Selbst mit größter Sorgfalt des Landwirts lassen sich Wildtierverletzungen beim Mähen auf Wiesen und Feldern nicht vollständig vermeiden, heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Die Frage "Was können Landwirte und Jäger tun, um Rehkitze, Hasen und Bodenbrüter vor tödlichen Verletzungen zu schützen?" stand im Mittelpunkt der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaft des Bayerischen Bauernverbands.
In der Zeit von April bis Juni setzt die Ricke (Reh) ihr Kitz in die Wiese ab. In den ersten Lebenstagen sucht die Ricke ihr Kitz nur zum Säugen auf. Sobald die Ricke ihr Junges wieder verlässt, drücken sich die Kitze lautlos auf den Boden, um sich vor Feinden zu schützen.


Fluchtfähig nach einem Monat

Erst im Alter von etwa vier Wochen sind die Jungen fähig, zu flüchten. Das heißt im Umkehrschluss also, je später im Jahr ein Landwirt mäht, desto kleiner ist die Gefahr, dass es zu Mähverletzungen kommt, da die Kitze dann älter sind und flüchten können. In der Theorie klingt das simpel, aber diesen Zeitpunkt abzuwarten, ist schwierig, wie der Bauernverband mitteilt.
Der Landwirt ist auf einen hohen Futterwert zur optimalen Versorgung seiner Milchkühe angewiesen. Nur mit hoher Grundfutterqualität lassen sich die Tiere bedarfsgerecht füttern und desto weniger Kraftfutter, wie Sojaschrot, muss zugekauft und verfüttert werden.
Es müssen deshalb andere Wege und Mittel gefunden werden, den Mähtod zu vermeiden. Werner Kuhn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bauernverband Unterfranken, appelliert an die Landwirte und Jagdpächter, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. "Suchen Sie den Dialog", sagt Kuhn.
Sobald der Landwirt plane, am nächsten Tag zu mähen, müsse der Jagdpächter in Kenntnis gesetzt werden. So können die Jagdpächter gegebenenfalls mit Hunden die Wiesen ablaufen, um das Gebiet durch den Geruch des Hundes für das Reh uninteressant zu machen, sodass sie mit dem Kitz weiterzieht.
Am Tag vor der Mahd kann der Landwirt noch Fahnen, Bänder oder Windrädchen an Stangen befestigt im Feld aufstellen. Nie dürfen die Fahnen jedoch schon früher als zwei Tage vor der Mahd aufgestellt werden. Sonst tritt der Gewöhnungseffekt ein und die Tiere nehmen die Fahnen nicht mehr als Gefahr wahr.
Weiterhin empfiehlt Kuhn, während der Mahd akustische Wildretter an den Mähbalken zu montieren. Gerade ältere, mobile Rehkitze im Alter von etwa vier Wochen werden so gewarnt und verlassen ihr Versteck.
Neben diesen Möglichkeiten, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Jagd, gibt es noch viele andere Methoden, beispielsweise könnten Drohnen oder Wildretter Einsatz finden, die über Infrarottechnik Kitze am Boden auffinden.
Eric Fischer vom Landwirtschaftsamt Bad Kissingen erläuterte die Verbisssituation in den Wäldern Unterfrankens. Bezogen auf Gesamtunterfranken habe sie sich weder verbessert noch verschlechtert. Nach dem Slogan "Wald vor Wild" müsse allerdings in den Hotspots wie im Ochsenfurter Gau bis hoch in den Landkreis Haßberge nach Möglichkeiten gesucht werden, um den Verbiss zu minimieren und so den Aufwuchs im Wald nicht zu gefährden.
"In Unterfranken", erklärte er weiter, "haben wir bezüglich des Waldumbaus im Zug des Klimawandels eine Luxussituation: Schon jetzt ist die Eiche die wichtigste Baumart in Unterfranken, im Rest Bayerns ist es die Fichte. Im Zug des Klimawandels sind es aber gerade die Laubarten, die gewünscht sind, und nach jetzigem Kenntnisstand besser in der Lage sind, dem Klimawandel zu trotzen."


Mehr Schaden durch Wildgänse

Klaus Pieroth von der BBV-Geschäftsstelle Hofheim informierte die etwa 80 Jagdvorstände und Jagdpächter aus den Landkreisen Haßberge und Schweinfurt über die Arbeit der Pilotgruppe Gänsemanagement im Maintal. Die Schäden durch Wildgänse auf landwirtschaftlichen Kulturen hätten auch im letzten Jahr im Maintal wieder etwas zugenommen.
Die Projektgruppe versuche, im Zusammenspiel zwischen Landwirten und Landnutzern, Jägern, Naturschützern und Behörden gemeinsame Wege zu finden, um der Gänseproblematik im Maintal und den durch Gänsen verursachten Schäden zu begegnen. red