Josef Hofbauer

Aus verkehrs- und umweltpolitischen Gründen hat sich der Landkreis Forchheim das Ziel gesetzt, mehr Bürger zum Umsteigen auf Bus oder Bahn zu bewegen. Wie das erreicht werden soll, ist im Nahverkehrsplan festgelegt. Das wichtigste Ziel: Bis 1. Januar 2022 wird eine völlige Barrierefreiheit im Öffentlichen Personenahverkehr angestrebt. Und: Da die Ortsteile Haid (Gemeinde Hallerndorf), Mittelrüsselbach (Igensdorf) und Dorfhaus (Weißenohe) mittlerweile mehr als 200 Einwohner haben, soll geprüft werden, wie sie an das Bus-Liniennetz an geschlossen werden können.
Ein Konzept, dem die CSU zustimmen werde, erklärte Kreisrat Edwin Dippacher. Er wollte aber wissen, wie der Landkreis auf den prognostizierten Anstieg der Fahrgastzahlen um 26 Prozent auf der Schiene vorbereitet sei. "Haben wir dafür genug Pendler-Parkplätze", konkretisierte Dippacher. Die durchschnittliche Auslastung der Autostellplätze an den Bahn-Haltepunkten betrage laut Fortschreibung des Nahverkehrsplan jetzt bereits 70 Prozent, in den Vormittagsstunden sogar 90 Prozent.
Ebenso wichtig sei die angesprochene Barrierefreiheit. Hier vermisste Dippacher einen Zeitplan. Dazu erklärte Abteilungsleiter Klaus Hummel, dass eine Prioritätenliste der Haltestellen erstellt werde, die entsprechend der zur Verfügung stehenden Mittel barrierefrei ausgebaut werden sollen. Überdachungen, elektronische Anzeigentafeln und Einstiegshilfen, nannte Hummel als Stichpunkte. Der Service müsse groß geschrieben werden. Zunächst seien aber die Gemeinden gefordert, denn die Haltestellen lägen auf deren Hoheitsgebiet.
Sebastian Körber (FDP) nannte die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes "uninspiriert". Die selbstbestimmte Mobilität älterer und behinderter Bürger müsse früher erreicht werden. 2020 höre sich da schon besser an, forderte Körber, der aber auch einräumte, dass es sich dabei um ein "sportliches Ziel" handle.
Werner Wolf (FW) sprach beim Nahverkehrsplan von einem "komplexen Gefüge". Der Gräfenberger verwies darauf, dass die zugrunde liegenden Zahlen bereits drei bis vier Jahre alt seien. "Aktuellere stehen uns leider nicht zur Verfügung", bedauerte Klaus Hummel. Die nächste Erhebung der Fahrgastzahlen durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) sei für 2017 geplant. "Dann haben wir wieder ganz aktuelle Werte", versicherte der ÖPNV-Experte des Landkreises.


Statistik als Basis

Diplomingenieur Jürgen Frercks vom VGN betonte, dass er bei seinen Berechnungen die Daten des Statistischen Landesamtes zugrunde gelegt habe. Demnach hätten sich keine größeren Änderungen ergeben.
Das bezweifelte Reinhold Otzelberger (SPD) vehement. "Mir erscheint der prognostizierte Anstieg des motorisierten Individualverkehrs von 2012 bis 2015 um drei Prozent zu gering. Die Zahlen seien seiner Einschätzung nach "völlig unrealistisch". Die drei Prozent seien längt erreicht.
Hier räumte Frercks ein, dass die allgemeine Straßenbelastung sehr wohl gestiegen sei. Seine Berechnungen gingen aber nur von der Anzahl der PKWs im Landkreis aus, wobei 2012 noch einem Schwund der Landkreisbevölkerung ausgegangen wurde.
Solche Durchschnittswerte seien nicht aussagekräftig, kritisierte Otzelberger. In Forchheim, wo verkehrstechnisch "die Musik spielt" müssten andere Zahlen herangezogen werden als in Obertrubach. "Welche Planungsgrundlagen haben wir denn da", fragte Otzelberger, der feststellte: "Irgendetwas stimmt da nicht". Er verlangte eine professionellere Planung. Es gelte, den Service für den Fahrgast am Bahnhof Pinzberg exakt zu definieren.
Auf Initiative der Grünen soll der Bus-Fahrplan im Landkreis Forchheim weiter in die Abendstunden hinein ausgedehnt werden. "Wir müssen uns den veränderten Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr anpassen und uns der Lebenswirklichkeit stellen", argumentierte Lisa Badum (Grüne). Dabei erhielt sie die Unterstützung von Sebastian Körber (FDP) und Torsten Gunselmann (FW). Die Verwaltung sicherte zu, dass die finanziellen Auswirkungen dieses Vorschlages geprüft und den Räten zur Entscheidung vorgelegt würden.