Weismain — Viel geboten war am Sonntagnachmittag beim ersten "Tag der offenen Tür" des ASB-Seniorenzentrums seit der Einweihung des Hauses vor fast drei Jahren. Trotz des guten Besuchs stieß ein Angebot auf wenig Resonanz: der Infostand im Eingangsbereich, an dem zwei junge Damen den Altenpflegeberuf schmackhaft machen sollten.
Für Seniorenzentrum-Geschäftsführer Thomas Schwesinger war das geringe Interesse an der Werbeaktion bedauerlich, aber nicht überraschend. Er weiß: "Der Pflegekräftemangel ist voll in der Region angekommen."
"Immer extremer" sei die Situation in den vergangenen drei Jahren geworden, findet Schwesinger. Auf dem gesamten Markt sei keine examinierte Fachkraft mehr zu finden. Einrichtungsleiter Reiner Walz stimmt zu: "Die Zeiten, als wir den Bedarf durch Pendler aus Thüringen decken konnten, sind vorbei."
Es sei keineswegs so, dass das Seniorenzentrum keine Bewerbungen mehr bekäme. Allerdings handle es sich dabei ausschließlich um andere Bereiche, Reinigungs- und Hauswirtschaftskräfte beispielsweise. Jobanträge von Altenpflegerinnen und Altenpfleger, bei denen der Bedarf am größten ist, seien dagegen inzwischen zur absoluten Ausnahme auf den Schreibtischen der Personalabteilung geworden, berichtet Walz.
"Wir haben vor wenigen Tagen eine Stellenanzeige in einer Tageszeitung platziert. Die Rückmeldung: null Komma null."
Negative Auswirkungen auf die Pflege ergäben sich durch den Mangel zwar nicht, versichert Frauke Will, Pflegedienstleiterin des Seniorenzentrums. Schließlich werde dieser durch je eine freiberufliche Fachkraft in den beiden Stationen des Heims aufgefangen.

Langfristige Mitarbeiter fehlen

Das Problem ist die Fluktuation: Weil mehrere Freiberufler in unterschiedlichen Einrichtungen tätig sind, wechselt die Zusammensetzung des Personals in Weismain öfters. Will hätte lieber wieder feste Kräfte, "auch damit die Bewohner nicht immer wieder mit neuen Gesichtern konfrontiert werden". Um Frauke Will diesen Wunsch zu erfüllen bleibt Thomas Schwesinger und Reiner Walz aufgrund des leer gefegten Marktes nur eine Möglichkeit: Sie wollen die Ausbildung intensivieren. Vermehrt soll jungen Menschen die Gelegenheit geboten werden, parallel zur Schule in den Beruf "hineinzuschnuppern". Ziel sei es, pro Jahr ein bis zwei Auszubildende für die dreijährige Lehrzeit zu gewinnen.

Der Beruf hat mehr zu bieten

So gesehen liegt das ASB-Seniorenzentrum mit derzeit vier Azubis im Soll. Zwei davon sind Eva-Maria Rehe (23) aus Weismain und Jessica Sandner (19) aus Horb: die beiden Frauen vom Infostand am Eingangsbereich, die ihre Prospekte am Sonntag nur einer Handvoll Interessierter vorstellen konnten. Auch nach längerem Nachdenken fällt den angehenden Altenpflegerinnen nichts ein, was sie an dem Job wirklich stört. Angesprochen auf die von Walz genannten negativen Aspekte, antworten sie, dass Schichtbetrieb ebenso reine Gewohnheit sei wie den Senioren bei der Körperpflege unter die Arme zu greifen. "Es ist ja nur einer kleiner Teil der Arbeit, den Bewohnern auf dem Klo zu helfen", findet Jessica Sandner. "Was mir gefällt, ist der Kontakt mit den Leuten. Mit ihnen zu reden, zu spielen und zu lachen. Oder wenn dich eine alte Dame drückt, weil sie sich freut, wenn du ins Zimmer kommst." "Man bekommt viel zurück", beschreibt Eva-Maria Rehe den täglichen Umgang mit den Pflegebedürftigen, den sich auch aufgrund des Abwechslungsreichtums schätzt. Wobei beide ebenfalls die Attraktivität des Weiterbildungsangebots betonten: Eva-Maria, die sich im dritten Ausbildungsjahr befindet, könnte sich vorstellen, irgendwann als Praxisanleiterin wiederum neue Azubis einzuweisen; an ein Studium im Bereich Gerontofachkraft denkt Jessica, die bereits im ersten Ausbildungsjahr sicher ist "weiterzumachen".
Neben der Möglichkeit, das Gebäude in Augenschein zu nehmen, bot der "Tag der offenen Tür" Gelegenheit, sich über ASB-Angebote wie Hausnotrufs oder Nachfüllsets für den Autoverbandskasten zu informieren. Stefan Lutter