Coburg — Coburgs evangelischer Dekan Christoph Liebst hat beim Herbstfest des Diakonischen Werkes Coburg der Bevölkerung in Stadt und Land Mut gemacht, die Integration von Flüchtlingen zu unterstützen. Liebst, der auch Verwaltungsratsvorsitzender des evangelischen Wohlfahrtsverbandes in Coburg ist, warnte vor zu viel argwöhnischen Vorbehalten. "Geschäftemacher mit der Angst haben wieder Konjunktur!"
Er erinnerte sich an einen Gottesdienst im Coburger Land vor wenigen Wochen. Er habe sich in seiner Predigt dort zum Thema Flüchtlinge geäußert. Da sei ein älteres Gemeindeglied mutig aufgestanden und habe an seine eigene Ankunft als Flüchtling im Coburger Land vor 70 Jahren erinnert. "Wir haben Gott sei Dank Menschen gefunden, die uns in ihr Haus aufgenommen haben", zitierte Liebst diesen Mann. Die aktuellen Flüchtlingsbewegungen, von denen Deutschland und eben auch das Coburger Land betroffen seien, seien ja nicht neu. Liebst wies auf eine Gedenktafel im Coburger Rathaus hin, die daran erinnere, dass im Jahr 1945 über 30 000 Menschen im Coburger Land Zuflucht gefunden hätten, deren Familien mittlerweile ganz einfach in die Bevölkerung in Coburg Stadt und Land integriert seien.
Noch einmal zwei Jahrhunderte in der Erinnerung zurück machte Liebst auf das Schicksal der Salzburger Exulanten aufmerksam. Die seien aus dem heutigen Österreich ausgewiesen worden. Ihr Fußmarsch stoppte immer mal wieder an den damaligen innerdeutschen Grenzen, so auch an der Grenze zwischen dem Fürstbistum Bamberg und dem damaligen wettinischen Herrschaftsgebieten. "Da kann man sich leicht in die Situation von Flüchtlingslagern versetzen", so Liebst. In Coburg angekommen, seien diese Flüchtlinge oder letzthin Asylbewerber von der Coburger Bevölkerung freudig begrüßt und auf die Häuser verteilt worden. Exulanten, die in andere Gebiete weiterziehen wollten, seien zuvor mit einem "Handgeld" ausgestattet worden.
Liebst verglich die Zahl von aktuell etwa 1200 Flüchtlingen in Coburg Stadt mit den über 30 000 im Jahr 1945, um die Dimensionen in der Wahrnehmung der Menschen ins rechte Maß zu bringen. Schon das Alte Testament verpflichte zur Hilfe für Flüchtlinge.


Umzug naht

Matthias Emmer, Vorstand des Diakonischen Werkes Coburg, beschrieb den Abschied vom bisherigen Diakonisch-Sozialen Zentrum am Johann-Strauss-Platz als wichtiges Ereignis und große Aufgabe für seinen Verband. Der Gebäudekomplex sei verkauft worden. "Wir müssen umziehen!" Für die Unterbringung der verschiedenen Beratungsstellen zeichne sich eine zentrale Lösung in der Coburger Innenstadt ab. Der bestehende "Kindergarten der Begegnung" und die Heilpädagogischen Tagesstätten können nach Vereinbarung mit dem neuen Eigentümer des Ex-DSZ übergangsweise noch an dem bisherigen Standort bleiben, versicherte Emmer. Das gelte auf jeden Fall auch noch über den Jahresanfang 2016 hinaus, trat Emmer anderslautenden Gerüchten entgegen.


Personalrat fehlt

Emmer bedauerte, dass es im Diakonischen Werk Coburg derzeit keine amtierende Mitarbeitervertretung, das kirchliche Äquivalent zu einem Personalrat, gebe. "Das mag im ersten Moment für den Vorstand eine Erleichterung sein", meinte Emmer. Und dennoch: "Es gibt wichtige Dinge, die man gemeinsam besprechen muss." Er ermunterte die Mitarbeiter zu Neuwahlen und zur Bereitschaft, sich auch wählen zu lassen.
Das Herbstfest ist für den evangelischen Wohlfahrtsverband in Coburg auch immer die Gelegenheit, den Mitarbeitern für ihre Einsatzbereitschaft zu danken. Seit 30 Jahren arbeiten Elisabeth Bill und Anton Zelger im Waltraud-Keller-Haus des Diakonischen Werkes im Coburger Stadtteil Ketschendorf mit. Die Vorstände Matthias Emmer und Diakon Franz K. Schön zeichneten beide Jubilare mit dem Goldenen Kronenkreuz, einem hohen Ehrenzeichen des Diakonischen Werkes in Deutschland und Bayern, aus. Ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feierte am Mittwoch Monika Dietrich von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (Kasa).


Zwei Mitarbeiter gehen

Das Diakonische Werk nimmt auch Abschied von zwei verdienten Mitarbeitern. Zum Jahresende geht Karin Geiger in den Ruhestand. Geiger ist seit 22 Jahren Mitarbeiterin in der Schwangerschaftsberatung gewesen. "Für uns warst du immer verlässlich, vorausschauend, oft weiterdenkend als wir", lobte sie ihre Kollegin Imke Böger-Troll. Dieter Schwämmlein arbeitet schon viele Jahrzehnte in den Diensten der evangelischen Wohlfahrt. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von Rummelsberg bis nach Coburg, und in Coburg seien es nun auch schon gut 30 Jahre, merkte Vorstandsmitglied Diakon Schön an. "Dieter Schwämmlein ist immer wieder gerne neue Wege gegangen!" Zuletzt ist der Bald-Ruheständler Mitarbeiter in der Erziehungs- und Familienberatung gewesen. mako