Sand — Den Wert und die Bedeutung der Arbeit unterstrich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bei seiner Maikundgebung am Freitag in Sand. Vor 125 Jahren waren Menschen auf der ganzen Welt zum ersten Mal am 1. Mai auf die Straße gegangen, um für die Rechte der Arbeiterschaft zu demonstrieren. Der Kreisverband Haßberge hielt die Tradition mit seiner Veranstaltung im Biergarten "Gogerswiesen" aufrecht.
"Der 1. Mai ist unser Tag der Arbeit. Wir stehen in Solidarität für die Rechte der arbeitenden Menschen ein", sagte DGB-Kreisvorsitzende Anna Schlechter zum Auftakt. "Wir haben viel erreicht und noch viel vor", motivierte die Funktionärin.

Aus der Geschichte

Anna Schlechter ging auf die Historie vor 125 Jahren ein. Am 1. Mai 1890 versammelten sich Arbeiterinnen und Arbeiter zum ersten Mal, um international für den Acht-Stunden-Tag zu kämpfen. Immer wieder kamen sie in den folgenden Jahren am 1. Mai zusammen, um ihren Forderungen Nachdruck zu geben.
Die Gewerkschaften haben laut Kreisvorsitzender viele Forderungen durchgesetzt. "Dazu gehört auch, dass wir uns heute hier versammeln können, ohne verfolgt zu werden", sagte sie. Ebenso gehöre dazu, dass ein Betrieb kein demokratiefreier Raum mehr ist, in dem ein Arbeiter ohne Rechte dasteht oder der Willkür seines Chefs ausgeliefert ist.
Der mittlerweile geltende Mindestlohn gehört laut Anna Schlechter ebenfalls zu den Erfolgen der Gewerkschaft. "Der Mindestlohn muss für alle gelten", sagte sie. Dafür habe die Gewerkschaft lange, überzeugend und erfolgreich gekämpft, weil er deutschlandweit Millionen Menschen helfe, ihr Einkommen zu verbessern. "Der Mindestlohn von 8,50 ist immer noch zu wenig, um die heutigen Lebenskosten zu tragen und gleichzeitig für das Alter vorzusorgen", betonte sie.

Für rund 1000 Menschen

Im Kreis Haßberge profitieren nach ihrer Darstellung an die 1000 Menschen vom Mindestlohn. Von fairer Bezahlung wollte die Kreisvorsitzende bewusst nicht sprechen. Vor allem Frauen - wie in der Pflege und Gastronomie - seien lange Zeit unter dem Wert ihrer Arbeit bezahlt worden.

Kluft zwischen arm und reich

Zum Thema "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir" sprach Benjamin Hornung, Projektsekretär der Industriegewerkschaft (IG) Metall aus Schweinfurt. Er sprach die Kluft zwischen arm und reich an. Sie sei stärker als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis gelange das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie. Krise hin, Niedrigzinsen her - die reichste Bevölkerungsgruppe habe ihren Anteil am Gesamtvermögen stetig ausbauen können, sagte der Redner. Über die Höhe des Vermögens der Superreichen sei wenig bekannt. Sie hüllten sich gerne in Schweigen. Auf der anderen Seite sei Armut hingegen bestens erforscht. Eine ungleiche Verteilung der finanziellen Ressourcen ist für Hornung nicht nur aus Gerechtigkeitsgründen bedenklich. Die Unterschiede stellten auch eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dar und seien ökonomisch unvernünftig. cr