Seit der Gründung im Jahre 1855 steht die Kolpingsfamilie Bamberg für eine generationsübergreifende Gemeinschaft. Unverändert lebt sie nach dem Leitbild Kolpings. Sozial engagiert, Mut zur Ökumene, Anbieter eines attraktiven Bildungsangebotes und auch gesellig, fröhlich und gastfreundlich. Das Jubiläumsjahr zum 160-jährigen Bestehen der Kolpingsfamilie Bamberg und Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft standen im Mittelpunkt des Kolpinggedenktages.
In seiner Ansprache machte der Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Wolfgang Burgis, deutlich, dass die Nöte seiner Zeit Kolping aufrüttelten und er gegen das Auseinanderbrechen der Familien, die Habgier der Industriellen und die Gleichgültigkeit der Kirche vorging. Durch sein Engagement hat Kolping der Welt wieder ein menschliches Gesicht gegeben.
Mit Geschenken und Urkunden wurden die langjährigen Mitglieder für ihre Treue zur Kolpingsfamilie von Wolfgang Burgis und Präses Heinz Oberle geehrt. Die Jubilare haben sich in all den Jahren vielfältig in der Kolpingsfamilie engagiert. Dafür gebühre ihnen heute der Dank. Insgesamt standen sieben Mitglieder zur Ehrung an. Für 25 Jahre: Christine Pawlowski, Brigitte Sauer, Selma Thusek; für 40 Jahre: Anneliese Linz und Hannelore Schreiber; für 50 Jahre: Pankraz Linz. Eine besondere Ehrung für die Zuverlässigkeit und Treue zum Kolpingwerk bekam Hans Stadter für 60-jährige Mitgliedschaft.
Nachdenkliche Worte richtete Bundespräses Pfarrer Josef Holtkotte aus Köln in seinen Vortrag "Mittendrin, Kolping ermutigt zum Handeln in Gesellschaft und Kirche" an die Festversammlung. So wie Kolping dabei geholfen habe, das Leben eigenverantwortlich zu gestalten, müsse die Kirche Glauben und Vertrauen wieder verbinden. Adolf Kolping habe sich nicht als Beobachter verhalten. Die Botschaft des Gesellenvaters sei gewesen: "Wer Menschen wirklich gewinnen will, braucht dafür deren Herz." Es bringe jedenfalls nichts, einfach auf bessere Zeiten zu hoffen. Auf die Frage "Wie lebe ich meinen Glauben?" müsse die Antwort klar sein: eigenverantwortlich und kritisch konstruktiv. Der Bundespräses forderte in seiner Rede leidenschaftlich: "Nur wenn Menschen etwas wirklich wollen, dann ist auch eine Erneuerung möglich."
Diese Sichtweise habe Kolping vorgelebt, als er die Not seiner Zeit erkannte. Auch in der heutigen Zeit gebe es viele Menschen, die sich für die Gemeinschaft einsetzten und Mut bewiesen. Themen und Aufgaben gebe es reichlich - zum Beispiel: der Mensch als Geschöpf Gottes, die Verantwortung gegenüber Mitmenschen, den Lebensschutz sowie eine konfessionelle Bildungsarbeit in Ehe, Familie, Gesellschaft, Kirche. Kirche dürfe sich nicht abschotten, sondern müsse "mittendrin" sein. Sie dürfe aber auch nicht einfordern, sondern müsse machtvoll argumentieren. Nur wer selbst Halt habe, könne anderen Halt geben. Holtkotte ermunterte die Kolpingmitglieder, dieser Spur Adolph Kolpings mit Mut und Beherztheit zu folgen und sich nicht wie Zuschauer zu verhalten und Entwicklungen nur zu beobachten, sondern aktiv mitzuwirken und stets auf die Menschen zuzugehen.
Weder der Traditionalist sei Vorbild, der auf eine goldene Zeit zurückblicke, die es nie gasb, noch der Progressist, der auf eine utopische Zeit schaue, die nie kommen werde. Beide verpassten das Heute. Genau darauf aber käme es Kolping an. "Erneuerung geschieht immer dann, wenn Menschen wirklich wollen", machte der Bundespräses den fast 60 Mitgliedern Mut. Der Gast aus Köln erhielt von den zahlreichen Zuhörern viel Zuspruch. Josef Wachtler