Auf dem richtigen Weg sehen sich die Sudetendeutschen im Hinblick auf das Verhältnis zum Nachbarn Tschechien. Dort sei mehr und mehr Interesse gerade junger Bürger, Journalisten und Historiker an der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte und einer verstärkten heimatpolitischen und kulturellen Zusammenarbeit festzustellen, erklärte Bezirksvizeobmann Adolf Markus bei der Hauptversammlung der SL-Kreisgruppe Kulmbach.
Zum besseren Verständnis der kleinen, aber erfolgreichen Schritte des sudetendeutschen Führungsteams in den vergangenen Jahren auf diplomatischem Weg schlug Markus einen zeitgeschichtlichen Bogen von den "erdrückenden Folgen des Ersten Weltkriegs" bis hin zur "Katastrophe 1945" mit Entrechtung, Enteignung, Massakern, Zwangsarbeit und Vertreibung der sudetendeutschen Volksgruppe.


Einst Blockadehaltung

Die ersten Gespräche nach der kommunistischen Herrschaft und nach der Wende 1990 zwischen deutschen und tschechischen Regierungsvertretern seien von Blockadehaltung gegenüber der Sudetenfrage und von geschichtlichen Falschdarstellungen geprägt gewesen, bis hin zur Unantastbarkeit der Beneš-Dekrete und der Verhinderung der Teilnahme sudetendeutscher Vertreter an deutsch-tschechischen Gesprächen.
Dank der stetigen Arbeit von der Basis bis in die obersten Gremien habe man erreicht, "dass es keinen Schluss-Strich in der sudetendeutschen Problematik gibt", so der Redner.
Adolf Markus erinnerte an die positive Ausstrahlung der sudetendeutschen Tage, die gegenseitigen Kontakt-Besuche der Regierungschefs und weiterer Politiker sowie die Einrichtung der Vertriebenen-Gedenktage in Bayern, Hessen und Sachsen. Weiter wies er auf den Bau des sudetendeutschen Museums in München und in Aussig, die Ablehnung der Klaus-Klausel durch das EU-Parlament und neuerdings die Einrichtung einer bayerischen Vertretung in Prag hin. Ein Erfolg sei schließlich auch die Ende 2015 vom Bundestag beschlossene Zwangsarbeits-Entschädigung für Deutsche gewesen.


Ein historisches Ereignis

Der sudetendeutsche Tag 2016 in Nürnberg sei ein historisches Ereignis gewesen, weil nach vielen Jahren mit Kultusminister Daniel Herman erstmals offiziell ein tschechischer Regierungsvertreter zu Gast gewesen sei, so Markus. Dieser habe Worte des Bedauerns und der Scham gefunden. Adolf Markus ging auf die Satzungsänderung der Sudetendeutschen Landsmannschaft in der Bundesversammlung ein und stellte fest, dass diese mit 72 Prozent beschlossene Neuformulierung keine Zweckänderung sei. Er erwähnte verschiedene Versöhnungsgesten und Gedenken auf tschechischer Seite an Massaker- und Vertreibungsopfer.
Obmann Markus berichtete abschließend über die Veranstaltungen im Jahresablauf, die von der Orts-, Kreis- und Bezirksgruppe und im Rahmen der Landes- und Bundesversammlung durchgeführt wurden.
Nach dem Kassenbericht und der Entlastung durch die Kassenprüfer Gislinde Schuster-Namer und Josef Schuster folgte die Aussprache. red