Nach Paris, Brüssel, Istanbul und Nizza ist der islamistisch motivierte Terror in Deutschland angekommen. Die Gewalttaten von Würzburg und Ansbach sowie die Festnahmen potenzieller islamistischer Gewalttäter in den letzten Tagen zeigen, wie nahe uns die tödliche Strategie der Islamisten gekommen ist.
Mit "Terror in Deutschland - Die tödliche Strategie der Islamisten" stellt Elmar Theveßen, der bekannte Journalist und stellvertretende Chefredakteur des ZDF, eine wichtige und informative Analyse der globalen Bedrohung durch Terroristen seit den New Yorker Anschlägen vom 11. September vor. Er berichtet über geheim gehaltene Fakten, informiert über Ursachen und Hintergründe und macht deutlich, wo Politik und Sicherheitsorgane versagt haben.
Die neuesten Erkenntnisse über die Bedrohungslage in Deutschland stellt Elmar Theveßen bei seinem Autorenvortrag am Freitag, 18. November, um 20 Uhr im Haus Contakt in Coburg vor.
Elmar Theveßen, Jahrgang 1967, studierte Politische Wissenschaft, Geschichte und Germanistik in Bonn. Nach verschiedenen journalistischen Stationen, unter anderem als ZDF-Korrespondent für Nordamerika im Studio Washington und bei "Frontal21", ist er heute Stellvertretender Chefredakteur, Leiter der Hauptredaktion Aktuelles und Terrorismusexperte des ZDF. Er hat bereits zahlreiche Bücher publiziert.
In seinem Buch schreibt Theveßen, dass aus Deutschland 900 radikalisierte Muslime nach Syrien und in den Irak gegangen sind. Elmar Theveßen erklärt dies so: "Der IS hat eine magische Anziehungskraft für Menschen aus Randgruppen der deutschen Gesellschaft, junge Leute, die sich als Verlierer fühlen. Viele von ihnen stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen und sind Teil des kriminellen Milieus. Ihnen verspricht der IS Halt, Orientierung, Anerkennung und Teilnahme am Kampf für eine vermeintlich gerechte Sache. Dass in Wirklichkeit menschenverachtende Brutalität gegen Unschuldige - vor allem auch Muslime - dahintersteckt, erfahren die Anhänger der Ideologie erst vor Ort."
Die Täter scheinen den Sicherheitsbehörden und Fahndern immer einen Schritt voraus zu sein. Theveßen wird darüber sprechen, wie groß die Bedrohung durch islamistischen Terror in Deutschland tatsächlich ist. Er denkt, dass jederzeit mit Attacken wie in Ansbach und Würzburg gerechnet werden müsse, dass die Gesellschaft auch lernen müsse, damit zu leben.
Gerade die Angriffe durch Einzeltäter - auch wenn sie durch den IS inspiriert und instruiert seien - ließen sich nur sehr schwer verhindern. Die Behörden versuchten, alle Anschläge zu verhindern, aber ihre Chance sei größer, wenn es sich um Pläne wie in Paris und Brüssel handele. "Trotz allem", so Theveßen, "das Risiko, in Deutschland Opfer eines Terroranschlags zu werden, ist immer noch weit niedriger, als einen tödlichen Unfall zu haben."
Im Kampf gegen den Islamismus gibt der Autor der Gleichgültigkeit der Bevölkerung eine Mitschuld und mahnt die gesamtgesellschaftliche Verantwortung an. Theveßen ist der Ansicht, dass es in erster Linie um Prävention geht.
In den vergangenen 15 Jahren habe die Konzentration im Kampf gegen den Terror bei polizeilichen, geheimdienstlichen und militärischen Maßnahmen gelegen. "Aber das reicht bei weitem nicht", sagt Theveßen und betont: "Es braucht vor allem eine aufmerksame Gesellschaft - Muslime und Nicht-Muslime, die verdächtige Aktivitäten schnell an die Behörden melden. Außerdem müssen wir den fruchtbaren Boden für Extremismus verkleinern, indem wir anfälligen, jungen Personen mehr soziale und wirtschaftliche Perspektiven eröffnen, diese aber an strikte Bedingungen knüpfen."
Er nennt als positives Beispiel die Stadt Meckenheim. Sie biete jedem, der die Schule abschließt, einen garantierten Ausbildungsplatz. Das gehe nur, weil Behörden, Schulen, Eltern, Wirtschaftsverbände dazu beitragen. In anderen Ländern wie zum Beispiel Dänemark und Großbritannien funktioniere das offenbar, mahnt Theveßen. red