VON Mariell Dörrschmidt
und Matthias Tiroch

Kreis Lichtenfels — Eine gebrochene Rippe, mehrere körperliche Misshandlungen und verbale Drohungen führten einen 32-Jährigen aus dem Landkreis Lichtenfels nun endgültig hinter Gitter. Dieser musste sich gestern vor dem Amtsgericht in Kronach wegen schwerer Körperverletzung an seiner Ex-Lebensgefährtin verantworten.

30 Monate Gefängnis

Seit Oktober sitzt der Beschuldigte, der schon bereits schon mehrmals strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, in Untersuchungshaft. Nach dem Geständnis des Angeklagten und einer Befragung der 26-jährigen Betroffenen zu den genauen Tatumständen, entschied das Gericht auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.
Zu Beginn der Gerichtsverhandlung bestätigte der Angeklagte zusammen mit seiner Rechtsanwältin, Kerstin Rieger, die ihm zur Last gelegten Handlungen. Kerstin Rieger, die für ihren Mandanten sprach, erläuterte dessen Geständnis: "Er wollte nicht, dass es so eskaliert und es tut ihm leid. Auch wenn er gerade zahlungsunfähig ist, erkennt er das Schmerzensgeld an."

Schlaflose Nächte

Während aufgrund des Geständnisses auf eine weitere Befragung der Zeugen verzichtet werden konnte, wurde nur die betroffene Ex-Lebensgefährtin zum Tathergang befragt. Denn der jungen Mutter bereiten die Vorfälle der massiven Gewalt heute noch schlaflose Nächte. "Er warf eine große Wasserflasche nach mir. Als er merkte, dass mich diese nicht getroffen hatte, schlug er mich zu Boden und trat weiter auf mich ein", versuchte sich die Frau an den schlimmsten Vorfall, bei dem sie eine Fraktur der Rippen erlitt, zu erinnern. "Ich bekam Atemnot und wurde für kurze Zeit ohnmächtig", schilderte das Gewaltopfer die Situation.
Und das war nicht der einzige Vorfall. Ein anderes Mal habe sie verweigert, ihm ihr Mobiltelefon zu geben, woraufhin er sie an den Füßen vom Sofa runtergezogen habe. Vom Aufprall auf den Boden erlitt die ehemalige Lebensgefährtin Verletzungen an Kopf und Hinterteil. Auch einige weitere Vorfälle, bei denen es zu körperlicher Gewalt kam, reihen sich in die Taten des vorbestraften Angeklagten ein. Fest steht, dass das Opfer noch heute psychisch mit den Geschehnissen zu kämpfen und große Angst vor ihrem Ex-Freund hat. "Er hat mir gedroht, mich und meinen Sohn zu töten", fügte die verängstigte Mutter hinzu und zitierte, dass dieser ihr ein Messer in den Kopf zu rammen drohte.

Lachen vom Angeklagten

Auffällig bei ihrer Aussage war, dass der Angeklagte die Vorwürfe mit Lachen kommentierte und somit den Anschein erweckte, dass er sich keiner Schuld bewusst sei. Dies bemerkte auch die Nebenklägervertreterin Kristina Freifrau von Imhoff, die ihre weinende Zeugin in Schutz nahm. Sie forderte den Angeklagten auf, sich zu benehmen, und kritisierte die Empathielosigkeit des jungen Mannes. Gewalt sei eine Form der Kommunikation des Beschuldigten: "So kommen Sie nicht weiter. Man schlägt keine Frauen", sagte die Nebenklägerin.
"So lang die Liste der Paragraphen ist, desto länger sind die Vorwürfe", stellt Staatsanwältin Bianca Franke fest, die ebenso Reue und Schuldeinsicht vermisste. Trotz Körperverletzung, Nötigung und unerlaubten Eingriffs in den Straßenverkehr wurde dem Angeklagten dennoch gutgeschrieben, ein Geständnis abgelegt zu haben. Was aber aufgrund seiner einschlägigen Vorstrafen keine Milderung hinsichtlich der Freiheitsstrafe nach sich zog: " Er ist bereits Bewährungsversager und seine Hemmschwelle hinsichtlich massiver Gewalt ist sehr gering." Auch wenn nicht nachgewiesen werden konnte, ob eine Provokation stattgefunden hat, sei dessen Verhalten nicht zu entschuldigen: "Sowohl psychische als auch physische Folgen werden die Auszubildende noch in Zukunft begleiten." Bianca Franke hielt deshalb eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten für Tat und Schuld angebracht.
Die Rechtsanwältin verteidigte zwar ihren Mandanten, schloss sich aber letztlich den Strafantrag der Staatsanwältin an: "Trotz der vielen Auseinandersetzungen soll es auch harmonische Momente, zumindest anfänglich, gegeben haben. Bis auf den Rippenbruch sind ja glücklicherweise alle anderen Verletzungen verheilt." Doch das psychische Ausmaß der Folgen ist größer als gedacht: "Ich werde deswegen nach meiner Ausbildung nicht übernommen werden", erklärte die 26-jährige Mutter, die von ihrem Arbeitgeber aufgrund der Vorfälle für psychisch labil gehalten wird und auch tatsächlich von den Verletzungen sehr mitgenommen wirkt.
"Eine Freiheitsstrafe ist unerlässlich", verkündete Richterin Claudia Weilmünster am Ende der Verhandlung. "Auch wenn er die Taten eingeräumt hat, handelt es sich hier um brutale Gewalt. Zudem fehlt eindeutig die Einsicht und Reue des Angeklagten", urteilte die Richterin und setzte deshalb eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten fest.