Coburg — Neue Musik hat einen festen Platz im breitgefächerten Spielplan des Landestheaters Coburg. Was mit Kammeropernproduktionen auf der Studiobühne begann, findet nun im Großen Haus seine Fortsetzung: Nach Sciarrinos "Lohengrin" in der letzten Saison bringt Intendant Bodo Busse heuer mit "Der Welt abhanden gekommen..." eine szenische Collage auf die Bühne (Premiere: Samstag, 28. März, 20 Uhr, Landestheater).

"Mitten ins Herz"

Darin verbinden sich Werke Gustav Mahlers mit Musik des zeitgenössischen kanadischen Komponisten Claude Vivier.
Mahlers Rückert-Lieder liegen Busse besonders am Herzen: "Als Jugendlicher hatte ich Gesangsunterricht - und wollte unbedingt die Rückert-Lieder singen. Ich habe meine Lehrerin so lange genervt, bis sie nachgegeben hat. Da stand ich dann mit meinen 16 Jahren und habe mit brüchigem Bariton all meinen pubertären Weltschmerz in ,Ich bin der Welt abhanden gekommen' gelegt", erinnert er sich schmunzelnd. Auch heute noch treffen ihn die Texte Rückerts und Mahlers Musik "emotional mitten ins Herz".
Für seine Geschichte hat sich Bodo Busse von David Grossmanns Roman "Aus der Zeit fallen" inspirieren lassen: Ein Paar durchlebt das Trauma um den Verlust seines Kindes - auf der Bühne musikalisch zum Ausdruck gebracht durch Mahlers Rückert-Lieder sowie drei der "Kindertotenlieder", gesungen von Kora Pavelic und Jirí Rajniš.
Das Herzstück der Collage bilden zwei Werke Claude Viviers, dessen Klangsprache sich bis in den Vierteltonbereich hinein auffächert - und dabei trotzdem unglaublich melodisch ist: "Bouchara", das fast einem gregorianischen Choral gleicht, und "Lonely Child", das Wiegenlied eines einsamen Kindes. Vivier selbst hat seine Eltern nie kennengelernt und litt zeitlebens darunter. Sein kurzes Leben glich einer Flucht, 1983 wurde er im Alter von nur 34 Jahren in Paris ermordet.
In jedem Ton, den er schrieb, steckt die Sehnsucht nach Schönheit und "transzendenter Geborgenheit". Mit der Sopranistin Petra Hoffmann wurde eine Spezialistin für die Interpretation von Viviers Werken gewonnen. Eröffnet wird der Abend von der iranischen Schauspielerin Mahsa Harati, die für die Collage einen Monolog - vorgetragen in persischer Sprache mit deutscher Übertitelung - geschrieben hat: die Anklage einer Mutter, die den gewaltsamen Tod ihrer siebenjährigen Tochter beweint. ct