E in moslemischer Syrer sagte mir: ,,Immer sagt ihr Deutschen, dass ihr das schrecklich findet, wenn wir im Fastenmonat Ramadan tagsüber nicht essen und trinken. Dann sagt ihr meistens noch, dass ihr das nicht könntet und dass das doch wirklich nicht gut ist für unsere Gesundheit."
Spätestens da fühlte ich mich völlig ertappt, denn bereits im ersten Jahr unseres Kennenlernens hatten wir diese Diskussion geführt. Und auch in diesem Jahr waren es meine ersten Gedanken. So kamen wir ins Gespräch und zum ersten Mal fragte ich, was ihn in den 30 Tagen des Fastens bewegt und was für ihn die Besonderheit dieser Zeit ist. Er erzählte, dass es eine harte Zeit sei - besonders in den Sommermonaten hier in Deutschland, wenn es bis zirka 21.30 Uhr dauert, bis man etwas zu sich nehmen kann.
In Syrien war es immer gegen 20.30 Uhr. Um diese Uhrzeit versammelte sich dann immer die ganze Familie. Es war wichtig zusammenzukommen, ein Gebet zu sprechen und das Leben und Essen miteinander zu genießen und zu teilen.
Danach sprachen wir über weitere Erfahrungen und über die Glaubensanfragen. Klar wurde mir, dass wir das, was wir jeden Tag oft unbewusst tun, bewusster wahrnehmen sollten. Bin ich mir bewusst, dass Gott jeden Tag und jede Stunde für mich sorgt, dass er mit mir unterwegs ist, um mich zu stärken? Gibt es noch so etwas wie eine Sehnsucht - einen Durst nach Glauben in mir? Welchen Platz hat Gott in meinem alltäglichen Leben? Durch den sensiblen Umgang im Alltag wird auch das Miteinander viel mehr in den Blick genommen. Wie geht es denn meinem Gegenüber? Wie gehe ich mit der Welt um?
Mir wird klar, dass das Fasten im Alltag ganz konkret zeigt, ob der Glaube wirklich geerdet ist. Der Ramadan kann den Blick weiten, wie andere Religionen ihre Suche nach Gott gestalten. Und wir können uns gemeinsam die Frage stellen, wie wir unseren christlichen Glauben leben und zeigen.

(Dagmar Schnös ist Familienseelsorgerin im katholischen Dekanat Haßberge.)