Coburg — Gabriel und Elias sind zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der eine lehrt Evolutionspsychologie und Philosophie an der Universität, der andere beschäftigt sich stattdessen hemmungslos mit Nichtigem und Nichtstun.
Kurz gesagt: Elias ist seinem Bruder peinlich. Insofern ist es für Gabriel geradezu eine Erleichterung, als er durch eine Videobotschaft ihres verstorbenen Vaters erfährt, dass er gar nicht ihr leiblicher Vater war und Elias somit nur sein Halbbruder ist.
Getrieben von der Neugier nach seinen wahren Wurzeln kann er es allerdings nicht einfach dabei belassen. So machen sich die beiden auf die Suche nach ihrem wahren Vater Evilio Thanos, der auf der entlegenen dänischen Insel Ork leben soll. Zwar hätte sich Gabriel am liebsten alleine auf diese Reise gemacht, doch er weiß, dass er keine Chance gegen Elias' Trotz hat, wenn der sich erst mal etwas in den Kopf gesetzt hat und nicht alleine gelassen werden will.
Nach einigen Zwischenstopps erreichen sie die entlegene Insel Ork und werden von der Dorfärztin der 41-Seelen-Gemeinde direkt zum Domizil ihres Vaters gebracht - einem verfallenen, ehemaligen Sanatorium. Anstelle aber mit offenen Armen oder wenigstens einem offenen Ohr begrüßt zu werden, wird Gabriel von den drei weiteren Söhnen seines Vaters mit gnadenlosem Revierverhalten empfangen und von Franz, dem ältesten Spross und augenscheinlichen Anführer der Brüderbande, mit einem ausgestopften Schwan verprügelt und vom Hof gejagt.
Geknickt machen sich Gabriel und Elias durch Dunkelheit und Regen auf den Rückweg, kommen jedoch nicht allzu weit. Gabriel wird beim Versuch, ein Auto anzuhalten, von diesem übersehen und angefahren. Flemming, der Bürgermeister von Ork, und seine Tochter, die gerade auf dem Weg nach Hause waren, kümmern sich um die beiden und nehmen sie mit zu sich. Und endlich erfahren die beiden Brüder etwas mehr über ihre "Familienverhältnisse" - wenn auch längst nicht alles.


Eine Art Waffenstillstand

Während Elias vergeblich seine animalische, unwiderstehliche Anziehungskraft bei der ängstlich wirkenden Ellen testet, erzählt Flemming bei Tee und Keksen, dass jeder der Brüder auf Ork eine andere Mutter habe, die alle bei der Geburt gestorben seien - und dass Franz, Gregor und Josef nur mit allergrößter Vorsicht und an "guten" Tagen zu genießen seien. Am nächsten Tag gibt es einen zweiten Annäherungsversuch und diesmal schickt Gabriel seinen Bruder vor, der im Zweifelsfall die gleiche Sprache beherrscht.
Doch als Elias mit zwei gusseisern Kübeln und einem riesigen Brett von den voranpreschenden Brüdern außer Kraft gesetzt wird, muss Gabriel erneut daran glauben. Erst als der wieder zu sich gekommene Elias mit einem Nudelholz für Ruhe sorgt kommt es endlich zu einer Art Waffenstillstand und Familienvereinigung.
Da Gabriels Beine taub sind und er eine Zeit lang nicht mehr laufen können wird, kommen er und Elias bei ihren "neuen Halbbrüdern" unter, in deren Haus ziemliche Unordnung und das Recht des Stärkeren herrscht.
Während Elias von seinen neuen "Spielgefährten" begeistert ist und sich wohlfühlt in seinem verfallenen Geburtshaus voller seltsamer "Haustiere" und Gepflogenheiten, hofft Gabriel, auf diese Art und Weise nun doch noch ihrem gemeinsamen leiblichen Vater begegnen zu können - doch ganz so einfach ist das nicht. Und das ist längst nicht die einzige "Leiche", die ihre neu gefundene Familie im Keller vergraben hat. S.G.

"Men and Chicken" von Regisseur Anders Thomas Jensen ist am Dienstag und Mittwoch (20.15 Uhr) in der Coburger Reihe "VHS-Film der Woche" im Utopolis zu sehen.