Seit mehreren Monaten wogt es zwischen dem Vorstand des Deutschen Ringer-Bundes und einigen Erstliga-Vertretern hin und her: Für die Bundesligisten geht es um mehr Mitspracherecht, für die Verantwortlichen des DRB um neue Strukturen, die das Wettrüsten und das damit verbundene Mannschaftssterben eindämmen könnten. Vertreter des DRB-Bundesliga-Ausschusses und der Zweitligisten trafen sich in Bad Mergentheim, wo der DRB grundlegende Änderungen des Ligenbetriebs vorstellte.


Nur noch acht Bundesligisten

Fakt ist, dass die Anzahl der Erstligisten nach zahlreichen Rückzügen auf acht Teams schrumpfte. Gleichzeitig kann kaum noch eine Mannschaft aus der zweiten Liga beim stark angestiegenen Etat der verbliebenen Bundesligisten mithalten. Zuletzt traf es mit der RWG Mömbris-Königshofen und dem Luckenwalder SC zwei "Dinos", die ihre Teams aus der höchsten deutschen Kampfklasse zurückzogen.
Damit ist die Ringer-Bundesliga in der am 3. September beginnenden Saison erstmals seit der Vereinigung der beiden deutschen Verbände ohne ostdeutsche Beteiligung.
Nun stellte der Bundesliga-Ausschuss also ein neues Konzept vor: So soll es ab der Saison 2017/2018 nur noch eine Bundesliga geben, in der die Mannschaften aus der ersten und zweiten Liga zusammengeführt werden. Dabei soll je nach Anzahl der Teams in zwei bis drei Vorrundengruppen gerungen werden. Die Gruppen werden regional eingeteilt. Die Gebühren sollen an die derzeitigen Sätze der Zweitligisten angepasst werden. Die Gruppensieger ermitteln den deutschen Mannschaftsmeister in Finalkämpfen, wobei der Modus vom Bundesliga-Auschuss noch festgelegt wird. Dieser soll es auch den besten bisherigen Zweitligisten ermöglichen, in die Finalrunde vorzustoßen.


Budgets werden begrenzt

Ein Dorn im Auge des DRB-Vorstandes waren auch die zuletzt sprunghaft gestiegenen Budgets einiger Mannschaften. Abhilfe schaffen soll eine Begrenzung des Etats für bezahlte Ringer auf 150 000 Euro. Dieser Betrag darf weder vom Verein noch von Sponsoren überschritten werden. Um das zu gewährleisten, will der DRB die finanziellen Verhältnisse der Vereine prüfen. Die Vereine müssen dem DRB auf Anforderung Einblick in ihre Finanzen gewähren. Bei Verstößen droht der Ausschluss. Im Ligabetrieb sollen ab 2017/2018 nur noch vier Ausländer je Mannschaftskampf zugelassen werden, dabei können pro Team je zehn Ausländerlizenzen beantragt werden. Auch die Nachwuchsentwicklung soll vorangetrieben werden. Dazu erstellt der DRB ein Konzept für den Einsatz qualifizierter Trainern sowie eine verpflichtende Teilnahme an Jugendmeisterschaften.
Die neuen Richtlinien sollen im Herbst 2016 verabschiedet werden und ab der Saison 2017/2018 bindend sein. Dabei hofft der DRB-Vorstand, dass die Bundesligavereine die Pläne unterstützen.
"Ich finde das neue Konzept gut, glaube aber nicht, dass es realisierbar ist", sagt Ali Hadidi, Trainer des Bayernligisten AC Lichtenfels, zu den geplanten Änderungen des DRB. Er begründet seine Einschätzung mit dem zu knappen Etat, der den Mannschaften in der Bundesliga künftig zur Verfügung stehen wird. Außerdem kann sich Hadidi nicht vorstellen, wie die Begrenzung des Etats kontrolliert werden soll.
Hadidi glaubt, dass die geplante Etatbegrenzung vor allem den Zweitligisten zugutekommt und dass wieder eine gewisse Gerechtigkeit im Ligenbetrieb herrschen wird. "Wenn die Etatbegrenzung bereits vor drei, vier Jahren gekommen wäre, wären wir immer noch in der Bundesliga", sagt Hadidi.


Es fehlt an Nachwuchs-Ringern

Wäre die Bundesliga denn wieder attraktiv für Lichtenfels, wenn jeder Verein nur noch 150 000 Euro investieren dürfte? "Wenn wir mehr Lichtenfelser Ringer hätten, dann ja. Ansonsten nein", so der Trainer. Doch dass der Verein selbst so wenige eigene Spieler hat, liege daran, dass der Nachwuchs vernachlässigt worden sei. Aktuell hat der Klub nur eine Bambini-Mannschaft. Doch die Lichtenfelser sind auf einem guten Weg, Jugendliche wieder für das Ringen zu begeistern. "Der Prozess wird noch zwei bis drei Jahre dauern, aber wir bemühen uns", so Hadidi.