Einen Freispruch gab es bei einem Prozess am Haßfurter Amtsgericht für einen 64-jährigen Rentner aus dem Landkreis, der wegen Betrugs angeklagt war. Vorgeworfen wurde ihm von der Staatsanwaltschaft, von einer 55-jährigen behinderten Rentnerin über 9000 Euro ergattert zu haben, indem er vorgab, sie zu lieben und ein Darlehen zu brauchen. Die Frau hatte per Kontaktanzeige einen Partner gesucht, worauf sich der verwitwete Angeklagte bei ihr meldete. Ob es zu einer Rückzahlung der Summe kam, konnte das Gericht nicht aufklären, weshalb ein Freispruch "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) folgte.
"Schäm dich!", musste sich der Freigesprochene nach der Verhandlung vom Bruder des angeblichen Opfers anhören, der wohl der Überzeugung war, dass der Angeklagte seine Schwester geleimt hatte. Aus der Summe von über 9000 Euro hatte der Angeklagte, nachdem die 55-Jährige das forderte, 1000 Euro bereits zurückgezahlt beziehungsweise an sie überwiesen. Das stellte Staatsanwältin Hansen bereits in ihrer Anklage fest.
Die Verteidigerin des Angeklagten, Rechtsanwältin Kerstin Rieger, gab zunächst für ihren Mandanten eine Erklärung ab. Demnach habe sich der 64-Jährige auf eine Kontaktanzeige bei der Rentnerin gemeldet. Es kam zu Treffen und zum gemeinsamen Kaffeetrinken.
Auf Frage von Richterin Ilona Conver sagte der Angeklagte, dass seine Bekanntschaft ihn bat, die gut 9000 Euro aus einem Bausparvertrag auf sein Konto überweisen zu dürfen. Dies geschah laut Angeklagtem deshalb, weil sie befürchtete, dass ihr Vater, der Zugriff auf ihr Konto hatte, sich eventuell das Geld aneignen würde. Von einem Darlehen sei nie die Rede gewesen, sagte der Angeklagte.
Anders lautete die Version der 55-Jährigen. Demnach hat sie der Angeklagte gebeten, von ihr Geld leihen zu dürfen. Seine Frau sei gestorben und die Beerdigungskosten würden ihn belasten, weshalb er in Geldschwierigkeiten sei. "Das habe ich gemacht, weil er mir versprochen hat, alles so schnell als möglich wieder zurückzuzahlen", sagte die Frau. Abgewickelt wurde das "Geschäft" bei einer Bank. Ohne dass sie etwas davon wusste, seien dann später 1000 Euro auf ihrem Konto "aufgetaucht", erklärte die 55-Jährige weiter. Der Angeklagte führte weiterhin aus, dass er die Restsumme über 8000 Euro an die Rentnerin unter Zeugen in bar übergeben habe. Um gleich hinzuzufügen: "Der Zeuge ist aber leider schon verstorben."
Die Verteidigerin des Angeklagten übergab dem Gericht einen Notizzettel, der die Unterschrift der Rentnerin tragen soll. Ihre Unterschrift bestätigte die Frau auf dem Zettel. "Das Geld habe ich nicht erhalten", sagte sie aber.
Wie es zu der Unterschrift gekommen war, konnte nicht aufgeklärt werden. Die Frage der Staatsanwältin, ob sie eventuell einen leeren Zettel unterschrieben habe, vermochte die Frau nicht zu beantworten. Die Staatsanwältin beantragte ob der unklaren Lage Freispruch für den Angeklagten, da seine Aussagen nicht zu widerlegen seien und man den Zeugen, der verstorben ist, nicht mehr befragen könne. Freispruch beantragte auch die Verteidigerin.
Das Gericht folgte den Anträgen und erkannte auf Freispruch. "Wie es zu der Unterschrift auf dem Zettel kam, können wir nicht aufklären." Das Gericht könne auch nicht widerlegen, dass das Geld tatsächlich zurückgezahlt wurde. "In dubio pro reo" sei der Angeklagte freizusprechen, sagte Conver. hw