"Ich wollte einfach nur meine Sachen nehmen und gehen, weil ich wirklich tierische Angst hatte." Das sagte am Dienstagvormittag eine Frau aus, die von einem 27-jährigen Coburger mehrfach gegen die gläserne Terrassentür einer Wohnung "geknallt" worden sei.
"Ich habe ihn angebettelt, er soll aufhören", erklärte die Zeugin, der bei der Attacke ein Halswirbel ausgerenkt wurde. Stattdessen habe der Coburger herumgebrüllt, die Wohnungstür mit seinem Körper versperrt und sie nicht mehr gehen lassen.
Als gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung wertete das die Staatsanwaltschaft und erhob Anklage. Seit Montag muss sich der Mann nun vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht verantworten. Doch damit nicht genug: Der Mann soll 2016 auf drei weitere Personen eingeprügelt und sie teilweise schwer verletzt haben. Einem Mann soll der Coburger gar das Gesicht zerschlagen haben.
Das Opfer erlitt dabei multiple Gesichtsbrüche wie einen Bruch der linken Augenhöhle und des Unterkiefers. Alle Taten beging der Angeklagte, der massiv mit Drogen dealte und diese teilweise selbst konsumierte, in der Coburger Drogenszene.
Die Zeugin schilderte einen Vorfall im März: Da sei der Angeklagte auf ihren Bekannten losgegangen, habe ihn herumgeschmissen und so heftig auf ihn eingeboxt, dass Blut an die Wand spritzte. Hintergrund sei eine verschwundene Drogenlieferung gewesen.
Ob die Zeugin, die sich mehrfach widersprach oder nicht erinnern wollte, glaubwürdig ist, muss das Gericht entscheiden.
Die Frau gehörte zu dem Zeitpunkt der Drogenszene an, hatte eigenen Angaben zufolge keine Wohnung und habe sich Fentanyl gespritzt. Weiter soll sie in Diebstahlshandlungen verwickelt gewesen sein. Während der Angeklagte die anderen Gewalttaten einräumte, bestritt er, die Frau angefasst zu haben.
Weil er auch noch einen Polizeibeamten beleidigt hat und gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat, muss sich der 27-Jährige zudem wegen Beleidigung und Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht verantworten. Der Angeklagte ist bereits zehnmal vorbestraft.
Unter anderem listet das Bundeszentralregister vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Nötigung, versuchte Erpressung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher unerlaubter Erwerb von Betäubungsmitteln auf. Der Mann gilt augenscheinlich als gefährlich und wurde in Fuß- und Handfesseln sowie strenger polizeilicher Bewachung vorgeführt.
Weiterhin wurde bekannt, dass der Mann während einer seiner Haftstrafen in einer JVA versucht habe, einen Gefangenenaufstand anzuzetteln und aus der Haft zu fliehen. Dazu sollten eine Herzattacke vorgetäuscht und eine Geisel genommen werden. In einer stationären therapeutischen Einrichtung soll er einen Insassen verletzt und sexuell genötigt haben.
Der Angeklagte erhob Vorwürfe gegen die Behörden. Niemand habe ihm wirklich geholfen, sagte er. Sein Bewährungshelfer sagte als Zeuge aus: Der 27-Jährige habe anfangs guten Kontakt zur Bewährungshilfe gehalten. Ab Juli 2016 sei er allerdings zeitweise ohne Wohnung gewesen und habe sehr schwierige Lebensbedingungen gehabt.
Dreimal habe der Mann eine Wohnung bekommen und schuldhaft wieder verloren, erklärte der Bewährungshelfer. Genauso sei es mit seiner Arbeit gewesen.


Keine Ausdauer

Der Angeklagte, der keinen Abschluss und keine Ausbildung hat, hat bisher nie länger als vier Monate am Stück in der freien Wirtschaft gearbeitet. Unterstützungsmaßnahmen seien ins Leere gelaufen, Termine bei der Fachambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter in Nürnberg, eine Auflage des Gerichts, habe er nicht eingehalten, sagte der Fachmann.
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.