So verkehrt ist das gar nicht, dass der Feiertag "Christi Himmelfahrt" im Volksmund Vatertag heißt. Sicher wollte man den Vätern ebenso etwas Gutes tun, so wie sich ja auch der Muttertag etabliert hatte. Neben Jesu Geburt, seinem Kreuzestod und der Auferstehung ist seine Himmelfahrt eine der Stationen im Kirchenjahr, die zum Verständnis von Jesu Leben und Wirken beiträgt. An Himmelfahrt erinnert sich die christliche Kirche an den Abschied Jesu von seinen Jüngern und die Rückkehr zu seinem himmlischen Vater.
Es wird für seine Jünger jedoch kein trübsinniger Abschied für immer, sondern Jesus weist seine Nachfolger an, zu warten - aber nicht auf bessere Zeiten. Vielmehr erwarten sie zum einen den Heiligen Geist, der seine Wirkung an Pfingsten erstmals voll entfaltet. Zum anderen warten sie auf die erneute Wiederkunft Christi. Es handelt sich also um einen Abschied, der in die naheliegende Gegenwart und die fernere Zukunft verweist.
Tatsächlich lebten die ersten Christen noch ganz anders als wir in einer Naherwartung der Wiederkunft Christi, des Welt endes und der endgültigen Durchsetzung des Reiches Gottes.
Das Wissen darum, dass noch etwas Besseres kommt, prägt das Leben. Unser irdisches Leben ist kein billiges Wartezimmer hin auf das Reich Gottes, sondern es ist die Zeit, in der wir verwirklichen können, was uns Jesus im Namen seines göttlichen Vaters aufgetragen hat. Dieser Auftrag Jesu weist ebenso in die naheliegende Gegenwart sowie in die fernere Zukunft. Jesus fordert uns dazu auf, wie er ganz in der Gegenwart zu leben: Als ganzer Mensch - mit Gedanken, mit eigener Sprache und mit seinem Fühlen - im Leben präsent zu sein.
Jede Situation, in der ich mich befinde, wird so nie wiederkommen. Es bleibt immer eine einmalige Chance zur tätigen Liebe. Zugleich aber muss ich auch bei meinem Tun die Nachhaltigkeit überprüfen. Kann ich bis zum Ende meines Lebens beziehungsweise bis zur Wiederkunft Christi so weitermachen? Vor allem, wenn es heute um Fragen des Erwerbs sowie des Konsums geht, muss ich hierbei ehrlich zu mir selbst sein.
Warten und Leben in der Naherwartung unseres Herrn Jesus Christus bedeutet, das Gegenwärtige als Geschenk des Vaters an uns zu würdigen. Zugleich meint es auch den Blick auf die Zukunft: Das Bewahren dessen, was allen Menschen dient im Hinblick auf das gegenwärtige und zukünftige Reich Gottes, unseres himmlischen Vaters. Das tagtägliche Leben im Gegenwärtigen lässt dann jeden Tag in einem christlichen Sinne zum Vatertag werden.

Susanne Geerds ist von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Coburg (Baptisten)