Wasser ist unser Lebenselixier. Und es hat ein langes Gedächtnis. In der öffentlichen Meinung steht die Landwirtschaft immer dann in der Kritik, den zwingend nötigen Wasserschutz nicht ernsthaft genug zu betreiben, wenn es um neueste Zahlen der Belastung des Wassers mit Nitrat oder Pflanzenschutzmitteln geht.
Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt lud nun zu einer Infoveranstaltung in den kleinen Maroldsweisacher Gemeindeteil Dippach ein, um zu zeigen, wie komplex das Thema Gewässerschutz ist und welche erfreulichen Fortschritte man in den vergangenen Jahren bereits machen konnte.
Amtsleiter Herbert Lang sagte, die Landwirtschaft sei sich ihrer Verantwortung bewusst. "Boden- und Gewässerschutz sind unverzichtbare Werte der Landwirtschaft." Verstöße dagegen seien kein Kavaliersdelikt, ermahnte Lang die geladenen Vertreter von Bauernverband, Maschinenringen und vom Verband für landwirtschaftliche Fachbildung aus den Kreisen Haßberge und Schweinfurt.
Der Freistaat investiert über 60 Millionen Euro zusätzlich in das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap), um den Boden- und Gewässerschutz weiter zu verbessern. Die Ziele in der EU-weit im Jahr 2000 verabschiedeten Wasserrahmenrichtlinie sind klar definiert: Verminderung der Nitrateinträge ins Grundwasser und Verringerung der Phosphateinträge in die Oberflächengewässer. Spätestens bis zum Jahr 2027 sollen alle Gewässer in einem "guten Zustand" sein - hinsichtlich Ökologie und chemischer Belastung.
Ein Bestandteil dieses Aktionsprogramms ist die bessere Beratung der Landwirte: Die Zahl der Wasserberater an den Landwirtschaftsämtern wird sich in Unterfranken von zwei auf vier verdoppeln. Bayernweit sollen es 25 Stellen werden.


Interesse an Extensivierung

Zum anderen wird ein bayernweites Netz von 130 so genannten Demonstrationsbetrieben geschaffen (je Landkreis zwei Betriebe), wo im landwirtschaftlichen Berufsalltag praktische Versuche stattfinden, wie man den Gewässerschutz noch effizienter gestalten kann. Im Landkreis Schweinfurt sind dies die Betriebe Obernöder in Altenmünster und Vierheilig in Schraudenbach.
Die dritte Säule des Gewässerschutzes kann die Extensivierung sein, für die die Landwirte Ausgleichszahlungen aus dem Kulap bekommen. "Das Interesse daran hat drastisch zugenommen", sagt Herbert Lang.
Die Bemühungen der Landwirte und des Staates zeigen Wirkung. So habe in Unterfranken der Anteil der Trinkwasserquellen, die beim Nitrat eine Überschreitung des Grenzwerts von 50 Milligramm pro Liter aufweisen, von 22 Prozent in den 80er-Jahren auf inzwischen nur noch 14 Prozent abgenommen, sagte Lang.
Die Situation beim Grundwasser in Unterfranken sei eine besondere, betonte in einem Fachvortrag Joachim Liebler von der Regierung von Unterfranken. Es gebe immer noch Gebiete mit bis zu 100 Milligramm Nitrat pro Liter Sickerwasser. "Gülle ist aber nicht das Problem." Man sei in Unterfranken meilenweit entfernt von einer Großviehhaltungsdichte wie in anderen Regionen Deutschlands.
Auch eine zu verschwenderische Benutzung von Mineraldünger läge nicht vor, da die hiesigen Landwirte viel besser düngen würden als es die Düngeverordnung vorschreibe. "Trotzdem sind die Stickstoff-Überhänge auf den Feldern zu hoch", zeigte Liebler auf. Der Grund für das Phänomen? "Wir haben zu wenig Wasser." Die fehlenden Niederschläge würden sich gleich doppelt negativ auswirken: So setze der Boden bei Trockenheit keinen Stickstoff für die Pflanze frei, und den Pflanzen ihrerseits fehle das Wasser als Transportmittel, um den Stickstoff in die Pflanze zu bringen. Zum anderen werde durch den wenigen Niederschlag der Stickstoff kaum verdünnt, wenn er dann doch in die Oberflächengewässer oder ins Grundwasser gelangt. "Das ergibt dann die hohen Milligramm-Werte."
"Extensivierung alleine löst nicht das Problem", betonte Liebler. Denn 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen seien für die Wasserrahmenrichtlinie relevant. Und die könnten ja nicht alle stillgelegt oder in Grünland umgewandelt werden. Wichtig sei es vielmehr, bei der Feldarbeit darauf zu achten, dass der Stickstoff möglichst in den oberen Erdschichten bleibe und von den Pflanzen aufgenommen werde.
Diese Stickstoff-Bindung kann auf verschiedene Art und Weise erreicht werden. Den Landwirten wurde eine neue Anbaumaschine vorgestellt, die kleine Dünger-Würfel auf dem Acker in einer Tiefe von 15 bis 20 Zentimeter ablegt, wo sie von den Pflanzenwurzeln leichter aufgenommen werden können als Streudünger, der auf der Erdoberfläche herumliegt und weggeschwemmt werden kann.
Aber auch Zwischenfrüchte oder eine Untersaat (etwa bei Mais) seien hilfreich, stellte Wasserberater Rainer Schubert vor. Neben dem Erosionsschutz bei Starkniederschlägen könnten Zwischenfrucht-Mischungen bis zu 40 Kilo Stickstoff pro Hektar binden und so das Absickern ins Grundwasser verhindern. Ein möglicher Nachteil: Bei milden Wintern friert die Zwischenfrucht nicht vollständig ab und der Landwirt muss zu Glyphosat greifen.