von unserem Mitarbeiter  DIETER Grams

Walsdorf — Das Jahr 2017 ist für die Gemeinde Walsdorf nicht nur einfach ein Kalenderdatum, sondern in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Vor 700 Jahren, 1317, wurde Walsdorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Dieses bisher als verbindlich angesehene "Geburtsdatum" bedarf nun allerdings einer Korrektur.
In einem Würzburger Archiv sei eine Urkunde aus dem Jahr 1181 aufgetaucht, die zweifelsfrei auch die Unterschrift eines Ritters aus Walsdorf trage, so Bürgermeister Heinrich Faatz, der das Dokument dem Gemeinderat präsentierte. "Mit Walsdorf sind eindeutig wir gemeint", so Faatz weiter. Die Niederschrift sei die Folge eines bisher nicht genau bestimmten Streitfalles, denn eine Übersetzung des Schriftstückes in lesbares Deutsch stehe noch aus. Vielleicht war es irgendeine Bagatelle, vielleicht eine Nachwirkung des damals in Würzburg verhandelten landesrechtlichen, dann auch lehensrechtlichem Verfahren gegen den welfischen Herzog Heinrich dem Löwen, dem Gründungsvater der heutigen Landeshauptstadt München.
"Tatsache ist", so das Fazit des Bürgermeisters, "Walsdorf ist viel älter als 700 Jahre, es gab nur keine Geburtsurkunde." Eine 700-Jahr-Feier in 2017 mache daher keinen Sinn. Dieser Auffassung schloss sich das Gremium an.
Ein aus dem Rahmen fallendes Fest wird es in Walsdorf in drei Jahren gleichwohl geben, ein 500-Jahre-Fest. "Im Jahr 1517 am Vorabend von Allerheiligen sind in Wittenberg an den Türen der Kirchen die Thesen über den Ablass von Doktor Martin Luther vorgestellt worden", notierte Georg Rörer, ein Theologe und Assistent Luthers. Er tat das nicht um Geschichte zu schreiben, sondern einfach nur, um das Datum nicht zu vergessen. Aber damals wurde Geschichte geschrieben. Luthers Thesenanschlag, eine Anfang des 16. Jahrhunderts durchaus gebräuchliche Form der Kommunikation, war der Beginn der Reformation, einem Ereignis, das Walsdorf bis auf den heutigen Tag entscheidend und tiefgreifend geprägt hat. 1524 wurden die Walsdorfer nach dem Prinzip Cuius regio, eius religio, wessen Gebiet, dessen Religion, durch den damaligen Gutsherrn Wolf von Crailsheim ausnahmslos evangelisch.
Pfarrer Ulrich Rauh wies auf die besondere Geschichte Walsdorfs hin, von wo aus auch die Bamberger Protestanten noch bis 1807 betreut wurden. Der 31. Oktober 2017 sei darüber hinaus erstmalig und einmalig ein bundesweiter Feiertag. Dieses Geschenk sollte man für ein breit angelegtes Dorffest nutzen. Mit der Ausrichtung einer solchen Veranstaltung sei die Kirchengemeinde allein allerdings überfordert. Vom Kirchenvorstand nahm Andrea Eichler-Faatz an der Sitzung teil.
Die politische Gemeinde zierte sich nicht. Es wurde beschlossen den Kulturausschuss sowie den Ortskulturring als Dachorganisation der Ortsvereine in die Vorbereitung und Planung dieser 500-Jahr-Feier einzubinden. Im Oktober wird es eine erste, gemeinsame Sitzung geben, um einen Festausschuss zu etablieren. "Drei Jahre Vorlauf sind ein angemessenes Zeitfenster", so Rauh.