In der Altenhilfe und bei der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen gewinnen selbstständige Wohnformen immer mehr an Bedeutung. Diakon Matthias Ernst, Heimleiter des Ernst-Faber-Hauses, stellte bei der Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes Coburg in Ahorn seine Einrichtung vor. 1962 eröffnete das Haus mit damals gerade einmal einem Dutzend Pflegeplätzen. Der große Teil der Bewohner vor 54 Jahren war im klassischen Altersheim noch ziemlich rüstig. Heute habe sich das Verhältnis geradezu umgedreht. Das soll aber auch ein Ansporn für den evangelischen Wohlfahrtsverband und seine Einrichtungen sein, wie Diakon Franz K. Schön deutlich machte. "Stationäre Einrichtungen werden sich durch die Veränderung ihrer Klientel in ihrem Charakter massiv verändern", sagte der Vorstand des Diakonischen Werkes. "Diese Veränderungen so zu gestalten, dass die Menschen sich bei gleich bleibender Qualität trotzdem wohlfühlen, und das Etablieren neuer Wohnformen, ist die Herausforderung von der wir stehen."
Nicht unbedingt glücklich ist Schön mit der Gesetzgebung. Die Regelungen in Zusammenhang mit dem Pflege-Wohn-Qualitätsgesetzes erfordern auch bauliche Anpassungen im Altbestand, die finanziell schwer zu stemmen sein könnten. Schön nannte als Beispiel fünf stationäre Einrichtungen in den Bereichen Altenhilfe und Behindertenhilfe, die vor einigen Jahren erbaut worden waren. Damals hätten die zuständigen Kostenträger die vom Diakonischen Werk eigentlich erforderlichen Zimmergrößen abgelehnt. Diese Zimmergrößen würden aber jetzt im neuen gesetzlichen Umfeld gefordert. "Ich halte diese Vorschrift für eine unbillige Härte", sagte Schön.
Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) zur Eingliederung von Menschen mit Behinderungen findet Schön "nicht so gut, wie es genannt wird." So würden für die Betroffenen die Bereiche Eingliederungshilfe und Hilfen zum Lebensunterhalt getrennt. Ein anschauliches Beispiel ist etwa das Mittagessen in einer Werkstatt für Behinderte. Bisher sei das Mittagessen von den Kostenträgern der Werkstatt finanziert worden. Ab dem Jahr 2020, wenn denn das Gesetz so den Bundesrat passiere, müsse ein Menschen mit Behinderungen das Mittagessen in der Werkstatt eigenverantwortlich aus seiner Grundsicherung bezahlen. Im Wohnheim soll der Betrag für Unterkunft und Verpflegung nicht höher sein als sonst in der Hilfe zum Lebensunterhalt oder eben in den Grundsicherung vorgesehen.
Matthias Emmer, ebenfalls Vorstand des Diakonischen Werkes Coburg, äußerte sich besorgt über den Fachkräftemangel in der Altenhilfe. "Wir brauchen neue Ideen und Konzepte, um mehr Menschen für den Pflegebereich zu gewinnen."
Die letzten Einrichtungen des Diakonischen Werkes haben mittlerweile das frühere Diakonisch-Soziale Zentrum (DSZ) am Johann-Strauss-Platz in Coburg verlassen. Der Kindergarten und zwei Heilpädagogische Tagesstätten befänden sich nunmehr im Ahorner Gemeindeteil Eicha und im Coburger Vorstadtquartier Stets am Bach. Die Beratungsstellen der Diakonie, jetzt in der Bahnhofstraße, seien bei weitgehend stabilen Fallzahlen gut ausgelastet. Matthias Emmer freute sich, dass das Stadtbüro "dialog" in der Metzgergasse in der Coburger Altstadt als "vorbildliches Projekt ehrenamtlicher Nachbarschaftshilfe" auf der Nürnberger Messe "ConSozial" ausgezeichnet worden sei. mako