Ebelsbach — Die Geschichte vom amerikanischen Tellerwäscher zum Millionär wäre wohl weit übertrieben. Doch dass Manfred Kremer, seit mittlerweile 15 Jahren als "Handymanni" bekannt, 1999 mit dem "Wagnis Selbstständigkeit" sowohl in finanzieller als auch in persönlicher Hinsicht erst ein Risiko eingegangen und ihm dann ein großer Sprung gelungen ist, will er selbst nicht von der Hand weisen.
"Als ich in die Selbstständigkeit bin, gab es die goldenen Handyzeiten. Jeder wollte ein Handy und wir explodierten", blickte der Steinbacher am Rande der Eröffnung seines ersten eigenen Handyladens in Ebelsbach auf die Anfänge zurück.
"Ein sehr markanter Mensch, aber sehr eindrucksvoll und einer unserer besten Händler, die wir haben", lobte Carola Wahl, die Leiterin "Indirekter Vertrieb und Service" der deutschen Telekom Deutschland in Bonn. "Er versteht etwas vom Geschäft und hat eine unglaublich beeindruckende Kundenorientierung", sagte sie bei der Feier in der Eltmanner Stadthalle.
Wahl hatte aber nicht nur lobende Worte, sondern sicher auch eines der schönsten Geschenke im Gepäck. Ihre Ankündigung, dass in Ebelsbach bereits im zweiten Quartal 2015 mit dem sogenannten "Vectoring", dem Ausbau der VDSL-Netze, begonnen werde, sorgte jedenfalls auch bei Bürgermeister Walter Ziegler (BNL) für ein Strahlen im Gesicht. "Ebelsbach bekommt dann bis zu 100 Megabits Download-Geschwindigkeit. Das ist eine deutliche Erhöhung gegenüber der heutigen Bandbreitenverfügung", machte die Rheinländerin deutlich.
Manfred Kremers Leidenschaft für Elektronik begann bereits Ende der 80er Jahre, denn neben seiner Elektroniklehre in Bamberg baute der damals 18-Jährige Radios und Telefone in Autos aller Art ein. Später richtete er in seinem Elternhaus in Steinbach auf knapp 15 Quadratmeter seinen ersten Verkaufsladen ein, mit dem nach eineinhalb Jahren allerdings Schluss war. "Die Nachfrage wurde einfach zu groß und der Raum viel zu klein", begründet er den ersten Umzug nach Ebelsbach, wo ihm immerhin schon 70 Quadratmeter zur Verfügung standen. Nur ein Jahr später - als es erneut zu eng wurde - ging es dann in das 200 Quadratmeter große Gebäude am Setzgraben. Da der angrenzende Getränkemarkt demnächst seine Verkaufsfläche vergrößern will, entschloss er sich schließlich zum Neubau eines eigenen Verkaufsladens im neuen Gewerbegebiet der Gemeinde in der Bahnhofstraße. Die Entscheidung für einen Verbleib in Ebelsbach fiel allerdings erst nach "überaus positiven Gesprächen", sagt Kremer.
Derweil sieht er die Zukunft trotz der starken Konkurrenz auf dem Mobilfunkmarkt mit den vielen Läden positiv. "Ich hoffe, dass wir uns als ‚Vorzeige-Shop' ... mit unseren Partnern behaupten", betont der Steinbacher und will auch weiter viel investieren - auch eigene Arbeitskraft. Das empfindet Manfred Kremer jedoch nicht als Belastung. "Ich arbeite gerne, meist so zirka 60 Stunden in der Woche", sagt er. Bei ihm steht der Wareneinkauf ebenso auf der Tagesordnung wie der Verkauf, Marketing, Mitarbeiterschulungen und Motivation sowie teilweise Buchhaltung. "Meine Aufgaben umfassen eigentlich alles", betont er.
Welchen Ratschlag hat er für andere, die den Sprung in die Selbstständigkeit gehen wollen? "Man sollte aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, etwas Schönes bauen", empfiehlt der 43-Jährige, für den die letzten Jahre keineswegs nur rosig verliefen. Er musste sich vielmehr gegen Mitkonkurrenten behaupten beziehungsweise sogar zur Wehr setzen.
"Mittlerweile", sagt der Geschäftsmann stolz, "sind wir nun in vielen Bereichen auf bayerischer und/oder Bundesebene im Fachhandel führend." Sein "Handyshop" müsse "nicht bei den Herstellern betteln, sondern wir bekommen Angebote, ob wir nicht diverse Produkte für den Verkauf möchten". rn