Burkersdorf — Von Brit-Pop bis Hip Hop, von Grunge bis Zydeco - die Musikindustrie und der Journalismus kennen jede Menge stilistischer Schubladen. In welche von ihnen soll man das Coburger Quintett "Big Fish" stecken? Dieser Frage würde Sänger und Gitarrist Harald Hertling am liebsten ausweichen, hält er es doch wie der amerikanische Schauspieler Steve Martin, aus dessen Munde das geflügelte Wort stammt: "Über Musik zu sprechen, ist wie über Architektur zu tanzen." Bei Hertling hört es sich wie folgt an: "Ich lasse lieber die Musik sprechen, als dass ich große Worte darüber verliere." Am Samstag, 28. März, hat er im "Tecnet Zentrum" in Burkersdorf ab 20 Uhr die Gelegenheit dazu. Der Kleinkunstverein "Tecnet Obermain" hat ihn und seine Bandkollegen zum Konzert in die Kleinkunstbühne eingeladen, das man bei freiem Eintritt genießen kann.

Kreativ ausleben

Für all jene, die nicht ohne Schubladen auskommen, hat Hertling doch noch eine parat: "Vielleicht sollte man unsere Musik, die Elemente aus Blues, Country und Folk beinhaltet, songorientierten Rock nennen."
Dieser stammt zu zwei Dritteln aus eigener Feder. Harald Hertling (Gitarre und Gesang), Günter Prokoph (Tenor- und Sopransaxofon, Mundharmonika, Gitarre, Gesang, Congas und Querflöte), Caro Geuther (Gesang und Percussion) und Gerd Kleilein (Kontrabass und E-Bass) wollen sich kreativ ausleben. Nur nachzuspielen - das ist nicht ihr Ding.
Mit Günter Prokoph verfügt das Ensemble zudem über einen Multiinstrumentalisten, der die Kapelle in musikalischer Vielschichtigkeit erklingen lässt. "Wir beide komponieren Stücke für die Gruppe. Wir kommen mit klaren Vorstellungen in den Proberaum, wo wir versuchen, diese mit unseren anderen Bandkollegen umzusetzen. Das ist ein höchst spannender Prozess", erläutert Hertling.
Zu einem guten Song gehört für den 60-Jährigen auch ein guter Text. Während andere achtlos über die Worte der Sänger oder Sängerinnen hinweghören, widmet er sich den lyrischen Ergüssen der Künstler. "Ich lese einfach gerne Geschichten", sagt er.
Diese müssten überhaupt nicht bedeutungsschwanger sein. Man könne auch mit einfachen Worten originelle Texte schreiben.
Auch für seine Band "Big Fish" denkt er sich kleine Geschichten aus. Beispiele gefällig? "Ruby" ist eine interessante Charakterstudie über eine ins Alter gekommene Tänzerin, "Sugar To Sugar" ein schrulliges Liebeslied über eine Prostituierte, "No Trial, No Judge, No Jury" eine witzige Verfolgungsgeschichte aus dem Wilden Westen mit offenem Schluss und "Dirty Roads Or Bright Avenues" eine Bluesnummer mit einem Hauch Sozialkritik.
Während andere sich im World Wide Web auf musikalische Entdeckungssuche begehen, gehört Hertling noch zu der Spezies von Musikliebhabern, die einen Plattenladen aufsuchen. "Ich lasse mir einen Stapel Platten geben und werde so auf unbekanntere Künstler aufmerksam." Diese schaffen es dann als Coverversion ins Programm.

Raritäten

Zu ihnen zählt auch der amerikanische Country-Musiker Fred Eaglesmith, an dem der 60-Jährige "die ideenreichen Arrangements" schätzt. Bei der Gruppe werden nicht, was die Songs aus fremder Feder anbetrifft, altbekannte Oldies zum hundertsten Mal aufgewärmt, sondern edle Raritäten, wie Bob Dylans "You Gotta Serve Somebody", in einem wohlschmeckenden Musikgewand aufgetischt.
Bereits vor zwei Jahren gaben die fünf Musiker im "TECnet Zentrum" ein viel umjubeltes Konzert. Noch heute schwärmt er von der familiären Atmosphäre des Musikclubs. Darauf angesprochen, was die Fans beim Konzert erwarte, kehrt Hertling seinen bescheidenen Charakter nach außen.
Während andere Musiker jetzt gehörig die Werbetrommel rühren würden, fällt seine Antwort eher schlicht aus: "Es wird ein netter Abend mit handgemachter Musik." sts