Leserbrief zu unserem Artikel über einen Strafprozess am Amtsgericht Haßfurt vom 5. Februar unter der Überschrift "Schäfer wird erneut wegen Tierquälerei verurteilt und kommt mit Bewährungsstrafe davon":

Dieses Urteil ist eine absolute Frechheit. Ein mehrfach zur Bewährung verurteilter Tierquäler bekommt wieder Bewährung. Kann mir mal jemand dieses Urteil erklären? Ich verstehe es nämlich nicht. Obwohl auch der Ankläger vermutete, dass dies nur die Spitze des Eisberges wäre, stimmte er diesem faulen Kompromiss zu. Der Grund war unter anderem, dass somit Prozesskosten gespart würden.
Das Leiden der Tiere war hier unwichtig. Der Tierquäler gibt die Tat zu, geht heim und lacht über das Urteil. Dieser Tierquäler wird wieder quälen. Bewiesen hat er dies ja hiermit.
Da wirkte die bisherige Bewährungsstrafe aber ganz schön abschreckend. Mit Grinsen und Freifahrtschein zur nächsten Tierquälerei? Das ist schon mehr als verstandfrei, dass jemand, der wegen der gleichen abscheulichen Tat, wessen er unter Bewährung steht, wieder straffällig wird und dann nochmal Bewährung bekommt. Wie oft darf er noch den Tieren Leid und unsägliche Qualen zufügen?
Urteile werden "Im Namen des Volkes" gefällt. Bei solchen Urteilen will ich nicht zu diesem Volk gehören. Meine Familie und ich nehmen Abstand von diesem Urteil. Wir möchten, dass unser Name, das Leid der gequälten Tiere und die Würde aller Tiere mit diesem Urteil nicht beschmutzt werden sollen und dürfen.
Die Aussage "Nutztiere sind keine Hätschelwesen" zeigt doch schon die Einstellung. Das Tier ist Ware. Wieso sollen, und hier stört schon der Begriff Nutztier, diese Tiere kein Leben ohne Qual und Misshandlung erleben? Wieso sollten diese Tiere ihr Leben ohne Liebe erfahren? Dazu muss man sie nicht "hätscheln", sondern ganz einfach als gleichberechtigte Lebewesen unseres Planeten achten und respektieren. Dazu gehört es unter anderem auch, Schaden, Qual und Misshandlung aller Art von den Tieren abzuhalten.
Solange jedoch solche Urteile gesprochen werden, solange wird der Tierschutz mit Füßen getreten. Solange wird es den Tieren nicht erspart bleiben, unter der "Krone der Evolution" unermesslich zu leiden und nur als Ware gesehen zu werden.
Hier ein Satz eines sehr weisen Mannes (mit Verstand) an die Prozessbeteiligten: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt" (Mahatma Gandhi).
Susanne Raithel
Oberhaid