Ebersdorf bei Coburg — Zimmerpflanzen sind out? Von wegen! Zumindest nicht bei Familie Stenzel in Ebersdorf. Etwa 120 genau inventarisierte Pflanzen werden von den Stenzels in allen Etagen des geräumigen Hauses am Waldrand mit viel Passion und Herzblut kultiviert. Das beeindruckt selbst einen Fachmann wie Thomas Neder, den Geschäftsführer des Coburger Kreisverbandes für Gartenbau.
Je nach Jahreszeit zieht so mancher Zögling auch mal um. So wird die Amaryllis im Herbst für einige Monate in den Keller ausquartiert um ihr dort eine Ruhepause zu verordnen, damit sie neue Blüten ansetzt. Auch die stolzen Weihnachtskakteen im Treppenaufgang blühen in der Regel nicht nur einmal, sondern danken die gute Pflege mit einer zweiten Blüte.

Ist es das diffuse Licht

Der "leuchtende Star" unter allen Pflanzen ist momentan aber die in voller Blütenpracht stehende Clivie. 22 Jahre einfühlsamer Pflege und ein guter Standort im diffusen Licht des temperierten Wintergartens haben das junge und kleine Riemenblatt zu einem echten Giganten heranwachsen lassen. "Etwa 150 Zentimeter hoch und 170 Zentimeter breit machen einfach sprachlos", sagt Thomas Neder, der Geschäftsführer des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege. Er vermutet, dass bei den Stenzels nicht nur die größte Clivie im Landkreis, sondern vielleicht sogar in ganz Bayern steht?
Das Pflegerezept von Familie Stenzel ist jedenfalls relativ einfach. Gegossen wird je nach Witterung mehr oder minder aus dem Bauch heraus - nicht zu viel und nicht zu wenig. Sicherlich hilft auch der "grüne Daumen" der beiden Pflanzenfreunde dabei, die richtigen Gieß- Entscheidungen zu treffen. Gedüngt wird mit einem konventionellen Blumendünger alle zwei Wochen im Frühling und im Sommer. Im Winter ist dann Diät angesagt.
Der Standort ist dank der im Wintergarten verwendeten Stegdoppelplatten hell, aber eher diffus ohne direkte harte Sonnenstrahlung. Obwohl im üppigen Topf stehend und zumindest theoretisch mobil, belässt die Familie Stenzel den "Methusalem" am gewohnten Standort. Zu groß und zu schwer ist er zudem für eine weitere Umtopfaktion. "Diese könnte auch die über viele Jahre herangewachsene Schönheit zerstören und gefährden", gibt Thomas Neder der Familie Stenzel recht. Im Winter wird eine Minimumtemperatur von zehn Grad eingehalten, im Sommer steht die Blume meist mollig warm. Ein Ventilator und gute Lüftungsmöglichkeiten sorgen aber für frische Luft. Sonnenkollektoren über dem Sitzplatz liefern Schatten gratis.

Eine Lichtkur im Grünen

Im Winter wärmt sich der nach Süden exponierte Glasgarten schnell auf, dass Familie Stenzel sich liebend gerne dort aufhält. Eine Erholung und "Lichtkur" par excellence ist dies in der tristen Jahreszeit. "Der Pflanzengeruch und die dank der grünen Pfleglinge sauerstoffreiche und angefeuchtete Luft - einfach wunderbar! Lieber das Auto eine Nummer kleiner und das gesparte Geld für solch eine grüne Oase ausgeben", so das Credo von Familie Stenzel. tn