von unserem Mitarbeiter rainer glissnik

Kronach — Nie zuvor gab es so viele Wildunfälle - so lauten einige Schlagzeilen der letzten Jahre. Das Projektteam "Wild und Straße" testet neue Möglichkeiten, um die Zahl der Wildunfälle zu verringern.
Im Landkreis Kronach arbeitet seit 1990 ein Team mit vielen Mitstreitern, um die Zahl der Wildunfälle zu verringern. Mit dem passionierten Jäger und Naturschützer Klaus Riedel steht an der Spitze ein immer nach neuen Möglichkeiten suchender Projektleiter. Er sieht allzu oft das Leid der Tiere, nimmt die hohen Sachschäden zur Kenntnis und nimmt sich vor allem die Verletzungen von Menschen zu Herzen.

Immer wieder Neues ausprobieren

Lange war der "Duftzaun" ein großer Erfolg. Aber der Verkehr nahm zu, die Unfallzahlen stiegen. Wildäcker, der Reflektor "Awiwa" an Straßenbegrenzungspfählen und zuletzt der "Wildschreck" wurden mit guten Ergebnissen eingesetzt. Trotz viel Skepsis wurde der gerade in Bayern propagierte "blaue Reflektor" an einigen Stellen wie zwischen dem Mitwitzer Kreisel und Leutendorf installiert. Die Ergebnisse mit diesem Reflektor bestätigten die Skepsis. Die Wildunfälle nahmen hier sogar noch zu.
Immer wieder sind die Kronacher "Wild und Straße"-Mitglieder interessiert, neue Möglichkeiten auszuprobieren. Vorteil ist dabei, dass Klaus Riedel weit herumkommt und auch die anderen Teammitglieder aktiv dabei sind.
Im Bauhof bei Birkach wurden jetzt neue Wildwarnreflektoren getestet. Vielversprechend ist ein Gerät, das Detlef Roggan, ein Brandenburger Jäger, entwickelte. Weil er wieder häufiger durchschlafen und den Abschussplan nicht den Autofahrern überlassen wollte, entwickelte er eine funktionierende "Wildtierampel".

Blau = Gefahr

Aus seinem jagdlichen Wissen heraus suchte er nach einem Weg, Wildtiere von befahrenen Straßen fernzuhalten. Die Farbe Blau signalisiert dem Wild Gefahr, betont der Revierpächter aus dem brandenburgischen Dahme-Spree-Kreis. Doch wie er wisse, nehme das Wild ein breiteres Lichtspektrum wahr und könne Blau- bis Grüntöne wesentlich besser differenzieren als das menschliche Auge. Zudem wisse er um das Bewegungssehen des Wildes und den Gewöhnungseffekt, der sich bei Wildtieren alsbald einstelle.
Mit diesem Wissen in Hinterkopf entwickelte er seinen Multi-Wildschutz-Warner, der verschiedene Funktionen und Reflektoren in einem Bauteil vereint. Der Wirkungsradius beträgt 180 Grad und kann optional auf 360 Grad erhöht werden. Der obere Teil ist in einer Halbkreisform ausgebildet. Dieser Teil ist mit einer blauen Folie ummantelt, die eine umlaufende Reflektion gewährleistet. Das Material besteht aus Prismenflächen, die in verschiedene Richtungen ausgerichtet sind. Deren Reflektionen erreichen Wildtiere in jeder Position.

156 Lichtblitze pro Reflektor

Der eigentliche Clou an Roggans Erfindung sind die im unteren Bereich angebrachten wabenförmigen und verschiedenfarbigen Reflektoren. Die Reflektoren erzeugen Lichtblitze, die die Aufmerksamkeit der Wildtiere erregen. Das sich ständig verändernde Lichtbild nehmen die Wildtiere als Bewegung wahr. Die bis zu 156 verschiedenen Lichtblitze je Einzelreflektor wirken wie eine Ampel - eine Wildtierampel.
Im oberen Bereich der Wildtierampel ist zusätzlich ein leicht zugänglicher Schwamm zur Aufnahme eines Wildvergrämungsmittels eingelassen, wie dieser beim "Duftzaun" oder beim "Wildschreck" erfolgreich ist.