"Dem Wald ging es in der Neuzeit nie so gut wie heute. Er bietet nachgewiesenermaßen die höchste Biodiversität aller Lebensräume." Diese Aussage traf Philipp Freiherr zu Guttenberg, der bei der Jahresversammlung des Vereins "Unser Steigerwald" zum Thema "Nachhaltige Waldwirtschaft - eine Generationenaufgabe" in Trossenfurt sprach. Unaufgeregt und sachlich nahm er kein Blatt vor den Mund. Dem Verein "Unser Steigerwald" dankte Philipp Freiherr zu Guttenberg "für Ihr Engagement und die Courage im Kampf um den Erhalt dieses Kultur-Juwels".
Philipp zu Guttenberg ist Präsident der Deutschen Waldbesitzer-Vereinigung. Nun könne es den Privatwaldbesitzern doch egal sein, wenn im Steigerwald über einen Nationalpark gestritten werde, so der Referent. Doch wenn aus ideologischen Gründen Wald stillgelegt werden soll, dann würden grundsätzlich die Nachhaltigkeit und der gelebte Generationenvertrag infrage gestellt. Außerdem bedeute eine weitere Verknappung des Rohstoffes Holz, dass auch die verarbeitenden Betriebe sich irgendwann aus Deutschland verabschieden würden.
Guttenberg forderte die Anwesenden dazu auf, die Interessen des ländlichen Raumes hörbarer zu vertreten. Das Gespür für das Leben auf dem Lande schwinde zunehmend, wie es auch die Einstellung zum Wald zeige. "Holz ist die wichtigste und intelligenteste Ressource in Deutschland", betonte der Referent. Die Branche, die als "Cluster Forst und Holz" bezeichnet wird, habe 1,3 Millionen Beschäftigte in 130 000 Betrieben und mache einen Umsatz von 180 Milliarden Euro im Jahr. Zwei Millionen Privatwaldbesitzern gehören nach seinen Angaben 48 Prozent der Gesamtfläche, dazu kämen 30 Prozent Kommunalwälder. Deutschland produziere mehr Holz als Schweden oder Finnland, und zwar in nachhaltiger Forstwirtschaft, die viel Raum für die Artenvielfalt biete.
Gerade das Eigentum garantiert für zu Guttenberg die Nachhaltigkeit, denn hier werde in Generationen gedacht. 68 Prozent der deutschen Wälder stünden bereits unter Schutzkategorien und viele Auflagen seien auch eine schleichende Enteignung, bedauerte er.
Auch die Energiewende könne ohne Holz nicht gelingen, denn "Holz ist die beste Möglichkeit, ohne riesige Investitionen fossile Brennstoffe zu ersetzen, und zwar ohne den Wald zu gefährden", betonte der Fachmann. Der zeigte sich verärgert über die ständigen Diskreditierungen der Waldwirtschaft durch den "grünen Naturschutz. Hier wird der Wald alleine auf den Artenschutz reduziert, nicht nur im Steigerwald." Dabei habe der Wald so vielfältige Aufgaben und schließlich dürfe auch die Art Mensch nicht ausgeklammert werden.


Falsche Weichenstellungen

Auf dem politischen Feld seien Entscheidungen gefallen, die jeglicher fachlicher Begründung entbehrten, etwa die Quote von fünf Prozent Stilllegung. "Die Politik, die wir in den Bundesländern mit grüner Regierungsbeteiligung erleben, hat fürchterliche Folgen für den ländlichen Raum", so zu Guttenberg. Hier werde eine Wählerschaft mit politischen Geschenken bedacht, die keinen realen Bezug zum flachen Land oder zum Wald habe. Und so verzichte man auf sieben Millionen Festmeter Holz, die dann aus Ländern importiert werden, in denen der Kahlschlag noch gängige Waldbewirtschaftung sei. Für die deutsche Wertschöpfungskette gingen so drei Milliarden Euro verloren. "Jeder Hektar stillgelegter Wald kostet den Steuerzahler 13 000 Euro. Das ist moderner Ablasshandel", kritisierte der Referent. Gleichzeitig gingen 45 000 Arbeitsplätze verloren. Aber eben in vielen kleinen Betrieben und nicht in der Großindustrie, wo es einen enormen Aufschrei gäbe.
Er fasste zusammen: Die Nachhaltigkeit allein auf die Ökologie zu beschränken, "ist töricht und hätte tiefgreifende Folgen. Den Steigerwald als Nationalpark verkommen zu lassen, wäre falsch, verantwortungslos und dumm", erklärte Philipp zu Guttenberg. sw