von unserem Mitarbeiter  Peter Schmieder

Haßfurt — Wie soll es nach der Schule weitergehen? Zum siebten Mal veranstaltete die Sparkasse Ostunterfranken den Studententag, der Schülern der Oberstufe der Gymnasien in Haßfurt und Ebern bei dieser Entscheidung helfen soll. Diesmal fand die Veranstaltung in der Haßfurter Stadthalle statt.
Referent war Moritz Ettl. Die Leinwand hinter ihm zeigte ein leeres Blatt. "Jedes große Unternehmen fing mal so an. Auch Google oder Apple. Ein weißes Blatt Papier", sagte er. Dann berichtete er von seinem eigenen Unternehmen.
Mit 21 Jahren hat er vor zwei Jahren ein Start-up gegründet, für das ihm Bertelsmann stolze zwei Millionen Euro und ein Team zur Verfügung gestellt hatte. Das Ergebnis ist die Internetseite "Blicksta - Zukunft blicken". Ziel des Projekts war es, die Berufsorientierung zu erleichtern. So berichtete er über schlechte Erfahrungen und merkwürdige Ergebnisse bei den Tests des Berufsinformationszentrums, wo den Leuten die unmöglichsten Berufe vorgeschlagen wurden.
Mit "Blicksta" beschloss er, wie er sagte, "den Spieß umzudrehen". Hier können sich Schüler anmelden und ihre Qualifikation und Fähigkeiten angeben. Unternehmen können dann gezielt auf die möglichen Arbeitnehmer zugehen und sie als Mitarbeiter anwerben. Mittlerweile sind 70 000 Schüler auf der Plattform angemeldet, 40 Firmen hat "Blicksta" als Partner.
"Aber mir geht es jetzt nicht darum, Werbung zu machen", sagte Ettl. Vielmehr wolle er den Schülern etwas fürs Leben zeigen. "Denn zwischen einer Unternehmensgründung und einem glücklichen Leben gibt es einige Parallelen", sagte er. So dürfe einem nicht das Geld ausgehen, betonte er, denn dann sei in beiden Fällen alles vorbei.
Wichtig sei auch, dass das, was man tut, einen Sinn hat, sowohl im Unternehmen als auch im Privatleben. "Den muss jeder für sich überlegen." Auch wichtig sei in beiden Fällen, permanent die eigenen Ziele zu überarbeiten und neu zu planen. Im Unternehmen gebe es dafür einen Business-Plan, erklärte er. Die Frage sei jetzt: "Wie kann ich den auf mich anwenden?"
So berichtete er, welche Überlegungen ihn auf die Idee zu seinem Unternehmen gebracht hatten. Seine eigenen Fähigkeiten seien gute Ideen und das Talent, Leute zu begeistern. Das Sammeln von Erfahrungen und ein Studium sollten dann dabei helfen, diese Fähigkeiten zu verbessern.
"Ich arbeite gern im Team", erklärte er weiter. Wichtig waren ihm auch Partner, die ihn unterstützen. Seine Überlegungen hatte er in eine Tabelle eingetragen, wie er zeigte.
Auf den Plätzen der Schüler lagen ebenfalls derartige Tabellen, jedoch unausgefüllt. So ließ er die Schüler einen solchen Plan mit eigenen Zielen und ihren Fähigkeiten für sich selbst ausfüllen. Schritt für Schritt ging er mit ihnen die Fragen nach Fähigkeiten, Verbesserungsmöglichkeiten und möglichen Unterstützern durch. Immer wieder fragte er Einzelne, was sie ausgefüllt hatten und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Vom Sportler über den Musiker bis hin zu Leuten, die ihre Zukunft in der Forschung sehen, war dabei vieles vertreten.
Wichtig sei auch, sich richtig zu verkaufen. Dafür brachte er das Beispiel eines vollen Supermarktregals, in dem ein Produkt gut auf sich aufmerksam machen muss, um dem Kunden ins Auge zu stechen. "Was steht auf eurer Verpackung?" fragte er.
"Ich finde, es hat schon was gebracht. Es ist anders als die normale Berufsberatung", kommentierte Christina Neumann im Anschluss. Für die 18-Jährige, die die zwölfte Klasse besucht, steht das Abitur an. Danach will sie International Business studieren und vielleicht nach Amerika auswandern. Auch wenn für sie ihre Ziele bereits vorher feststanden, fand sie es dennoch interessant, sich noch einmal auf eine neue Art Gedanken darüber zu machen.