Dominic Buckreus

Lachen ist nicht nur gesund, sondern kann auch manchmal Geld kosten. Zumindest dann, wenn man demenzkranke Menschen in Pflegeheimen aufmuntern will. Diese Form der Behandlung nennt sich Humortherapie und ein Ehepaar aus Bischberg hat sich darauf spezialisiert. Nur läuft es mit der Umsetzung noch etwas schleppend, denn Pflegeheime würden zunächst zögernd auf ihr Angebot reagieren, sagen sie.
Dabei könne dieses Angebot tatsächlich hilfreich sein, betont Norbert Scholz, Leiter des Awo-Seniorenzentrums in Breitengüßbach: "Außer dass es Geld kostet, das nicht eingeplant ist, spricht nichts dagegen. Man weiß ja, dass mit Humor alles einfacher ist. Gerade im Umgang mit Demenz." Das Seniorenzentrum am Bruderwald habe erst kürzlich ein ähnliches Projekt gestartet, erzählt er.
Doch wie sieht diese Therapie eigentlich aus? Clowns mit roter Nase sind Christiane Weindorfer und Nico Kosian jedenfalls nicht. Sie stehen auch nicht auf einer Bühne und erzählen ihrem Publikum einen Schenkelklopfer nach dem anderen. Es steckt schon etwas mehr hinter der Humortherapie, wie sie die beiden praktizieren wollen.
Das Ziel ist allerdings das gleiche: Sie wollen in Pflegeheimen alten und kranken Menschen helfen, ihr Leid mindern und ihnen Freude in ihrem Leben bringen - und zwar mit Humor.
"Wir machen keine Gruppenbespaßung. Wir schauen uns jeden Einzelnen an, merken wie er heute drauf ist und wie der Zugang zu ihm möglich ist", sagt Weindorfer. Dabei muss es nicht einmal unbedingt lustig zugehen. Oft reiche es, wenn sie sich mit den Menschen einfach unterhalte, falls sie merke, dass derjenige gerade nicht offen für anderes sei.


Improvisation ist gefragt

Die Humortherapie ist eine relativ neue Herangehensweise an Patienten, sagt Scholz. Die Therapeuten versuchen, in den Heimen Freude zu verbreiten. "Lachen belebt den Körper. Wenn ein Mensch viel Freude hat, dann stärkt das auch das Immunsystem", erläutert Kosian.
"Wir spielen in gewisser Weise eine Rolle", sagt er. Manchmal zieht er sich einen Hausmeisterkittel an. Das hilft, bei den Menschen anzukommen. Er liefert ihnen damit einen Grund für seine Anwesenheit und hat sofort ein Gesprächsthema. Denn viele würden erstmal zögern, wenn da einfach ein neuer Mann vor ihnen stehe "Die Arbeit hat viel mit Improvisation zu tun", meint er.
"Als Paar können wir uns auch mal behacken", sagt Weindorfer. Natürlich mit einem Augenzwinkern, aber auch das komme gut an.
Bei manchen könnten sogar Tabus gebrochen werden. Humorvoll oder sarkastisch mit dem Tod oder der Sexualität umzugehen, dafür seien manche Menschen offen. Das sei aber nur angebracht, falls der Patient das selbst vorgebe.
Oft gelingt es Christiane Weindorfer und Nico Kosian mit Musik, ihren Patienten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern: "Selbst wenn der Mensch vorher in sich zurückgezogen ist, fängt er bei einem Lied manchmal an zu singen", sagt Kosian. Das gehört auch zu der Technik der basalen Stimulation. Dabei spielen der Kontakt über die Haut, Gerüche oder Geräusche eine tragende Rolle. Bei gewissen Düften oder Liedern falle es vielen leichter, sich an etwas aus der Vergangenheit zu erinnern. So habe es Kosian schon erlebt, dass sich ein Patient bei dem Lied "Hoch auf dem gelben Wagen" wieder an den Text erinnern konnte und plötzlich mitsang.


Ergänzung für Fachkräfte

Ein wenig praktische Erfahrung haben die beiden bereits gesammelt. Kosian geht seit einem Jahr ehrenamtlich in die Tagespflege, macht Musik oder liest vor - allerdings in der Gruppe. Das sei der wesentliche Unterschied: "Das ist nicht so intensiv. Man geht dabei nicht auf Einzelne ein, sondern nur auf die Gruppe."
Bei ihrer Arbeit als Humortherapeuten soll das anders sein, wünschen sich Christiane Weindorfer und Nico Kosian. Etwa jede Woche tauchen sie für zwei bis drei Stunden auf, um die Patienten zu betreuen.
"Es ist eine Abwechslung, denn wir kommen von außen und pflegen nicht", meint Weindorfer. Dabei sehen sie sich als Ergänzung zum Pflegepersonal und möchten die Mitarbeiter und Angehörigen auch in ihre Arbeit einbinden. Viele Pfleger benutzen diese Strategie natürlich ebenfalls, doch gehe durch ihre große Arbeitsbelastung oft die Leichtigkeit verloren, meint Weindorfer.


Ausbildung dauerte zwei Monate

In der Fachwelt werde es jedenfalls positiv gesehen, sagt Scholz von der Awo: "Das kommt einfach gut an, auch bei Menschen, die vielleicht nicht mehr so viel mitbekommen." Nur würden die Finanzen dem oftmals im Weg stehen. "In der Pflege hat man viele Ausgaben. Aber entweder steht man hinter so einem Projekt und nutzt es oder man sieht es nur als zusätzliche Ausgabe", sagt er.
Vor ähnlichen Problemen stand Markus Proske, Humortherapeut und Demenzberater aus der Nähe von Augsburg (siehe Infokasten). Bei ihm haben Christiane Weindorfer und Nico Kosian ihre Ausbildung gemacht. Zwei Monate haben sie ihn bei seiner Arbeit in der Tagespflege begleitet. Hauptsächlich ging es darum, praktische Erfahrungen zu sammeln, weniger um die Theorie.
Es war keine medizinische Ausbildung, stellt Weindorfer klar. Vielmehr lernten sie, wie sie Zugang zu Menschen gewinnen und was Demenz bei den Patienten bewirkt. Kosian arbeitete fast 16 Jahre als internationaler Controler in einem Konzern. Dabei habe er viel verdient. Der finanzielle Aspekt reize ihn daher nicht bei seiner neuen Tätigkeit. Vielmehr gehe es ihm darum, den Menschen etwas zurückzugeben: "Und die Menschen geben dir selbst auch wieder etwas zurück."
Nachdem seine Frau, die früher im Kundendienst bei einer Versicherung arbeitete, im Radio ein Interview mit Markus Proske gehört hatte, habe es bei ihr "Bling" gemacht. Dieses "Bling" brachte die beiden auf ihren neuen Weg.