von unserem Mitarbeiter Harald Rieger

Bamberg — Welchen Einfluss hat das oberfränkische Bildungsangebot auf spätere Entscheidungen der Menschen in der Region? Oder welchen Einfluss haben das Angebot und die Erreichbarkeit von weiterführenden Schulen auf die Wahl der Schulart nach der vierten Klasse? Diese und andere Fragen soll das jüngste Forschungsprojekt des Bamberger Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) beantworten.

Interessierte Kommunalpolitik

Wie genau das neue Projekt "Bildungslandschaft Oberfrankens" (Bilo) ausschaut, welche Daten und Zahlen dazu erfasst werden und vor allem welchen Nutzen die Region Bamberg davon hat, darüber informierten Vertreter des Leibniz-Instituts am Landratsamt. Der Einladung des Bamberger Landrats Johann Kalb (CSU) folgten auch zahlreiche oberfränkische Landräte und Oberbürgermeister.
"Normalerweise ist die Kernaufgabe unseres Instituts die Durchführung des nationalen Bildungspanels", erläuterte Direktor Hans-Günther Roßbach. Dabei stelle man deutschlandweit Daten zur Analyse von Kompetenzentwicklung und Bildungsverläufen zur Verfügung. Nun hingegen wolle man einen stärkeren Bezug zur Region Oberfranken herstellen und widme sich daher den Bildungsverläufen im Bezirk.
In dem neuen Projekt Bilo geht es um die Frage nach dem Einfluss des Bildungsangebots auf Entscheidungen im Leben, so die operative Leiterin Michaela Sixt. Untersucht werden soll unter anderem, welchen Einfluss das Angebot und die Erreichbarkeit von weiterführenden Schulen auf die Wahl der Schulart nach der vierten Klasse oder die spätere Ausbildungswahl hat. Es geht also auch um die Frage, ob es am Ende der Schule mit einer Ausbildung oder einem Studium weitergeht. "Wir wollen aber auch erfassen, welche Bildungsentscheidungen die Oberfranken bisher getroffen haben und welche anstehen", berichtete Sixt. Dazu würden Informationen aus öffentlichen Statistiken und Angaben aus zwei eigens durchgeführten Bilo-Studien zusammengeführt: einer Onlinebefragung der Bildungsanbieter und einer Telefonbefragung der oberfränkischen Bevölkerung. Die Telefonbefragung soll im Herbst starten. Dabei sollen rund 8000 Teilnehmer aus Oberfranken rund 45 Minuten lang interviewt werden.
Die betrachteten Bildungsbereiche selbst umfassen neben der frühkindlichen, der schulischen und der beruflichen Bildung auch das lebenslange Lernen im Erwachsenenalter. "Zusätzlich liegt der Fokus auf der kulturellen Bildung als eine alle Phasen übergreifende Thematik", so die Projektleiterin.

Von elementarer Bedeutung

Damit die gesammelten Daten nicht nur der Wissenschaft dienen, sondern auch von anderen Akteuren in der Region genutzt werden können, werden sie im "Atlas Bildungs-Landschaft Oberfranken" allen zur Verfügung gestellt.
"Mit Blick auf die demographische Entwicklung im ländlichen Raum sind derartige Untersuchungen von elementarer Bedeutung", unterstrich Landrat Kalb abschließend.