Kreis Haßberge — Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert sinkende Renten und zunehmende Altersarmut im Landkreis Haßberge, die "herbeiregiert wird". Armut in Bayern sei ein wachsendes Problem, meint die Gewerkschaft. 1,7 Millionen Menschen seien hier, in einer der reichsten Wirtschaftsregionen der Welt, arm oder von Armut bedroht. Es gebe Renten, die zum Leben kaum genügen. Es gebe Niedriglöhne, die keine Familie ernähren können und perspektivisch zu noch mehr Altersarmut führen. Und es gebe ein Arbeitslosengeld II, das dem Einzelnen kaum für den Lebensunterhalt reicht, schreibt der DGB in einer Mitteilung an die Medien.
"Männer im Landkreis Haßberge, die 2013 erstmals eine Altersrente bezogen haben, erhielten im Schnitt 1089 Euro pro Monat, Frauen mussten mit nur 423 Euro auskommen, " erklärt Anna Schlechter (Oberaurach), die Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Haßberge. Anlass zur Sorge gebe dabei, dass das niedrige Rentenniveau immer weiter sinkt und die permanent steigenden Lebenshaltungskosten nicht ausgeglichen werden können. Wie selbst der Datenreport zur sozialen Lage in Bayern 2013 der Bayerischen Staatsregierung ausweist, sank der Zahlbetrag aller Renten (Erwerbsminderungs- wie Altersrenten, Zugangs- und Bestandsrenten) vom Jahr 2000 bis 2012 real - also unter Berücksichtigung der Inflation - um 91 Euro oder zwölf Prozent.

Weitere Einbußen erwartet

Das Rentenniveau sinkt laut DGB seit 1985 mehr oder minder kontinuierlich. Zu dieser Zeit konnten sich die Ruheständler auf eine Rente freuen, die 57,4 Prozent des Nettolohns ausmachte. "Die Rentenkürzungsprogramme der letzten beiden Jahrzehnte reduzierten die Rentenhöhe auf nur noch 48,8 Prozent des Nettolohns im Jahr 2013. Und dieses Niveau soll noch weiter sinken", rügt die Gewerkschaft. Auf 43 Prozent im Jahr 2030, wenn es nach der Regierung Merkel/Gabriel geht. "Eine Rente, die im Jahr 2011 noch 1000 Euro wert war, wird im Jahr 2030 nur noch 860 Euro hoch sein, wenn die Rentenkürzungsprogramme nicht gestoppt werden", erklärt Anna Schlechter.
Auch Durchschnittsverdiener hätten damit große Schwierigkeiten, ihren Lebensstandard im Alter auch nur annähernd aufrechtzuerhalten. "Besonders hart trifft es aber Menschen mit kleinen Einkommen. Sie laufen sogar Gefahr, lediglich Rentenansprüche zu erwirtschaften, die unter der Grundsicherung liegen." Bereits heute betrifft dies laut DGB mehr als 114 000 Rentner in Bayern. red