Neustadt — "Ich bin dankbar geführt worden. Ohne Glauben hätte ich das nicht geschafft!" Ein derartig positives Lebensresümee zog Hildegard Krüger, geb. Gill, an ihrem 90. Geburtstag. Diesen Ehrentag konnte die Jubilarin im Kreis ihrer Familie im eigenen Heim in Neustadt begehen.
Wie sie erzählte, sei ihre Kindheit nicht einfach gewesen. "Meine Kindheit war so traurig und mein Alter ist kaiserlich", hob Hildegard Krüger hervor. Geboren wurde sie am 8. Juni 1925 in Leipzig. Dort lebte sie fast 64 Jahre, besuchte die Schule, wurde konfirmiert und absolvierte eine Lehre als Kaufmannsgehilfin. Sie erlebte wie viele Deutsche ihrer Zeit das Leid des Zweiten Weltkrieges hautnah mit. "Von 1943 bis 1944 war ich im Arbeitsdienst für die weibliche Jugend in der Steiermark", erzählte sie und fuhr fort: "Bei meiner Rückkehr lag Leipzig in Schutt und Asche, einschließlich meiner Lehrfirma." Arbeit fand sie in dieser schweren Zeit dann als Reichsbahnhelferin in der Verwaltung der Deutschen Reichsbahn. Doch nicht nur Not und Leid bestimmten ihr Leben. Sie fand ihre große Liebe in dem jungen Mann Ewald Krüger. Am 23. Dezember 1949 läuteten für die beiden die Leipziger Hochzeitsglocken.
Hildegard Krüger arbeitete bis zur Geburt ihres Sohnes Matthias bei der Reichsbahn. Dann widmete sie sich erst einmal ihrer jungen Familie. "Mit drei Jahren besuchte er den Kindergarten und ich fand Arbeit für halbe Tage als Stenotypistin im Deutschen Reisebüro", so die Jubilarin. Tochter Silvia erblickte 1958 das Licht der Welt. Erneut standen Familie und Kindererziehung im Mittelpunkt ihres Lebens. Auch die Eltern und Schwiegereltern benötigten im Alter ihre Hilfe. Die Jubilarin fand eine Anstellung bei der Inneren Mission Leipzig als Chefsekretärin des Missionsdirektors.

Keine Jugendweihe, kein Abitur

Tochter Silvia Bauer wusste zu berichten, dass ihre Mutter liebevoll und tolerant gewesen sei. Aufgrund des damaligen DDR-Regimes durften die Kinder ihr Abitur nicht machen und kein Studium aufnehmen, obwohl sie gute Noten hatten. Denn auch die Kinder standen zu ihrem christlichen Glauben und lehnten deshalb die Jugendweihe ab. Hildegard Krüger: "Als Matthias gefragt wurde, ob er an der Jugendweihe teilnehmen würde, sagte er: Ach, wissen Sie, meine Großeltern wurden konfirmiert und getauft, meine Eltern wurden konfirmiert und getauft und auch ich werde konfirmiert und getauft. Beides zusammen (Konfirmation und Jugendweihe) geht nicht. Das war's dann mit dem Abitur."
"In all den Jahren haben wir immer erwartet, dass die Mauer aufgeht", erzählt die Jubilarin rückblickend dem Neustadter OB Frank Rebhan. Dies sei in den fast 64 Jahren in Leipzig leider nicht geschehen. Da ihr Vater aus Coburg stammte, sei der Kontakt in den Nachkriegsjahren zur dortigen Verwandtschaft gut gewesen. "Sie haben uns viel geholfen. Schließlich wurden wir überredet, nach Coburg überzusiedeln. 1988 stellten mein Mann und ich den Ausreiseantrag, der uns genehmigt wurde, so dass wir am 19. Mai 1989 in Coburg ankamen."
In Coburg suchte Hildegard Krüger den Kontakt zur Evangelisch-Lutherischen Kirche und fand ihn sofort in der St.- Moriz-Kirche. "Ich habe so viel Wunder erlebt. Ich habe gar nicht darum gebeten, sondern sie wurden einfach geschickt."
Schließlich fand das Ehepaar Krüger zusammen mit Tochter und Schwiegersohn 1998 ein Haus in Neustadt. "Leider verstarb mein Mann im Jahr 2000 nach langer Krankheit." Auch in Neustadt schloss sie sich der Gemeinde St. Georg an. Hier ist sie in verschiedenen Kreisen aktiv.

Freude über Urenkelin Edda

Hildegard Krüger ist dankbar für das gute Verhältnis zu ihren Kindern und deren Unterstützung im Alter. Auch Sohn Matthias zog Ende 1998 nach Neustadt um. Mit Leidenschaft betreibt die Jubilarin Handarbeiten und frönt dem Lösen von Rätseln. Als besonderes Geschenk erlebte sie die Geburt ihrer Urenkelin Edda Lippmann am 24 Dezember 2014. em