Erschreckende Fakten: Im Landkreis Kronach werden pro Jahr 50 Straftaten im Bereich häusliche Gewalt angezeigt; von der mit Sicherheit weitaus höheren Dunkelziffer ganz zu schweigen. Mit dem Vortrag "Pfefferspray darf nicht die Lösung sein - Kluge Strategien, um Gewalt gegen Frauen vorzubeugen" nahm sich der Kreisverband der Frauen Union Kronach eines topaktuellen Themas an, das dann auch auf großes Interesse stieß. So konnte Kreisvorsitzende Mathilde Hutzl im Turnerheim Kronach zahlreiche Gäste begrüßen, darunter auch die Gleichstellungsbeauftragte Claudia Merkel und Lisa Gratzke, die das Amt ab Mai übernehmen wird.
Gewalt zeige sich - so Kriminalhauptkommissarin Susanne Mechtold von der Kripo Coburg - in unterschiedlichen Formen, angefangen von Beleidigungen und anzüglichen Blicken bis hin zu Belästigungen und körperlicher Gewalt. "Jede Situation kann dabei eskalieren", machte die stellvertretende Kommissariatsleiterin deutlich. Die Täter seien überwiegend männlich, zwischen 30 und 40 Jahre und handelten oft aus Zurückweisung oder Rache. Die Ursachen für Gewalt seien laut Statistik vielschichtig: mangelnde Konfliktfähigkeit, Alltagsbelastungen, Eifersucht, Drogenprobleme oder Alkohol. Ebenso könne ein traditionell geprägtes Rollenverständnis, Religion oder eine bestimmte gesellschaftliche Prägung Ursache für Belästigungen und körperliche Gewalt sein. Häusliche Gewalt trete mehr als doppelt so häufig auf als öffentliche Gewalt. Für Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden, sei es schwer auszubrechen, da sich die Täter phasenweise reuig und einlenkend zeigten; im nächsten Moment jedoch noch gewaltsamer als vorher auftreten würden. So beginne Gewalt oft eher "harmlos" mit einem Ehestreit - vielleicht verbunden mit einem Schubser oder einer kleineren Handgreiflichkeit. Dann - vielleicht erst Monate später - werde es heftiger: Der Mann schlage zu und er höre nicht mehr auf.
Stalking sei eine Form von öffentlicher Gewalt. Wirksames Mittel gegen Nachstellen sei es, nicht zu reagieren, auch wenn es sich um harmlose Fragen handle, sowie den Kontakt sofort und ohne Erklärungen zu beenden. Soziale Brennpunkte, auch Lokale, in denen es immer wieder zu Schlägereien komme, sollten Frauen meiden. Bei tätlichen Angriffen riet Mechtold, sich heftig zu wehren und umHilfe zu rufen. Der Einsatz eines "Tierabwehrsprays" sei erlaubt, um sich bei körperlichen Angriffen zu wehren, erklärte sie auf Nachfrage. hs