VON katharina winterhalter

Schweinfurt — Als Herr S. in jener Nacht im März 2015 vom Hauptbahnhof nach Hause ging, war er gut gelaunt, freute sich auf seinen Umzug am nächsten Tag. An der Ampel am John-F. Kennedy-Ring fiel ihm ein junger Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf. Der schaute ihn irgendwie böse an, erinnerte sich Herr S. jetzt vor Gericht.
Wenige Minuten später holte ihn der junge Mann ein und schlug unvermittelt und völlig ohne Grund auf Herrn S. ein. Bis heute leidet der 57-jährige Schweinfurter schwer an den Folgen. Er hat Albträume, Angst, nachts alleine auf die Straße zu gehen. Seine gebrochene Nase ist leicht schief zusammengewachsen, er hat eine Narbe im Gesicht und seine linke Schulter wird er möglicherweise zeit seines Lebens nicht mehr so gut bewegen können wie vor dem Überfall. "Es war schlimm. Ich hatte Angst, er bringt mich um", sagte er bei der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht des Schweinfurter Amtsgerichts.
Das Gericht verurteilte den 20-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Damit er die Bewährung nicht mit einem Freispruch verwechselt, ordnete das Gericht eine Reihe von Auflagen an. Die vier Wochen Arrest nannte der Jugendrichter einen Warnschuss.


Kein Alkohol, keine Drogen

Außerdem darf der 20-Jährige in den kommenden zwei Jahren weder Alkohol trinken noch Drogen konsumieren und er darf seine Ausbildung nicht abbrechen. Ein Bewährungs- und ein Betreuungshelfer wurden ihm zur Seite gestellt.
Die Vernehmung des Angeklagten war schwierig. Anfangs wollte sich der 20-Jährige mit einem "Blackout" aufgrund seines Alkohol- und Drogenkonsums herausreden. Schließlich gab er die Schläge doch irgendwie zu, aber nur halbherzig und ohne auch nur ansatzweise einen Grund für seine völlig unverständliche Tat zu nennen.
Er war vorher mit Kumpels unterwegs, zu dritt hatte man am Schuttberg eine Flasche Wodka und mehrere Flachen Bier geleert. Auf dem Heimweg hatte sich der 20-Jährige noch einen Joint gedreht. Im Gegensatz zum Angeklagten schilderte das Opfer, das als Nebenkläger und Zeuge auftrat, die Tat sehr detailliert. Der 20-jährige sprang ihn von hinten an und schlug ihm mit beiden Fäusten mehrfach ins Gesicht. Als der 57-Jährige auf die Straße fiel, trat und schlug der Mann weiter auf ihn ein.
Als sich das Opfer wieder aufgerappelt hatte, verlangte der Schläger Geld, bedrohte ihn mit einem Messer, gab ihm aber keine Gelegenheit, seinen Geldbeutel zu zücken. Mit letzter Kraft und in Todesangst habe er um Hilfe rufen können, schilderte der 57-Jährige. Das hörten zwei Männer vom Wachpersonal, die auf der Automesse auf dem nahen Volksfestplatz ihre Runden drehten. Als der Täter sie sah, rannte er weg.