von unserem Redaktionsmitglied 
Jutta Behr-GRoh

Bamberg — Seit Mitte April wird Bamberger Süßholz sogar in Berlin verkauft: Deutschlands angeblich erster Lakritzladen "Kado" bezieht es aus dem einzigen deutschen Anbaugebiet, genauer gesagt von der Bamberger Süßholz-Gesellschaft.
Sie wurde 2010 mit dem Ziel gegründet, eine uralte Kulturpflanze der Bamberger Gärtnerei vor dem Aussterben zu bewahren. Bamberg und Süßholz sollen eines Tages in den Köpfen der Menschen eine so selbstverständliche Verbindung eingehen wie Salzburg und Mozartkugeln. So formuliert Markus Schäfer, der die Geschäfte der Gesellschaft führt, das Fernziel. Fünf Jahren nach ihrer Gründung kann die Süßholz-Gesellschaft - ein privat-öffentliches Projekt, das im Rahmen des Modellprojekts "Urbaner Gartenbau" gegründet und mit Mitteln des Investitionsprogramms Nationale Unesco Welterbestätten und durch das Zentrum Welterbe der Stadt Bamberg gefördert wurde - erste Erfolge vorweisen. Es gibt in Bamberg wieder mehrere Felder, auf denen Süßholz kultiviert wird. Die ersten Ernten brachte die Gesellschaft in Form von gereinigten Wurzelstücken, die hübsch verpackt sind, in den Handel. Sie verkaufen sich gut.
Flächen und Ertrag sind noch gering. Die Gesellschafter und ihre Helfer sammeln auch noch praktische Erfahrungen im Umgang mit der Pflanze. Denn das Wissen um das Süßholz haben die alten Gärtner mit ins Grab genommen. Schriftlich ist so gut wie nichts überliefert, weshalb selbst Profis wie Gertrud Leumer, Motor der Süßholz-Gesellschaft, sich das Know-how erst wieder erarbeiten müssen.
Ein Teil des Bamberger Süßholzes wird inzwischen vor Ort von Dritten zu Likör, Pralinen, Wurst und Schinken veredelt (siehe obigen Artikel). Sehr zur Freude der Süßholz-Gesellschaft, weil Liebe bekanntlich durch den Magen geht und auf diese Weise auch die Einheimischen wieder auf den Geschmack einer Pflanze kommen, die zwar untrennbar mit der Geschichte der Welterbestadt verbunden ist, aber fast vergessen war. Ob Süßholz eines Tages wieder gewerbsmäßig angebaut wird, wie es bis um 1945 herum der Fall war, bleibt abzuwarten.