"Die Position der Geschädigten erinnerte an eine Hinrichtung", sagte Richterin Bianca Franke, "der Angeklagte wusste genau, was er tat, als er die wuchtigen Schläge in den Nacken des Opfers ausführte." Nach zwei Verhandlungstagen mit zahlreichen Zeugen kam die erste große Strafkammer als Schwurgericht zu ihrem Urteil: Der Mann, der bereits seit Juli dieses Jahres in der Kronacher Justizvollzugsanstalt einsitzt, erhielt zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe. Außerdem muss sich der Mann einer Langzeittherapie in einem Suchtkrankenhaus unterziehen.
Franke arbeitete sehr detailliert die Gründe der Verurteilung aus. Am 22. Juli dieses Jahres prügelte der 40-jährige Mann seine damalige Ehefrau in ihrer gemeinsamen Wohnung vor den Augen der beiden Kinder, nachdem er sie an den Haaren aus ihrem Versteck, einem Hochbett, hervorgezogen hatte. Dabei stieß er wüste Beleidigungen und Bedrohungen aus und zwang seine Frau vor sich auf die Knie.


Ehefrau hatte Todesangst

Die Schläge bezeichnete Staatsanwältin Jana Huber später in ihrem Plädoyer als "massive Handkantenschläge" gegen den hinteren Halsbereich, die Position nannte sie "Hinrichtungshaltung". Die Zeugin, die auch als Nebenklägerin auftrat, habe Todesangst gehabt. "Sie dachte, ihr letztes Stündlein habe geschlagen." Dank einer couragierten Nachbarin entkam die Frau - nur mit Unterwäsche bekleidet - aus der gemeinsamen Wohnung.
Bei der ermittlungsrichterlichen Vernehmung durch die Staatsanwältin äußerte die kleine Tochter mehrfach, dass der Angeklagte ihre Mutter geschlagen habe. Diese Aussage, die Beobachtungen des älteren Bruders, die Erzählungen der Nachbarin sowie das ärztliche Gutachten ließen laut Franke keinen Zweifel daran, wie sich die Tat abgespielt habe. Auch an den Aussagen der Geschädigten, die diese bei verschiedenen Befragungen konstant wiederholt habe, habe sie keine Zweifel, erläuterte die Richterin.
Ursprünglich stand der Mann wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Nötigung vor Gericht. Im Laufe der Verhandlung stellte sich allerdings heraus, dass der 40-Jährige alkoholkrank und ein Gewohnheitstrinker war und - so bescheinigte es ein Gutachter - unter einer Hirnschädigung litt. Am Tattag war der Mann so betrunken gewesen, dass er verschiedentlich gestürzt sei. Ein Gutachten bescheinigte ihm 2,39 Promille. Seine Steuerungsfähigkeit sei aufgehoben gewesen, hieß es. Der Angeklagte wurde schließlich verurteilt, weil er seinen Vollrausch vorsätzlich herbeigeführt hatte.
Der Mann war polizeilich kein Unbekannter: Seit 2002 musste er sich mehrfach wegen Diebstahls und Betrugs vor Gericht verantworten, zudem gab es eine Verurteilung wegen Urkundenfälschung und im Jahr 2013 eine Freiheitsstrafe wegen räuberischen Diebstahls, Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung. Auch in einem weiteren Verfahren, das allerdings eingestellt wurde, hatte er einen jungen Mann ins Gesicht geschlagen. Eine Suchttherapie brach der Mann ab.


"Potenziell lebensgefährlich"

Wegen der Hirnschädigung rückte Staatsanwältin Jana Huber von einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren, die für die Tat ursprünglich vorgesehen ist, ab: "Wir wissen nicht, wann die Hirnschädigung eingetreten ist", sagte sie, "das kann in der Kindheit oder erst kurz vor der Tat geschehen sein." In seiner Kindheit hatte der Mann Verletzungen am Kopf erlitten und war an einer Hirnhautentzündung erkrankt. Trotzdem sei die Tat des 40-Jährigen, den sie als "trinkgewohnten Alkoholiker" bezeichnete, "potenziell lebensgefährlich" gewesen.
Richterin Bianca Franke war überzeugt, dass sich die beiden Eheleute, die erst im April dieses Jahres geheiratet hatten, nicht gutgetan hatten. "Die Beziehung war von Beleidigungen und körperlichen Übergriffen geprägt", stellte sie fest. "Es ist anzunehmen, dass er (der Angeklagte) erneut straffällig wird, wenn er wieder Alkohol zu sich nimmt." Deshalb riet sie dem Mann, der sich reuig zeigte und für die Tat entschuldigte, "die Langzeittherapie anzugehen und auch zu beenden".