von unserem Mitarbeiter Helmut Will

Haßfurt — Einen "Stoßseufzer" ließ ein 51-jähriger selbstständiger Mann aus einer Ortschaft im nördlichen Landkreis Haßberge los, als er noch in der Verhandlung gegen ihn vor dem Amtsgericht Haßfurt wegen Straßenverkehrsgefährdung seinen Führerschein von Richterin Ilona Conver wieder ausgehändigt bekam.


5000 Euro Geldauflage

Nach einem Unfall, bei dem Alkohol mit im Spiel war, hatten Beamte der Polizeiinspektion Ebern seinen Führerschein im April sichergestellt. Allerdings brummte ihm das Gericht eine saftige Geldauflage von 5000 Euro auf, die er zum Teil an die Geschädigten und zum Teil an das Bayerische Rote Kreuz Haßberge zahlen muss.
Der Regelfall ist das sicher nicht, dass jemand, der unter Alkoholeinfluss, wenn wie in diesem Fall auch "nur" mit 0,52 Promille (Grenze: 0,5), einen "Unfall baut", ohne Verurteilung davon kommt. In dem vorliegenden Fall allerdings hatte das geschädigte Ehepaar aus Ebern keinen Strafantrag gestellt und auch in der Verhandlung die von Reue getragene Entschuldigung des Angeklagten angenommen. Weiter versicherten die beiden Geschädigten auf intensive Nachfragen der Richterin und des Vertreters der Staatsanwaltschaft, Ilker Özalp, kein Interesse daran zu haben, dass der Angeklagte hart bestraft werde. "Der ist eigentlich schon genug gestraft", sagten die Geschädigten vor Gericht.
Was war geschehen: Im April 2015 fuhr der Angeklagte mit seinem Wagen aus Richtung Jesserndorf kommend in die bevorrechtigte Staatsstraße 2278 ein und erfasste hierbei den Pkw des Eberner Ehepaares, das aus Richtung Ebern kommend in Richtung Haßfurt unterwegs war. Die 57-jährige Zeugin, die Beifahrerin im Auto ihres Mannes war, sagte: "Als ich das Auto gesehen habe, tat es einen Schlag, und wir waren schon im Straßengraben."
Auch ihr Gatte, ein 60-jähriger Maschinenbediener, bekundete, den Pkw des Angeklagten so spät erkannt zu haben, dass es ihm nicht möglich war, den Unfall eventuell zu verhindern. "Er kam von links einfach raus und schubste uns von der Straße."
Ein Zeuge, der aus Richtung Haßfurt kommend auf die Kreuzung zufuhr, gab an, was er sah: Der Angeklagte sei "ohne zu halten oder ohne seine Geschwindigkeit merklich zu verringern" einfach in die bevorrechtigte Straße eingefahren.
Der Eberner Polizist vor Ort meinte, er habe bei der Unfallaufnahme beim Angeklagten Alkohol gerochen und deshalb eine Blutentnahme veranlasst und den Führerschein sichergestellt. Er und die Geschädigten beschrieben den Angeklagten als ruhig und kooperativ. Im gegenseitigen Einvernehmen erklärten der Anklagevertreter und der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Alexander Wessel, sich mit einer vorläufigen Einstellung des Verfahrens einverstanden.
Richterin Conver wie Anklagevertreter Özalp redeten dem 51-Jährigen noch einmal ordentlich ins Gewissen. Es hätte viel mehr passieren können. Alkohol, auch in geringer Konzentration, sei kein guter Begleiter beim Autofahren. Conver stellte das Verfahren wegen Straßenverkehrsgefährdung vorläufig ein und verhängte gegen den Mann eine Geldauflage von 5000 Euro, zu zahlen bis April 2016. "Es wird bezahlt werden", versicherte der Mann, von dem merklich eine Last abfiel.