Der viergleisige Ausbau der Bahnmagistrale Nürnberg-Erfurt-Leipzig/Halle-Berlin wird den Markt Hirschaid nachhaltig verändern. Sowohl für die Kommune als auch für viele Privatpersonen kommt es insbesondere in der Bauphase zu massiven Beeinträchtigungen. Zwar steht der genaue Termin für das Planfeststellungsverfahren noch nicht fest, aber die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Verfahrensschritt für das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 für den Planfeststellungsabschnitt 21(Altendorf-Hirschaid-Strullendorf) im Frühjahr 2017 bevorsteht.
Der Hirschaider Marktgemeinderat hat sich schon wiederholt mit der Thematik befasst. In der September-Sitzung wurde beschlossen, ein "Bürgerforum ICE-Ausbau" ins Leben zu rufen. Damit will man eine möglichst transparente Bürgerbeteiligung in den verschiedenen Entscheidungsprozessen gewährleisten.


100 Parkplätze fallen weg

Rund 150 Bürgerinnen und Bürger waren am Samstag in das Foyer der Regnitz-Arena gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. In der von Kreisrätin Helga Bieberstein (Bündnis90/Die Grünen) moderierten Veranstaltung wurde diskutiert, welche Auswirkungen eine mögliche Haltepunktverlagerung Richtung Süden im Bereich "Hohe Beete/Leimhüll" hat, wie er im Gemeindeentwicklungskonzept (2013/14) vorgesehen ist. Ein weiteres Schwerpunktthema war, wie mit dem Verlust von rund 100 Parkplätzen an der Ostseite der Gleisanlage umzugehen ist, zu dem es im Zusammenhang mit dem viergleisigen Ausbau der Bahnlinie kommen wird.
Hirschaids Bürgermeister Klaus Homann (CSU) berichtete ausführlich über seine Bemühungen, eine Kompensation für den Verlust der Parkplätze im Bereich Heinrichstraße zu erreichen. Dies will Homann bereits im Vorfeld der Baumaßnahme geklärt haben und nicht erst wenn der Gleisausbau abgeschlossen ist.
Ob das nun mit Hilfe eines Doppelparkdecks beim jetzigen Jugendzentrum, der Aufstockung der Tiefgarage hinter dem Rathaus oder kleineren dezentralen Lösungen kommt, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Letztendlich wird die Lösung des Parkplatzproblems erst dann auf den Weg gebracht werden können, wenn der Marktgemeinderat sich für einen Haltepunkt "Süd" oder die Beibehaltung der jetzigen Situation entschieden hat.
Diplom-Ingenieur (FH) Alfred Neukam gab anhand einer Powerpoint-Präsentation einen Überblick über die bisherigen Verfahrensschritte und Möglichkeiten und Chancen, die eine Verlagerung des bisherigen Haltepunkts Richtung Süden mit sich bringen könnte. Für ihn wäre damit die Grundlage für eine zukunftsweisende Weiterentwicklung der Marktgemeinde Hirschaid gelegt. Dies unter anderem durch eine deutliche Verbesserung des Bahnstreifens am Leimhüll und Möglichkeiten für die Entwicklung von Zukunftsflächen für Unternehmen und Neuansiedlungen. Insbesondere kann ein Parkplatz am Leimhüll städtebaulich leichter mit Fördermitteln gebaut werden, da er dann im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Haltepunkt steht.
Dies sahen die anwesenden Anwohner vom Leimhüll naturgemäß anders. Sie klagten über die zunehmende Lärmbelästigung, die Verlagerung der Verkehrsflüsse, ein bis zu elf Meter hohes Bauwerk zur Überbrückung des Bahnkörpers und die "nicht-gelöste Parksituation".
Die Frage nach den entstehenden Kosten für Hirschaid konnte nicht beantwortet werden. Offen blieb auch, ob eine Gleisverlängerung in Richtung Süden möglich ist, wie viele Parkplätze wirklich gebraucht werden und warum es keinen Fußweg im Bereich der Überführung der Maximilianstraße gibt. Ob die vorgetragenen Vorstellungen "ein Wunschkonzert sind, das sich der Markt Hirschaid dann doch nicht leisten kann" wird sich zeigen.
Kreisrätin Helga Bieberstein und Kreisrat Georg Kestler (Freie Wähler/ÜWG) appellierten an die Hirschaider Bürgerinnen und Bürger, sich in die Diskussion einzubringen. Auch nur mit einem klaren Votum des Gemeinderats ist es laut Bürgermeister Homann möglich, für die Belange der Marktgemeinde bei Politikern und Institutionen zu werben. Die Zeit drängt, so Bieberstein abschließend, "Hirschaid muss der Bahn möglichst zeitnah eine solide und gute Planung vorlegen, "sonst plant die Bahn für Hirschaid".
Aus dem Gemeinderat wurden ins Bürgerforum abgeordnet: Zweite Bürgermeisterin Elke Eberl, Gerd Porzky, Udo Wüst, Roland König, Albert Deml, Mathilde Bergmann, Horst Auer, Erwin Krämer, Markus Zillig, Roswitha Dirmeier und Stephan Panzer. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben sich im Anschluss an die Veranstaltung auch gleich eingetragen. Weitere Informationen zum Bürgerforum findet man auf der Homepage der Gemeinde Hirschaid unter: www.hirschaid.de.