Mit einem Ausrufezeichen haben die Handballerinnen der TS Herzogenaurach ihre herausragende Hinrunde in der Bayernliga beendet. Beim Tabellenletzten Haunstetten II zeigte sich das Kästl-Team 50 Minuten lang eines Spitzenreiters würdig und lag zu diesem Zeitpunkt mit 30:18 in Front, ehe es "mindestens zwei Gänge herausnahm und in der restlichen Spielzeit vogelwild agierte", wie es Coach Hans-Jürgen Kästl formulierte. Der Einbruch blieb nicht nur folgenlos, er ist auch nicht ungewöhnlich, nachdem eine Mannschaft in der entscheidenden Phase volle Konzentration und Einsatz gezeigt und sich einen solch enormen Vorsprung herausgespielt hat.
Daher ging Kästl mit seinen Schützlingen nicht sonderlich hart ins Gericht. Der 55-Jährige bedauerte nur, dass sich die leidtragende Torfrau Annika Bernhardt, die ab der 40. Minute zwischen den TS-Pfosten stand, hinter einer nicht mehr allzu aufmerksamen Abwehr kaum noch auszeichnen konnte. Natürlich überwog bei den Mittelfranken aber die Zufriedenheit darüber, auch beim Schlusslicht eine souveräne Darbietung abgeliefert zu haben.

TSV Haunstetten II -
TS Herzogenaurach 24:31
Vom Anpfiff weg waren die Gäste fokussiert, legten zunächst mit einer kompakten Abwehr den Grundstein für die Sicherheit bei den Offensivbestrebungen. Bis zum 3:3 in der fünften Minute hielt die Reserve des Zweitligisten noch mit, dann zog Herzogenaurach unaufhaltsam davon. 8:3 führte die TSH nach 13 Minuten. Kästl analysierte später, dass seine Truppe da schon mit einer vorbildlichen Abwehrleistung eine kleine Vorentscheidung geschafft hatte. Bemerkenswert war auch, dass seine Mannschaft im gesamten Spiel ohne Zeitstrafe blieb, was der Trainer heuer als Vorgabe für die Defensive propagiert.


TSH tankt Selbstvertrauen

Der 17:9-Vorsprung zur Pause ließ für die zweiten 30 Minuten reichlich Platz für offensive Schmankerl. Mit starken Aktionen tankte die TSH weiteres Selbstvertrauen. Diesmal sprühte Saskia Probst vor Tatendrang, vor allem im Tempobereich wurde sie effektiv von Sarah Stephan und Tanja Küffner unterstützt. Dem hatten die Allgäuerinnen nichts entgegenzusetzen, 12:27 leuchtete nach 40 Minuten von der Anzeigetafel. 15 Tore Differenz in einem Auswärtsspiel sind eine Bestätigung für die derzeit überzeugenden Leistungen des Tabellenführers.
Dabei hatte die TSH einige personelle Widrigkeiten zu überwinden, denn es fehlten nicht nur Stefanie Mittasch und Corinna Merz verletzungsbedingt, sondern auch Leistungsträgerin Laura Wedrich und Kreisläuferin Kristin Lang mussten wegen Blessuren kurzfristig passen. Hier zahlten sich der große Kader und die Vielseitigkeit der Akteure aus. Kästl stellte die große Rückraumspielerin Alina Erdmann an den Kreis - mit durchschlagendem Erfolg. "Alina hat uns mit ihrer prima Leistung im Angriff und in der Deckung nachhaltig geholfen und ihre starken Trainingseindrücke unter Beweis gestellt", lobte ihr Coach.
Von seiner üblichen Zurückhaltung in Sachen Einzellob rückte er ein zweites Mal ab, indem er mit großer Erleichterung verkündete, dass Viktoria Egle nach über einem Jahr Verletzungspause 25 Minuten erfolgreich auf dem Hallenboden stand, worüber sich auch ihre Teamkameradinnen freuten.
"Wir haben eine außergewöhnlich tolle Hinrunde gespielt. Die gilt es, ab kommendem Wochenende zu bestätigen", sagte Kästl, der den Blick schon auf die nächste Aufgabe richtete. In zwölf Spielen nur drei Verlustpunkte zuzulassen, sei bei sieben Auswärtsbegegnungen aber kaum zu wiederholen. "Also müssen wir von Spiel zu Spiel denken und versuchen, mit ähnlichem Engagement ganz oben dabei zu bleiben." vs
TSH: Ebersberger, Bernhardt - Kräck (2), Mittelheisser (4), Stephan (7/1), Egle, Bestle, Probst (10/3), Mergner (1), Küffner (3), Theobald (1), Erdmann (3)