauer. Es wurde beim Bau des Steingebäudes mit dem Saal abgebrochen.

Getreidemassen ruinieren Haus

1793 berichtete der Zeiler Kastner Erhard Fexer, dass er die Zentgetreide in den Kastenböden im Neuen Kastenhof nicht mehr unterbringen könne. Er wolle den Dachboden in der Alten Freyung anmieten. Aus der Beschreibung dieses Bodens kann man sich von dessen imposanter Größe ein Bild machen: Er war in fünf übereinanderliegenden Ebenen unterteilt und mit 24 Dachluken versehen.
1794 wurde der größte Teil des Zentgetreides dort untergebracht. Als noch mehr Getreide auf dem Boden gelagert werden sollte, protestierte die Besitzerin, die Witwe Catharina Zier. Ihr Haus hätte durch das schwere Getreide großen Schaden erlitten, meldete sie. Sie kündigte den Pachtvertrag und verlangte, das Getreide fortzuschaffen.
Nach Besichtigung des Freyungs-Hauses fand man die Beschwerde für begründet. Das hölzerne Bauwerk hatte sich so sehr gesetzt, dass in dem oberen Stockwerk kaum noch eine Stubentür aufging und die Wände starke Risse und Sprünge hatten. Ein Stück der Kalkdecke war herabgefallen. Der ganze Dachstuhl hatte sich so gesetzt, dass sogar der hölzerne Fußboden zersprungen war.

Kein Verkauf an Protestanten

Nach dem Tod ihres Mannes, Johann Erhard Zier, Kammerdiener und "Consulent" im Kloster Theres, hatte dessen Witwe 1788 das ganze Freyungsgut eigentlich verkaufen wollen. Sie hatte alle ihre "Barschaften" und "Habseligkeiten" samt den Schlüsseln dem damaligen Zeiler Stadtpfarrer Joseph Müller übergeben und war zu ihrem Vetter nach Nürnberg gezogen.
Wenig später erschien ein Graf von Schönburg in Zeil, der durch einen jüdischen Geschäftsmann von dem beabsichtigten Verkauf erfahren hatte. Er war chursächsischer Offizier und besaß umfangreiche Besitzungen nahe Burgkunstadt.
Er bat den Pfarrer, ihm die Gebäude und die zugehörigen Grundstücke der Freyung zu zeigen und die Besitzerin von seinen Kaufabsichten zu unterrichten. Der Pfarrer bekam von ihr die Erlaubnis, über den Verkauf "um einen gewissen Preis" mit dem Grafen zu verhandeln. Als der Geistliche aber hörte, dass der Graf Protestant wäre, bat er die Besitzerin, mit dem Verkauf zu warten, bis er sich mit dem Zeiler Kastenamt hierüber besprochen habe.

Was tun, Herr Bischof?

Gemeinsam mit dem damaligen Kastner Wolf berichtete der Geistliche dem Fürstbischof nach Bamberg von der Sache und bat: "wenn Euer Hochf Gnaden wider dessen Person, weil er ein Protestant ist, und im hiesigen Städtlein noch keiner ansässig, ein gnädigstes Bedenken hegen würden, man auf schickliche und nicht merkliche Art diesen Kauf zu hintertreiben, sich werde angelegen sein lassen."
Er fügte hinzu, er sei überzeugt, dass, wenn ein Katholik in einem Marktflecken in Sachsen, oder auch in anderen protestantischen Landschaften ein so beträchtliches Gut an sich bringen wollte, solches von den Protestanten nicht gestattet werden würde. Der Fürstbischof antwortete prompt: "Wenn mir Pfarrer und Amtsvogt zu Zeil die schickliche Art und Weise, wie sie den Grafen von Schönburg an dem Kauf, dieses der verwittibten Verwalterin Ziehr zu Zeil anhehörigen Guts zu hindern gedenken, zuvor in berichtliche Anzeige gebracht haben werden, so will ich denselben bestimmen, ob sie sich ihres vorgeschlagenen Mittels in dieser Sache zu bedienen, oder was sie sonst zu tun haben."
Was geschah, weiß man nicht: Jedenfalls war die "schickliche und nicht merkliche Art" erfolgreich. Die Witwe verkaufte die Freyung nicht.