Eltmann — Er gilt als "Mr. Zukunft". Der Hamburger Professor Horst Opaschowski ist einer der umtriebigsten Zukunftsforscher im Land - auch, weil sich seine Thesen oft bewahrheitet haben. Nicht umsonst berät er inzwischen die Politik. Am Donnerstag war Opaschowski auf Einladung der Raiffeisenbank Haßberge und der Kanzlei Witthüser & Schwarz in der Eltmanner Stadthalle zu Gast und sprach über "Deutschland 2030: Wie wir in Zukunft arbeiten und leben".


Nichts tun, ist keine Lösung

"Was passiert eigentlich, wenn nichts passiert?" Opaschowski führte seine Zuhörer gleich in medias res. Zukunft lässt sich steuern, da ist sich Opaschowski sicher, er zeigte aber auf, was geschieht, wenn keine Aktionen erfolgen. 1993 habe er darauf hingewiesen, dass weltweite Flüchtlingsbewegungen nicht zu verhindern seien, es sei denn, der Westen organisiere massive Hilfsprogramme. Dazu ist es nicht gekommen. Die Flüchtlinge werden zu einem Megatrend der kommenden Jahre, ist er überzeugt. Selbst die Zahl von einer Million neuer Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kommen, sei noch klein im Vergleich zu dem, was auf uns zurollt. Keine Frage also, dass sich die Zukunftssorgen der Deutschen insbesondere auf ökonomische Dinge konzentrieren. Im Fokus stünden dabei die drei Gs: Geld, Gesundheit, Geborgenheit.
Gerade die Geborgenheit ist Opaschowski wichtig. Die "neue Lust auf Familie" nennt er als einen von zehn großen Trends. "Die Individualisierung hat ihren Zenit überschritten, der Wunsch nach Geborgenheit nimmt zu. Und somit bleibt Familienpolitik auch Zukunftspolitik." Zugleich werde für Singles und Kinderlose entscheidend sein, sich soziale Netze aufzubauen, der Familienbegriff erweitere sich. Die Folge seien generationsübergreifende Wohnkonzepte.
Seine Untersuchungen belegen, wie er sagte, einen weiteren großen Trend: "Gut leben statt viel haben", also Wohlergehen über den Wohlstand hinaus. "Menschen in der Mitte zwischen Not und Überfluss geht es gefühlt am besten."


Die bessere Gesellschaft

Die Folge: Junge Menschen interessieren sich wieder für eine bessere Gesellschaft, auch für Politik, und stellen die Frage: "Wie will ich eigentlich leben?" Für sie sei Gleichwicht wichtig - kein Lebensbereich dürfe zu kurz kommen oder einem anderen, etwa der Arbeit, geopfert werden. Als Ideal gelte aber nicht mehr die Jugend, sondern die Generation in den 40ern. Kein Wunder, dass viele Menschen mit über 50 Jahren einen Neustart wagen könnten, während sie früher zum alten Eisen gehörten. Zehn Tipps, wie sich die persönliche Zukunft gestalten lässt, hatte Opaschowski zum Schluss parat. Mit dabei waren Anregungen wie: "Versuchen Sie nicht permanent, Ihren Lebensstandard zu verbessern." Oder: "Heben Sie sich Wünsche für die Zukunft auf." Und: "Lernen Sie, abzuschalten."
Klar wurde den Zuhörern in Eltmann dadurch: In Opaschowskis Forschungen steht der Mensch im Mittelpunkt. Das sagte er selbst: "Der technologische Fortschritt steht bei meinen Untersuchungen eher im Hintergrund. Zentral ist für mich die Frage: Was will der Mensch?"