Wer über Weihnachten oder den Jahreswechsel Entspannung und Abwechslung sucht, der ist in der Zukunftskomödie von Kurt Pürgstein "Agenda 2030 - Oder: Morgen ist alles besser?!" des Burschenvereines Reichenbach bestens aufgehoben. Am Abend des vierten Advent legte die Laienspielgruppe um Elmar Hildner, der mittlerweile das 46. Jahr Regie führt, eine glänzende Premiere hin.
Für das Publikum verging die Zeit wie Fluge. Denn das Stück spielt im Reichenbach des Jahres 2045. Alle Menschen sind mit einem Mikrochip versehen. Dieser ist in den Bauchnabel implantiert und auf ihm sind alle persönliche Daten gespeichert und über ihn werden auch alle Geschäfte abgewickelt. Geld oder Pässe sind überflüssig geworden. Alle Daten sind online und jederzeit über den Chip verfügbar.
Als weitere Vision steht im Raum, dass es ab 2047 auch keine Zeitungen und Zeitschriften mehr geben soll. Alles wird über den ominösen Chip geregelt und alle Reichenbacher sind damit zufrieden. Halt!!?? - bis auf Gregor Gegner, der sich damit nicht anfreunden kann, weil der Chip im Bauchnabel immer juckt.


Gegner gegen das System

Doch schnell wurde am Sonntag den Zuschauern im ausverkauften Haus klar, dass Gegner (gespielt von Stefan Mertel) vor allem die ständige staatliche Überwachung satt hat. Er hat kein Vertrauen mehr in die Regierenden und fühlt sich als gläserner Bürger.
Vollkommen außer Atem stolpert Gegners Sohn Bernd (Moritz Lauterbach) herein. Er durfte nicht mit dem Bus fahren, weil der Kontrollautomat an der Einstiegstür seine auf dem Chip gespeicherte Fahrtberechtigung nicht anerkannte und musste von Kulmbach bis Reichenbach nebenher laufen. Daheim am Automaten ist aber bei einer Kontrolle alles in bester Ordnung und er flucht: "Schei...!"
Und dann kommt es, wie es kommen muss. Der Staatsüberwachung fällt auf, dass Gregor auf das Tauschgeschäft mit einem antiken Schwarzweiß-Fernseher die 35 Prozent Gebrauchtwaren-Verkaufssteuer nicht abgeführt hat.
Nun gilt er als Verbrecher und wird von den zwei Agenten der Geheimen Datenpolizei (GeDaPo) Werner Lauscher (Helmut Leipold) und Mobber (Christian Köstner) überprüft, muss sich verantworten und wird zu 80 Sozialstunden verdonnert.
Gerade aus dem Kino kommend, wo sie sich einen Krampf mit echten Schauspielern anschauen musste, erfährt Tochter Susi (Jenny Köstner) vom Verbrechen ihres Papas und ihr platzt der Kragen mit den Worten: "Wenn das rauskommt, dass mein Vater ein Krimineller und Al Capone nicht zufällig der Opa ist, kann ich meine Karriere vergessen." "Der Staat zockt uns nur ab", wird auch Mutter Verena Gegner (Manuela Lindner) laut, aber ist sich sicher, der Vater wird sich schon rausreden.


24 Stunden unter Beobachtung

Tag und Nacht unter ständige Beobachtung gestellt, flieht Gottlieb Gegner schließlich aus dem Haus und entkommt Lauscher und Mobber. Doch mit dem Mikrochip im Bauchnabel ist er elektronisch überall zu orten. Dass Ding muss also raus, was Gegner schließlich mit einem nicht mehr gebräuchlichen altmodischen Korkenzieher schafft. Was dann passiert, erfahren die Zuschauer live im Theater.