von unserem Mitarbeiter 
Karl-Heinz Hofmann

Tettau — Großes Lob gab es für die paar Dutzend Idealisten, die am Samstag mit durchdachter Logistik für Sicherheit und Ordnung, aber auch organisatorisch für einen reibungslosen Ablauf an der Schildwiese sorgten. Dort war es nämlich schon zur Morgendämmerung mit der sprichwörtlich beschaulichen Romantik und Ruhe am Rennsteig vorbei. An der Schildwiese bei Kleintettau befand sich nämlich eine Wechselstation des Rennsteig-Staffellaufes, der größte seiner Art in Deutschland.
Gemeldet waren insgesamt 235 Mannschaften mit 2350 Läufern, die sich zum 17. Mal auf den vom GutsMuths- Rennsteigverein ausgerichteten Staffellauf machten. Seit einigen Jahren ist auch die fränkische Rennsteig region in dieses Großereignis mit eingebunden. Und so hatten sich um den Tettauer Falk Wick schon ab 6 Uhr die Helfer an der Wechselstation versammelt. Beamte der Polizeiinspektionen regelten gemeinsam mit den Feuerwehren aus Kehlbach, Windheim, Lauenhain, Tettau und Steinbach am Wald den Verkehr, da die Läufer mehrmals Straßen überqueren mussten.

Start um 5 Uhr

Die Frauen- und Mixstaffeln wurden um 5 Uhr in Blankenstein auf die Strecke geschickt. Die Männerstaffeln starteten um 6 Uhr. Für die Helfer in Tettau war deshalb noch Zeit, um die Wechselstation abzusperren und die Transponder für die Zeitnahme zu installieren. Bereits um 6.43 Uhr wurde gemeldet, dass der erste Läufer bayerischen Boden betreten hat. Und um 7.20 Uhr traf der erste Läufer an der Wechselstation ein: André Fischer von der Mix-Staffel vom Haglöfs-Laufteam Erfurt übergab den Staffelstab in Form eines Chips an Susanne Koburger, die schon beim Warmlaufen sehr nervös war. "Wir sind in Führung", sagte sie ganz aufgeregt, hüpfte hin und her und bat um Verständnis, nichts weiter sagen zu wollen. Ganz anders der noch ganz außer Atem seufzende André Fischer. "Die Strecke ist in Ordnung, aber die langen Kilometer durch den Wald von Steinbach zur Schildwiese waren schon elendig. Immer wieder auf und ab und nur durch den Wald - das schlaucht ganz schön", seufzte Fischer. Am Ende durfte er sich in der Mixed-Wertung mit einer Gesamtzeit von 11:36,46 Stunden zu den Sieger zählen.
Danach war es endgültig mit der Ruhe und vermeintlichen Gemütlichkeit an der Wechselstation vorbei. Fast im Minutentakt trafen Läufer ein. Zahlreiche Medienvertreter, unter anderem ein Fernsehteam vom MDR, hatten sich in der Zwischenzeit ebenfalls eingefunden. Ab diesem Zeitpunkt gibt es kaum mehr ein Durchkommen - auch auf den Zufahrtsstraßen. Gegen 9.30 Uhr kommt richtig Spannung auf. Falk Wick ruft die Startnummer 43 aus. Dahinter verbergen sich die großen Favoriten der Männer, die "Günters Männer". Die Staffel ist gespickt mit Thüringer Wintersportassen. Und schon schickt Philipp Marschall den 20-jährigen Marius Cebulla auf die Strecke. "Wissen Sie ihre Platzierung?", wollen wir von Marschall wissen. "Ja, wir liegen auf Platz 2. Ich glaube drei Minuten und 45 Sekunden zurück." Doch es sind da noch Spitzenläufer in der Aufstellung, zum Beispiel Schlussläufer Marcel Bräutigam als Deutscher Vizemeister im Marathon. Und so holte sich diese Männerstaffel auch den Gesamtsieg mit einer Zeit von 10:28,35 Stunden.

Größter Staffellauf

Deutschlands größter Staffellauf auf dem berühmtesten Weitwanderweg Europas, dem Rennsteig, ist eine hochkarätige Herausforderung für alle Teilnehmer, wobei eben der olympische Gedanke einen hohen Stellenwert hat. Hier zählt nicht nur die läuferische Leistung, sondern auch Teamgeist.
Denn auf dem Höhenweg des Thüringer Waldes starten Teams mit jeweils zehn Läufern auf festgelegten Etappen und Wechselstellen über insgesamt 170 Kilometer von Blankenstein nach Hörschel. Und so verwundert es nicht, dass der eine oder andere Wechsel auch mit Küsschen oder einem Schulterklopfen erfolgt.
Der kameradschaftliche und freundschaftliche Umgang unter den Wettbewerbern ist nicht zu verbergen und lässt auch den Zuschauer merken, hier ist Sport purer Spaß und Freude, auch wenn am Etappeneinlauf natürlich gekeucht und geschnauft wird und sich mancher bis zur Erschöpfung verausgabt hat.
Der ehrenamtlich für Sicherheit und Ordnung zuständige Henrik Oschmann aus Erfurt und Polizeihauptkommissar Albert Büttner von der Polizei in Ludwigsstadt dankten abschließend mit Blick auf die fast unüberschaubare Autoschlange den Sicherheitskräften für ihre sehr gute Leistung.
Die Staffeln zogen währenddessen weiter und erreichten am Abend das Ziel in Hörschel. An der Wechselstation bei Kleintettau durften sich Falk Wick, Margitta Eichhorn-Wick, Dagmar Kiesling, Heiko Löffler und Felix Kiesling über eine gute Organisation freuen.