von unserem Mitarbeiter  Manfred Welker

Herzogenaurach — Die Eisenbahnstrecken haben ihre einstige herausragende Stellung weitgehend eingebüßt. In der heutigen Zeit sind Autobahnen die Hauptverkehrsadern sowohl für den Güter- als auch den Individualverkehr.
Vor 50 Jahren, am 26. November 1964, wurde der Autobahnabschnitt der A 3 von der Anschlussstelle Höchstadt-Ost bis Schlüsselfeld sowie der Autobahnzubringer nach Bamberg dem Verkehr übergeben. Beim Bau mit dabei war Erwin Hamper aus Niederndorf.
Bereits 1932 eröffnete Konrad Adenauer als Oberbürgermeister von Köln die erste deutsche Autobahn Köln-Bonn. Während des Dritten Reiches waren weitere Strecken gebaut worden.
Von der Bundesautobahn 3 Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau wurde ein Teilstück vom Autobahnkreuz Nürnberg bis zur Anschlussstelle Tennenlohe bereits am 1. Oktober 1941 für den Verkehr übergeben. Die Strecke mit einer Länge von 18,4 km war einbahnig angelegt. Nach dem zweibahnigen Ausbau erfolgte die Freigabe der Strecke für den Verkehr am 10. Dezember 1959.
Der Weiterbau in Richtung Norden war jedoch schon fest eingeplant und sollte zwischen den Dörfern Steudach und Haundorf hindurchführen. Aber erst in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Kriegsende 1945 konnte das Autobahnnetz in der damaligen Bundesrepublik Deutschland flächendeckend geschlossen werden.

Planmappe von 1958

Das Landratsamt Höchstadt sandte am 30. Dezember 1958 eine Planmappe für das Planfeststellungsverfahren der Autobahn Würzburg-Nürnberg, Abschnitt Kosbach-Haundorf zwischen Kilometer 203+250 und 206+300, an die Gemeindeverwaltung Haundorf. Die Gemeinde wurde aufgefordert, die Planmappe öffentlich auszulegen und dies an der Gemeindetafel bekannt zu geben. Bis 10. Februar 1959 sollte die Mappe wieder an das Landratsamt Höchstadt zurückgehen, damit sie an die Regierung von Oberfranken versendet werden konnte.
Um den Bau der Autobahn vor Ort zu koordinieren, wurde die Außenstelle Höchstadt eingerichtet. Die Bauleitung für die Planungsstelle nahm dort am 15. Juli 1959 in einem eigenen Gebäude in der Kerschensteiner Straße ihren Betrieb auf.
Die Strecke zwischen Stockstadt und Erlangen-Frauenaurach war in 15 Lose, das heißt Abschnitte eingeteilt, die dann von unterschiedlichen Firmen ausgeführt wurden.
Diese größeren Abschnitte waren wiederum auf verschiedene Arbeitstrupps aufgeteilt. Ein Bauabschnitt reichte vom Autobahnparkplatz bei Kosbach bis kurz hinter Klebheim, der nächste ging dann bis Gremsdorf auf Höhe der B 470.
Am Abschnitt von Frauenaurach bis Höchstadt-Ost (Gremsdorf) war die Firma Friedrich Glass aus Heilbronn und Karlsruhe tätig.
Für den Abschnitt Höchstadt-Ost bis kurz vor Schlüsselfeld war die Firma Polensky & Zöllner mit der Hauptverwaltung in Frankfurt am Main zuständig.
Die Bauarbeiten machten gute Fortschritte. Der Abschnitt von der Anschlussstelle Höchstadt Ost bis zur Anschlussstelle Tennenlohe der Bundesautobahn 3 Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau konnte am 17. Juli 1962 freigegeben und in Betrieb genommen werden.
Als letztes Teilstück wurde am 26. November 1964 der Abschnitt von der Anschlussstelle Schlüsselfeld bis zur Anschlussstelle Würzburg Ost sowie der Zubringer Höchstadt-Bamberg für den Verkehr freigegeben. Für die 232 Kilometer lange Autobahnstrecke Frankfurt-Nürnberg wurden nach dem Zweiten Weltkrieg 214 Kilometer innerhalb von neun Jahren neu gebaut. Bei dieser Baumaßnahme wurden 32 Millionen Kubikmeter Boden bewegt. 19 Millionen Tonnen Baustoffe wurden angefahren und eingebaut, 5,2 Millionen Quadratmeter Fahrbahndecken wurden hergestellt. Die Gesamtkosten betrugen rund 1 Milliarde DM.
Für die einzelnen Bauabschnitte wurden auch Arbeiter aus der Region gesucht. Rund 50 Einheimische aus dem Seebachgrund kamen zum Einsatz, Arbeiter aus anderen Teilen der Republik blieben hier hängen und heirateten. Auch italienische Gastarbeiter waren bei der Autobahnbaustelle beschäftigt, sie wohnten in Baracken am Rande der Baustelle.
Mit dabei war Erwin Hamper, Jahrgang 1933, aus Niederndorf. Gelernt hatte er als Schreiner und Zimmermann bei der Firma Kirchner in Erlangen.
1955 fing er eine Beschäftigung beim Autobahnbau an, bei der Firma Polensky & Zöllner mit der Hauptverwaltung in Frankfurt am Main. Erst war er in Erlangen, dann bei Thurnau beschäftigt, schließlich in Tennenlohe. Nahezu zeitgleich mit dem Ausbau der Autobahn wurde 1964 durch diese Firma der Kamin des Kraftwerks Franken II errichtet.
Die Firma hatte ein "Los" für einen Autobahnabschnitt von Tennenlohe bis Schlüsselfeld erhalten. Die Gesamtstrecke von Tennenlohe bis Schlüsselfeld betrug 60 Kilometer, wie sich Hamper erinnert. Die Firma Grün und Bilfinger AG, mit Sitz in Mannheim, baute von Würzburg ausgehend die Autobahn in Richtung Süden.

Fußball und Musik

Der Abschluss der Arbeiten im Jahr 1964 wurde groß gefeiert, die Reichmannsdorfer Blaskapelle spielte, zwischen den Arbeitern wurde ein Fußballturnier ausgetragen, erinnert sich Hamper noch.
Die Raststelle Steigerwald habe er und seine Arbeitsgruppe quasi "nebenbei" vollendet, das heißt Rabatten und Einfassungen gesetzt, sodass danach die Fahrbahn und die Parkflächen geteert beziehungsweise gepflastert werden konnten.
Hamper war "Kapo" mit Polierprüfung und hatte einen Trupp aus zwölf Mann. Viele Arbeiter stammten aus Küps und der Oberpfalz. Bei einer kleinen Feier in der Baubude der Raststelle Steigerwald wurde Hamper für den Weiterbau angeworben, nachdem der Abschluss der Arbeiten gekommen war. Mit der Aussicht "Ihr bekommt mehr Geld" wurden er und seine Arbeitsgruppe gelockt. Einige Daten hat er immer noch im Kopf. Die Fahrbahn wurde in einer Breite von 7,50 Metern ausgeführt, die Seitenstreifen waren 0,75 Meter breit. Diese wurden zuerst angelegt, um dann die großen Maschinen für den Auftrag des Bitumens auf der Fahrbahn darauf fahren zu lassen. Nikolaus Darscht, dessen Spedition ihren Sitz in der Niederndorfer Hauptstraße 4 hatte, brachte mit seinen Lastwagen den heißen Bitumen aus Nürnberg zu den Baustellen. Es wurden sieben Schichten Bitumen aufgetragen, als letzte eine Schicht Gussasphalt, der die Fahrbahnoberfläche bildete.

15 Jahre beim Autobahnbau

Hamper war danach am Walldorfer Kreuz/St. Johann sowie beim Bau der Autobahn in Fulda und Wildflecken beschäftigt. Insgesamt war Hamper 15 Jahre beim Autobahnbau tätig. Im Jahr 1970 beendete Hamper seine Arbeit beim Autobahnbau, er war dann für zwei Jahre mit dem Kollegen Aloys Michel beim Bau des Olympiastadions in München beschäftigt. Danach machte er sich selbständig. Geheiratet hat Erwin Hamper 1954 Gertraud Wild, die Familie wohnte weiterhin bei seinen Verwandten in Niederndorf.
Beim Autobahnbau Frankfurt-Nürnberg waren 21 Tote zu beklagen.