von unserer Mitarbeiterin 
Katharina Feulner

Kulmbach — Warum musste ein 22-jähriger Kulmbach letztes Jahr beim Bierfest von der Polizei in Gewahrsam genommen werden? Gab es eine tätliche oder nur eine verbale Auseinandersetzung mit anderen Bierfestbesuchern?
Widersprüchliche Aussagen führten dazu, dass die Verhandlung gegen den 22-Jährigen am Kulmbacher Amtsgericht unterbrochen wurde, um weitere Zeugen zu laden. Dem Angeklagten wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.
Nach eigenen Angaben hatte der Angeklagte bei den Toilettenhäuschen an der Stadthalle gesehen, wie eine Bekannte von ihrem Exfreund geohrfeigt worden war. Er habe den Mann von der jungen Frau weggedrückt und ihn aufgefordert, sich zu entschuldigen. Danach habe er seine Bekannte gebeten, mit ihm wegzugehen, um sie aus der Gefahrenzone zu bringen. Im Festgetümmel habe er sie dann aber aus den Augen verloren.
Kurz darauf sei er von drei Polizisten umstellt gewesen. Obwohl er versucht habe, die Situation zu klären und mit ihnen zum Ort der Auseinandersetzung gehen wollte, "damit nichts weiter passiert", hätten die Beamten ihn festgehalten. Er habe sich zunächst gewehrt, sich dann aber abführen lassen.

Platzverweis reichte nicht

Die Beamten stellten den Sachverhalt allerdings ganz anders dar. Ein Polizist schilderte, man sei auf eine Auseinandersetzung an den Sanitäranlagen aufmerksam gemacht worden. Drei junge Männer hätten angegeben, es habe sich nur um eine verbale Auseinandersetzung gehandelt. Kollegen, die zeitgleich mit dem Angeklagten, sprachen, berichteten, dieser habe sich plötzlich darüber aufgeregt, dass mit seinen Kontrahenten gesprochen wurde. Als die Polizisten ihn wegschickten, weigerte er sich, und so wurde ein Platzverweis gegen ihn ausgesprochen.
Als der Kulmbacher abgeführt werden sollte, riss er die Arme hoch, um sich zu befreien. Einer der Polizisten stolperte daraufhin in eine Trennwand an den Toiletten. Erst als der aufmüpfige Bierfestbesucher gefesselt war, ließ er sich schließlich von den Polizisten wegführen.
Eine Zeugin gab an, der Angeklagte habe ihr gegenüber erklärt, es sei "nichts passiert", und er würde die Sache selbst regeln. Ein anderes Mal sagte er, eine Freundin sei geschlagen worden; bei einer dritten Befragung gab er an, er sei zu betrunken und könne sich nicht erinnern.
Das Gericht wurde aus den widersprüchlichen Aussagen nicht schlau. Richterin Sieglinde Tettmann legte deshalb fest, dass weitere Zeugen zu einem neuen Termin geladen werden, um den Sachverhalt zu klären.