von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Burgkunstadt — Er hat den Blues im Blut - und das seit über 40 Jahren. Wolfgang Kalb aus Hirschaid, ein Bluesurgestein Frankens, zählt nicht zu den Modernisierern dieser Musikrichtung, die ihr neues Leben einhauchen - ganz im Gegenteil. Der Oberfranke ist ein Traditionalist, ein Bewahrer, der den Wurzeln dieser Musikrichtung nachspürt, der Songs ausgräbt, die bereits 80 oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Am Samstag, 21. März, präsentiert er ab 20 Uhr Bluesperlen beim Burgkunstadter Kleinkunstverein Tecnet Obermain im Tecnet Zentrum in Burkersdorf. Der Eintritt zum Konzert ist frei.
In den 70er- und 80er-Jahren war der heute 57-Jährige ein ge rngesehener Gast auf heimischen Bühnen. Dann legte er für längere Zeit eine Pause ein, bis ihn der Bluesvirus erneut in die Kleinkunstkneipen der Region zog.
Kalb ist ein Alleinunterhalter im wahrsten Sinne des Worts: Er braucht keine Begleitband, um sein Publikum zu fesseln. Behände beherrscht Kalb die Spieltechnik des Fingerpicking. Kalb erweist sich bei seinen Auftritten als versierter Spieler auf der Dobro-Gitarre aus Stahl, die einst von tschechischen Einwanderern entwickelt wurde, damit die Bluesgitarristen am Straßenrand gegen den Verkehrslärm ankämpfen konnten.
Damit lässt er den Blues aufheulen, kreischen und lärmen. Ab und an streift er sich bei seinen Konzerten ein Röhrchen - in der Fachsprache "Bottleneck" genannt - über seine Finger, flitzt damit über den Hals seiner Gitarre, und der Blues weint in den hellsten Tönen.
Ob akustisch oder stählern - vor dem geistigen Auge der Zuhörer werden bei seinen Konzerten Geschichten lebendig, wie sie das Leben einst schrieb, und die von legendären Künstlern wie Robert Johnson, Mississippi John Hurt oder Muddy Waters vor fast 100 Jahren niedergeschrieben wurden. Es ist nicht die heile Welt, die von Kalb besungen wird. Ganz im Gegenteil: Hinterhof- und Gossenlyrik, Mörderballaden, Drogenstorys und Eifersuchtsdramen bilden sein Konzertprogramm. Inbrünstig und mit dunklem Timbre besingt der Franke die Schattenseiten des Lebens.
Kalb weiß bei seinen Konzerten viel zu erzählen über den guten alten Blues, denn er ist ein viel belesener Blueskenner, der 2006 in New York die beiden Bluesveteranen Honeyboy Edwards und Robert Lockwood Jr. besucht hatte.